Das Paradies liegt direkt vor einem – man muss nur genau hinschauen. Mit dieser einfachen Botschaft hat sich Janosch in die Herzen von Millionen Lesern geschrieben. Geholfen haben ihm dabei seine liebenswürdigen, krakelig gezeichneten Figuren: der kleine Bär und der kleine Tiger, die am Ende ihrer Suche nach dem Glück bringenden Panama wieder am Anfang ankommen – in der bescheidenen Hütte mit dem gemütlichen Plüschsofa. Fulmidabel! Dabei war das Leben von Janosch, der am Mittwoch, 11. März, 95 Jahre alt wird, alles andere als paradiesisch.
Seine Kindheit sei „die Hölle“ gewesen. Als Horst Eckert, benannt nach dem SA-Sturmführer Horst Wessel, kommt er in Oberschlesien im heutigen Polen zur Welt. Die Mutter betet, der Vater ist stets betrunken, und beide prügeln – und zwar ihn. Schlimmer jedoch sei ein Jesuitenpater gewesen, der den Jungen das Leben erklärte: alles Sünde! 1946 flieht die Familie nach Westdeutschland. „Das Wichtigste für mich war immer die Freiheit“, bekennt der Schriftsteller später in dem Buch „Vom Glück, als Herr Janosch überlebt zu haben“.

Als Künstler betrachtet er sich nie, das Malen wird zur Flucht. So ist in einem Janosch-Katalog von 1998 zu lesen: „Ich fing an, Maler werden zu wollen, weil ich nicht mehr arbeiten wollte, ich wollte raus aus der Fabrik.“ Anfangs lebt der gelernte Schmied in Bad Zwischenahn, dort arbeitet er in Textilfirmen. Später lernt er in einer Textilschule in Krefeld Musterzeichnen. Dann besucht er die Akademie der Bildenden Künste in München. Aber er bleibt nicht lange. Nach eigener Aussage aus Mangel an Begabung.

Trotzdem lässt er den Zeichenstift nicht los. Beim Malen sei er immer aufgeregt. „Die Hände fangen mir an zu zittern und beim Zeichnen wird der Strich verworren.“ Dieser „verworrene Strich“ wird zu seinem Stilmittel.
Erstes Buch entsteht eher zufällig aus Leidenschaft zum Zeichnen
Zu seinem ersten Kinderbuch kommt er eher zufällig, der Verleger Georg Lentz überredet ihn dazu. Er soll ihm auch zum Künstlernamen Janosch geraten haben. Doch das erste Kinderbuch floppt 1960: „Die Geschichte von Valek dem Pferd“ verkauft sich anfangs kaum.

Erst 18 Jahre später kommt Janoschs Durchbruch, mit „Oh, wie schön ist Panama“. 1979 wird er dafür mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis geehrt. Bald gesellen sich zum Tiger und Bären weitere Figuren, wie Günter Kastenfrosch und Emil Grünbär. Der heimliche Star der Abenteuer ist jedoch die Tigerente auf den Holzrädern.
Bayerischer Ministerpräsident kritisierte Janosch als „falschen Propheten“
Hübsch harmlos wirken die Geschichten, erzählen von einer heilen Welt, in der Geld nicht glücklich macht, aber Apfelmus. „Weil ich keine Kindheit hatte, muss ich sie ewig nachholen“, sagt Janosch einmal in einem Interview. Dabei lässt er auch die rebellische Pubertät nicht aus und zeichnet für erwachsene Augen mal plump erotisch Frauen mit nackten Brüsten oder auch kritisch bis zynisch etwa 2007 einen Priester, der bei der Taufe einem Säugling das Kreuz in den Leib rammt. Darauf nennt der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber Janosch einen „falschen Propheten“, seine Bücher sollten aus den Kinderzimmern verbannt werden.
Das Gegenteil ist der Fall: Janosch zählt mit über 100 Büchern, die in mehr als 25 Sprachen übersetzt wurden, zu den weltweit bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren. Seine Geschichten kamen als Zeichentrickfilme auf den Bildschirm und die Kinoleinwand. Außerdem amüsierte er Erwachsene mit den Weisheiten des Herrn Wondrak.
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Interviews gibt Horst Eckert schon lange keine mehr, er hat auch das Malen und Schreiben aufgegeben. Er möchte seine Ruhe haben, so die Janosch-Gesellschaft auf Anfrage: „Natürlich hat das Alter seinen Preis gefordert. Aber angesichts seines 95. Geburtstags geht es Janosch gut.“
Der Autor selbst fand doch noch sein persönliches Paradies. Allerdings nicht direkt vor ihm, sondern auf Teneriffa. Seit Jahren lebt er zurückgezogen auf der Kanarischen Insel. Vater wurde er allerdings nie. Schließlich habe er von seinen Eltern gelernt: „Dass man in dieser Welt keine Kinder zeugen soll.“



