Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ haben schon so manche Lunte politischer Machterschleicher ins Theater getragen. Wer Biedermann keinen konkreten Gegner gibt, läuft deshalb Gefahr, nur irgendeinen gutgläubigen Allerwelts-Opportunisten auf die Bühne zu stellen. Moritz Peters lässt in seiner klar adressierten Inszenierung der Frisch-Parabel im Essener Grillo-Theater keinen Zweifel daran, wer die Brandstifter sind.

Mit dumpfen Parolen, NSU-Täterfotos und ausländerfeindlicher Hetze aus dem Internet deutet Peters die zeitlose Parabel als Stück der Stunde. Gutgläubige Ignoranz, falsch verstanden als Toleranz, ergibt zweistellige AfD-Wahlergebnisse, lautet hier die mahnende Gleichung. So hoch nach oben wie die Prozentzahlen führt auch das Bühnenbild. Nehle Balkhausen hat eine halsbrecherisch anmutende, steil aufsteigende Treppenlandschaft gebaut, auf deren Empore die obdachlosen Ganoven Schmitz und Eisenring alsbald schon ihre Benzinvorräte stapeln.