„Wahnsinn! Unglaublich, ich kann es gar nicht fassen! Ich hab das nicht erwartet, ganz ehrlich“, sagte Fatih Akin, kurz nachdem er den Golden Globe für seinen Film „Aus dem Nichts“ überreicht bekommen hatte. „Es ist sehr surreal gerade, aber schön, sehr schön!“ Seine Frau habe er noch in der Nacht in Hamburg angerufen und mit der guten Nachricht geweckt. Den Preis wolle er zu den anderen Auszeichnungen in sein Büro stellen, sagte der 44-Jährige, „zu dem Goldenen Bären und den anderen Dingern auch. Ich kann damit auch Bodybuilding machen, so schwer ist das Scheiß-Ding!“
Der große Gewinner bei den Globes war allerdings „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Das Werk des Iren Martin McDonagh wurde nicht nur als bestes Drama ausgezeichnet, sondern gewann auch noch drei weitere Trophäen, darunter die für Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin. Die 60-jährige US-Amerikanerin spielt eine Mutter, die die Ermordung ihrer Tochter aufgeklärt haben will und gegen die inkompetente Polizei kämpft. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, der am 25. Januar in den deutschen Kinos anlaufen wird, prangert Polizeiwillkür und Rassismus an.
Die Preise waren fast Nebensache
Auch sonst gab es an diesem Abend einiges Politisches, die Preise waren fast Nebensache: Bei der 75. Golden-Globe-Gala bliesen Hollywoods Frauen lautstark zum Kampf gegen Sexismus und belebten noch einmal die Debatte um Missbrauch, die Hollywood seit Monaten beschäftigt. Als Zeichen der Solidarität mit der „#MeToo“-Bewegung kleideten sich die meisten Galagäste ganz in Schwarz; Der Schlachtruf „Time’s Up“ („Die Zeit ist um“) wurde zum Slogan der Trophäen-Gala; von der Bühne herunter forderten viele zum Kampf für die Gleichstellung von Frauen auf.
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„Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht“, sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk – und rührte Viele im Saal zu Tränen. „Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren.“ Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer „Me too“ sagen muss, mahnte Winfrey.
„Aus dem Nichts“ ist auch Oscar-Kandidat
Fatih Akin, Sohn türkischer Einwanderer, betonte, dass ihm der Golden Globe aber vor allem aus einem Grund wirklich wichtig sei: „Ich denke, dass so ein Preis die Aufmerksamkeit auf den Film lenkt und den Film nochmal attraktiver macht für Zuschauer.“ Es gehe darum, die Problematik, die hinter den NSU-Anschlägen stecke, im öffentlichen Bewusstsein zu halten. Sein Film „Aus dem Nichts“, der in diesem Jahr auch der deutsche Oscar-Kandidat ist, erzählt von einer Frau, die bei einem Anschlag in Hamburg ihren türkischen Ehemann und den gemeinsamen Sohn verliert. In der Hauptrolle brilliert die in Niedersachsen geborene Diane Kruger.
Zuletzt hatte im Jahr 2010 das Schwarz-Weiß-Drama „Das weiße Band“ des österreichischen Regisseurs Michael Haneke einen Auslands-Globe nach Deutschland geholt.



