Auch Ivo van Hoves zweite Saison beginnt mit einem clever kalkulierten Paukenschlag. Star trifft Songs – das bescherte dem Ruhrtriennale-Intendanten bereits in seiner Auftaktspielzeit eine glänzende Auslastung. Auf Sandra Hüller 2024 folgt nun ihr gefeierter Schauspielkollege Lars Eidinger. Und dann auch noch mit Frank Sinatra! Geht mehr Publikumsmagnet? Titel: „I Did It My Way“. Van Hove, der in seinem Antrittsinterview „Konzeptalben aus Rock und Pop als Inszenierung“ angekündigt hatte, stellt Sinatra Songs der afroamerikanischen Jazz-Ikone Nina Simone gegenüber. Und Eidinger die Sängerin Larissa Sirah Herden in einem Drama über „Befreiung und Verlust“ mit Bigband und vier Tänzern (ab 21.8).
Was sind die weiteren Großtaten des Jahrgangs? Dem wegen seiner Homosexualität verfolgten britischen Mathematik-Genie Ian Turing gilt die multimediale Performance „Oracle“ (Uraufführung) in der Regie von Lukasz Twarkowski (ab 28.8). Ballett und Club-Dance sollen in „Delay the Sadness“ einander begegnen (ab 12.9). Um Picassos berühmtes Anti-Kriegsgemälde Guernica kreist eine Neuschöpfung des gefeierten Theaterkollektivs FC Bergman (ab 19.9).
Ruhrtriennale 2025: Rund zwei Drittel aller Tickets bereits vergriffen
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80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt „We are the lucky ones“ von Menschen, die – geboren zwischen 1940 und 1949 – die Nachbeben des Zweiten Weltkrieges am eigenen Leib erlebt haben, von der Verdrängung bis zum Wirtschaftswunder. Zu sehen in einer neuen Oper von Philip Venables; Bochums Symphoniker sind mit im Boot (ab 4.9). Tanzprojekte reichen von „Ultimo Helecho“ als „ barockes Fest südamerikanischer Mythologien“ (ab 23.8) bis zum kritischen Blick auf Folgen des Kolonialismus, für die „…how in salts desert is it possible to blossom…“ der Choreographin Robyn Orlin steht (ab 3.9).

Van Hove setzt sich auch im zweiten von drei Amtsjahren deutlich ab von vielen Vorgängern. Einerseits verzichtet das Programm auf Klassiker der Hochkultur (die es bei der Ruhrtriennale vom „Tristan“ bis zum „Rheingold“ immer wieder gab). Andererseits schärft er gerade mit den popkulturellen Schwerpunkten seine Linie, Theater nicht nur für eine kulturelle Oberschicht zu machen. Das Programm für junge Zuschauer ist üppig. Den 150. Geburtstag Maurice Ravels feiert man zwar mit dessen „Bolero“, allerdings im Gewand eines „Techno-Erlebnisses“ zum Mittanzen in der Halle Zweckel (ab 22.8). Mit Spannung blickt man ab 11.9 auf das generationsübergreifende „Falaise“ der Zirkustruppe „Baro d’evel“. Für Erwachsene und Menschen ab zehn Jahren bietet sie eine „chaotische, bröckelnde Szenerie voller Energie“. Im Zentrum: acht Darsteller, ein weißes Pferd und ein Taubenschwarm!!!

Die diesjährigen Festspiele an Schauplätzen der Industriekultur überschreibt Van Hove mit der Frage: Wie wollen wir morgen miteinander leben? Er bekennt: „Verbundenheit ist so wichtig wie noch nie, in einer Welt voller feindseliger Spannungen.“ Eine hehre Botschaft, nicht zuletzt angesichts bis heute nicht ganz geklärter Unruhen um sein Wirken als Theaterleiter in Amsterdam. Es ging laut einer vom Theater in Auftrag gegebenen Untersuchung dort um „eine vergiftete Arbeitskultur und Machtmissbrauch“. Das berühmte „ITA“ hatte sich von Van Hove, der das Haus lange künstlerisch geleitet hatte, 2024 auch als Berater getrennt. Interview-Angebote unserer Redaktion zum Thema lehnte der Belgier mehrfach ab.
Karten ab sofort! Rabatt bis Mai
Der Kartenvorverkauf startet am heutigen Mittwoch, 2. April. Insgesamt sind 45.000 Karten auf dem Markt. Bis zum 11. Mai gibt es einen Frühbucherrabatt (10 Prozent).
Die Aktion „Bring your friends“ hat auch der aktuelle Jahrgang: Für jedes Vollpreis-Ticket gibt es bei ausgewählten Veranstaltungen bis zu drei weitere Tickets mit 50 Prozent Rabatt. Weitere Infos zu Programm und Tickets finden Sie unter www.ruhrtriennale.de
Das Ticket-Telefon hat die 0221280210
Die Ruhrtriennale 2025 beginnt am 21. August, sie endet am 21. September. 35 Produktionen und Projekte sind angesetzt, macht 136 Veranstaltungen mit 630 Künstlerinnen und Künstlern aus fast 40 Ländern. Treu bleibt Van Hove 2025 der Konzentration auf wenige Schauplätze. Festival-Gründer Mortier hatte noch bis Hamm die Kunst in alten Industriestandorten zelebriert, Johan Simons eroberte kostentreibend neue Hallen von Lohberg bis Marl. 2025 aber sind es allein und wieder einmal Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck.



