Das Intro dieses Krimis lässt einen fast mit Befriedigung zurück. Am Ende der Eingangssequenz der „Tatort“-Folge „Borowski und das Haupt der Medusa“ ist die „Alte“ tot. Erwürgt, stranguliert vom eigenen Sohn. Robert Frost (August Diehl) ist kein Poet, wenn es ums Töten geht. Eine nüchterne, beinah ruhig durchgeführte Tat am Abendtisch. Das von ihm zubereitete Gulasch hat der Krawallmama erwartungsgemäß nicht gemundet. Auch sonst mäkelt und motzt Eleonore Frost (Corinna Kirchhoff) an ihrem 40-Jährigen herum, dass es eine Art hat. „Zieh dir was Anständiges an, dann kriegst du auch ne Frau“, „Du musst dieses Muttersöhnchenimage ablegen“ – es ist der pure Terror, der reine Horror im stickigen Einfamilienhaus in Kiel-Düsternbrook.
In genau jenem Spießer-Stadtteil ist Axel Milberg aufgewachsen. Der Mann, der in diesem Thriller nach 22 Jahren und 44 Episoden seinen Abschied als Kommissar Borowski gibt. Die NDR-Verantwortlichen haben mit diesem Krimi (Regie: Lars Kraume, Drehbuch: Sascha Arango) für ein würdiges Ende dieser „Tatort“-Ära gesorgt. Die Grundsympathie für den mordenden Sohn, den August Diehl überzeugend als zwangsgestörten Ausbund an Jämmerlichkeit spielt, mag zunächst vorhanden sein. Aber zur Rechenschaft gezogen werden muss er halt doch, und damit das geschieht, muss der Instinktbulle Borowski einen letzten großen Auftritt haben.
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Letzter „Tatort“ aus Kiel mit Axel Milberg: „Best-Ager klingt toll“
Als melancholisch-verpeilter Bald-Pensionär saß er eben noch im Reisebüro vor der Urlaubsfachkraft (Tourismuskauffrau: „Aktivreisen sind bei unseren Best-Agern ganz hoch im Kurs“, Borowski: „Best-Ager klingt toll“). Dann schon ist er auf dem Bürgeramt, um seinen Reisepass zu verlängern. Auch hier ist der Film schön plakativ: Ausgerechnet den zwischen letzten beruflichen Pflichten und dem Ruhestand Verlorenen vergisst das Amt im Wartesaal. Seine Nummer wird nicht aufgerufen.

Was, wie Borowski danach erfährt, an der grundsätzlichen Dysfunktionalität des Bürgeramts liegen könnte. Uschi Schönlein (Klara Lange, „Die Discounter“) berichtet von Personalnotstand, der auch mit zwei überraschenden Todesfällen zu tun hat. Ein anderer Kollege ist seit längerem auch gar nicht mehr bei der Arbeit aufgetaucht, soll aber noch leben. Verdächtig, verdächtig! Nur wenig später schleicht Borowski mit gezücktem Messer durch das selten hässliche Wohnzimmer der Frosts. Der absente Kollege ist kein anderer als der auch in geschlossenen Räumen Trenchcoat tragende (der Drehbuchautor hält es hier mutig mit dem lateinischen „Nomen est omen“), amtlich geprüfte Superirre Robert.
„Tatort“-Folge „Borowski und das Haupt der Medusa“: Von Anfang an auf der richtigen Fährte
Das Duell zwischen Borowski und dem Mörder ist das dramaturgische Zentrum dieses gut gespielten und spannenden „Tatorts“. Borowskis Chef („Willst du deine Karriere mit einem Idiotentest krönen?“) zweifelt zunächst am Verstand seines alten Recken und flennt später dennoch ungehemmt bei dessen Verabschiedung. Aber Borowski ist natürlich von Anfang an auf der richtigen Fährte. Dieser Fall schöpft sein atmosphärisches Setting aus den Behausungen, in denen sich Robert Frost bewegt.
Einerseits dem Grusel-Haus, in dem er dem emotionalen und vermutlich auch körperlichen Missbrauch der Mutter ausgesetzt war. Und dann in der gesichtslosen Mietwohnung, in der der sich als Ober-Hacker entpuppende Sonderling sein Computer-Einsatzzentrum eingerichtet hat. Als Endgegner Borowskis muss er schließlich Format haben. Frost legt die Server von Bürgeramt und Polizei lahm. Sein altmodischer Kontrahent ist gar nicht digital unterwegs. Er lässt ein spezielles Bild malen, um den Mörder zu fangen. Hier hat man dann noch mal den ganzen, den aus der Zeit fallenden Kommissar. Als kultivierter Ermittler darf er in dieser Hochkultur-Folge – Musil, Caravaggio – auch in Theatersprache von des Mörders Auftritt in drei Akten sprechen. Staubig? Und wenn schon.
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Was die Zukunft angeht: Mila Sahin (Almila Bagriacik) überlässt in diesem Borowski-Finale dem Kollegen weitgehend die Bühne. Demnächst werden die „Tatort“-Schreiber ihr Profil schärfen müssen. Karoline Schuch wird künftig als Polizei-Psychologin Elli Krieger an der Seite der Hauptkommissarin Sahin spielen, eine vielversprechende Kombination.
„Tatort: Borowski und das Haupt der Medusa“ 16.3., 20.15 Uhr, ARD.


