„Hast du auch mitbekommen, dass ein neuer Krieg begonnen hat?“ So beginnt ein Comic auf der Internetseite frieden-fragen.de. Auf dieser Seite beantworten Fachleute Fragen von Kindern. „Ist Frieden, wenn kein Krieg herrscht?“ „Oder ist Frieden, wenn alle die gleichen Rechte haben und niemand wegen seiner Religion und Hautfarbe verfolgt wird?“ sind Fragen, denen dort nachgegangen wird. Cora Bieß ist Friedenspädagogin und Friedensforscherin und hat sich den Comic mit einer Friedenstaube und den beiden Kindern Amar und Kim ausgedacht. Im Interview erklärt sie, dass am Frieden immer wieder gearbeitet werden muss.

Was macht eine Friedensforscherin und Friedenspädagogin?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir entwickeln zum Beispiel Workshops für Jugendliche, um zu zeigen, wie Konflikte entstehen und wie sie damit umgehen können. Ein anderes Projekt ist die Seite frieden-fragen.de. Hier versuchen wir, schwierige Fragen zu Krieg, Gewalt, Konflikt und Frieden in einfacher Sprache zu beantworten, aber auch konkrete Kinderfragen zu beantworten. Es gibt auch kurze Videos, ein Quiz und eben den Comic.

Cora Bieß.
Cora Bieß.© privat

Wie sind Sie auf die Idee für den Comic gekommen?

Nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine sind viele Fragen von Kindern gekommen. Sie äußerten ihre Angst vor dem Krieg und haben gefragt, was sie dazu beitragen können, Frieden zu schaffen. Diese Fragen habe ich gesammelt, um sie in einer Geschichte zu erzählen. Alle Fragen, die die Kinder Amar und Kim im Comic stellen, wurden auch wirklich gestellt. Es ging mir aber auch darum zu erzählen, wie Frieden im Kleinen funktionieren kann, um den Kindern ihr Gefühl von Ohnmacht und Einflusslosigkeit zu nehmen.

In der Geschichte wird die Friedenstaube von den Kindern gefüttert. Das Frieden genährt werden muss, ist ein schönes Bild. Ist Frieden etwas, um das man sich immer kümmern muss, eine Aufgabe, die nie aufhört?

Ja, Frieden ist ein Prozess, der nie aufhört. Deswegen ist es wichtig, dass die Menschen immer etwas dazu beitragen und ihn als kostbares Gut sehen, das geschützt und unterstützt werden muss.

Wie kann man das lernen?

Uns ist es wichtig zu erklären, dass Konflikte, egal ob auf internationaler oder zwischenmenschlicher Ebene, Ähnlichkeiten aufweisen. Deshalb ist es wichtig, Friedensbildung in der Schule zu verankern, damit Kinder und Jugendliche schon früh lernen, wie ein friedliches Miteinander möglich ist.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Arbeit nennen?

Wir arbeiten mit neun Cartoon-Karten aus der Konfliktforschung. Darauf ist zunächst eine Brücke zu sehen, auf der sich links und rechts zwei Gruppen gegenüberstehen. Sie geraten in Streit, fangen an zu argumentieren, dann reißen die Ersten im Streit um die Brücke Holzstücke heraus. Am Ende eskaliert der Konflikt so arg, dass die Brücke einbricht. Anhand der Karten arbeiten wir heraus, wo es noch möglich ist, den Streit so zu beenden, dass beide Seiten etwas davon haben und ab wann es nur noch darum geht, dass der andere nicht gewinnt. Das ist hilfreich, denn die Jugendlichen können das gut auf ihre Erfahrungen übertragen.

Was wünschen Sie sich in der aktuellen Situation für Kinder und Jugendliche, die angesichts des Kriegs in Israel wieder viele Fragen haben?

Dass es überhaupt die Zeit und den Raum dafür gibt, dass Kinder und Jugendliche ohne Angst ihre Gedanken teilen können, um so Offenheit und Sicherheit zu schaffen. Aber dann muss auch geschaut werden, dass gewisse Vorurteile, die da sind, nicht verstärkt werden, sondern ein gegenseitiges Verständnis geschaffen wird für alle unterschiedlichen Betroffenen. Egal ob in Schulklassen oder in Vereinen, es geht darum, dass für ein gutes Miteinander vor Ort gesorgt wird.

Wie kann das funktionieren?

Es gibt ein Projekt, das ich an der Stelle gerne nenne: „Peace counts“ (Frieden zählt). Das ist eine Zusammenstellung von verschiedenen Friedenstiftern. So kann man ins Gespräch kommen. Außerdem entwickeln wir mit Jugendlichen Visionen für den Frieden anhand von verschiedenen Bildern. Auch so kann man darüber sprechen, was Frieden eigentlich bedeutet und wann man selbst Friedensmomente hat. Um dann gemeinsam zu überlegen, wie wir in der jetzigen Situation den Frieden stärken können.

Cora Bieß empfiehlt für Schulen die Unterrichtsmaterialien der Servicestelle Friedensbildung:
friedensbildungs-bw.de
Auch das NRW-Schulministerium hat Infomaterial gesammelt: schulministerium.nrw