Die Dinge stehen nicht gut am Hof der Burgunder zu Worms. König Gunther muss sich freche Provokationen gefallen lassen, seit sich der prahlerische Siegfried aus Xanten, Kriegsherr der Nibelungen und Drachentöter, mit seinen Kämpfern am Gastrecht labt und ungeniert Gunthers Schwester, der edlen Kriemhild, schöne Augen macht.
Auch an den Grenzen des Burgunderreichs droht Ungemach. Die Dänen wollen mit den Sachsen gemeinsam gegen Worms ziehen. Die Burgunder können das in einer Schlacht verhindern, bei der sich vor allem Gunthers Waffenmeister Hagen von Tronje tapfer hervortut. Als der Hunne Etzel mit seinen Truppen Europa bedroht, reist Gunther mit Gefolge nach Island, um die Walküre Brunhild zu werben. Dank eines Zaubers des Magiers Alberich kann er Brunhild bezwingen und weiß nun eine mächtige Verbündete an seiner Seite. Doch hinter seinem Rücken entspinnen sich neue, fatale Ränke.
„Hagen“ im Kino: Bei Hohlbein wurde Hagen zum tragischen Helden
So weit ist die Saga bekannt, wie sie im Nibelungenlied besungen und als Hörspiel auf Europa-Schallplatte millionenfach vernommen wurde. 1986 aber verfasste der schreibfleißige Wolfgang Hohlbein seine Version der Ereignisse in Romanform und erhob den bis dahin als Schurken beschriebenen Hagen zum tragischen Helden, dem die Treue zum König und die Liebe zu Kriemhild zum Verhängnis wird. Der Roman war ein gewaltiger Erfolg, doch war man erst knapp vier Jahrzehnte später bereit, das prächtige Treiben nach Fritz Lang 1924 und Harald Reinl 1966 noch einmal anzugehen und in moderne Filmbilder zu gießen.

So richtig Schaupracht mag sich unter der Regie des erprobten Gespanns Cyrill Boss und Philipp Stennert (die Parodien „Neues vom Wixxer“ und „Jerry Cotton“, aber auch die Thrillerserie „Der Pass“) in der nun vorliegenden deutsch-niederländischen Koproduktion nicht einstellen. Der Drache segelt nur einmal kurz durchs Bild und die Heere der Sachsen und der Hunnen treten weit unter Regimentsstärke auf. Die Bildgestaltung setzt auf dunkle Räume und entsättigte Farben, lediglich Brunhilds Island punktet mit wuchtigen Panoramen, weil die Landschaft dort auch starke Bilder erlaubt.
„Hagen“ im Kino: Zumindest Gijs Naber in der Titelrolle ist großartig
Die Rolle des Siegfried spielt Jannis Niewöhner als aufschneiderischer Action-Hampel mit erschreckend wenig Charisma. Wie man diesen Schauspieler so scheitern lassen kann, ist rätselhaft. Schillernde Akzente setzen Lilja van der Zwaag als lüsterne Kriemhild, Johanna Kolberg ist ein gruseliger Alberich und die Dänin Rosalinde Mynster eine aufregende Brunhild.
Großartig ist allerdings die Besetzung des Hagen mit dem charismatischen Holländer Gijs Naber, der kraftvoll das Schwert schwingen kann, aber auch der tragischen emotionalen Komponente der Rolle gewachsen ist. Es wäre einiges möglich gewesen für einen großen Kinofilm, aber einmal mehr fehlt es am Geld für Großbildwirkung. Schade eigentlich.


