Große Oper und Hochamt, herrische Trompetenrufe des Jüngsten Gerichts und ein liebeswahnsinniges Duett von Sopran und Alt. Groß ist die Bandbreite von Stimmungen, Farben und Emotionen, die Adam Fischer den Symphonikern bei Mahlers Zweiter Symphonie entlockt. Der Principal Conductor nähert sich, auch am Sonntagmorgen in voll besetzter Tonhalle, mit dem C-moll-Titan der Zielgeraden: nämlich sämtliche Mahler-Symphonien bei den „Sternzeichen“ (Abonnementkonzerten) aufzuführen und live auf CD einzuspielen. Diese „Auferstehungssymphonie“ ist die vorletzte. Schon jetzt darf man sich auf die CD freuen, denn diese Aufführung mit exzellent intonierten Symphonikern an allen Pulten kann, auch wegen zuverlässigen Chors (Musikverein) und exzellenter Solistinnen, als ein, wenn nicht der Höhepunkt des Düsseldorfer Mahler-Zyklus’ gewertet werden.
Richard Strauss soll mal das 80-Minuten-Opus als Mahlers Oper bezeichnet haben. Tatsächlich bietet der Weg von der ‚Totenfeier’ im ersten Satz bis hin zur finalen ‚Auferstehung’ aufwühlendes, mitreißendes Drama, in dem das ‚Urlicht’ flackert und vibriert.
Gewaltige explosive Klänge
Es beginnt mit gewaltigen, explosiven Klängen und einem Trauermarsch, der, nicht nur wegen der Tonart, an Wagners „Götterdämmerung“ erinnert. Scharfkantige Schläge, ein sich nervig steigerndes Tutti, ausladende Ballungen und plötzliches Innehalten des gesamten Orchester-Apparats stehen im Wechsel mit süßlichem Streicher-Schwelgen. Letzteres engagiert dynamisch von Violinen, Celli und Bässen zelebriert.
Ebenso stilecht gelingt in den Zwischensätzen das Menuett – tänzerisch wiegend mit verhangenem Pizzicato und romantischem Strahlen. Oder im dritten Satz die Walzer-Takte der Jahrhundertwende, in denen Adam Fischer wienerische Eleganz mit hintergründiger Ironie verbindet. Doch sobald Nadine Weissmann mit ihrem balsamisch ausladenden Alt „O Röschen rot, der Mensch liegt in größter Not…“ leise anstimmt, sich steigert, um das ‚Urlicht’ zu beschwören – ist es wie ein tröstender Ruf aus einer anderen Welt. Hier hebt die Aufführung ab, trifft unmittelbar ins Gemüt der Zuhörer, vergleichbar mit einem Hochamt.
Im letzten Satz flüstern anfangs Sopranistin Tünde Szabóki und Chor „Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst Du“ – hauchzart, bevor sich Alt und Sopran in „O Schmerz“ erneut in andere Sphären aufschwingen. In diesem triumphalen Schluss-Satz (es soll der längste sein, den Gustav Mahler geschrieben hat) reizt das Orchester seine Klangmöglichkeiten aus, Fischer wagt extreme Ballungen, Glocken und Orgel inklusive, während der Chor von der Gewissheit der Auferstehung erzählt. Mit reichlich Andacht. Insgesamt eine CD reife Interpretation der „Auferstehungs-Symphonie“, der Mahler das Gedicht „Auferstehung“ von Klopstock zugrunde legte. Lange Ovationen gelten allen, nicht nur dem Maestro.


