Von außen verrät die schmale Hofeinfahrt in Kleve-Rindern nichts. Erst wer eine unscheinbare weiße Tür öffnet, taucht in ein kleines Knusper-Universum ein, in dem es verführerisch nach Zimt und Tonkabohne riecht. „Gestern haben wir hier die Power Paula gebacken“, erklärt Meike Schlenker-Janßen den süßen Duft. Heute wird in der Granola-Manufaktur „Barni und Wilma“ das Produkt Frida Coco vorgemischt.

Vom Kellerbetrieb zum Granola-Startup: Wie aus Experimenten Erfolg wird

Gebacken wird aber erst morgen, deswegen haben die 39-jährige Gründerin und die Produktionsleiterin Lena Michels Zeit für einen Rundgang und die Frage, wie aus einer Kellermanufaktur ein Unternehmen wurde, das drei Tonnen Granola im Monat verkauft.

Ernährungsbewusst und experimentierfreudig sei sie schon immer gewesen, sagt Meike Schlenker-Janßen auf dem Weg von der Packstation zum Wareneingang. Hier lagern Säcke und Eimer voller Haferflocken, Sojaflocken, gepuffter Quinoa, Buchweizen, Nüsse und andere Trockenwaren. Eben alles, was man für ein geröstetes Müsli braucht. In einem Kühlraum daneben stapeln sich weitere Zutaten wie Ahornsirup in Minifässern.

„Ich habe schon immer gerne Granola selbst gemacht“, erzählt die 39-Jährige. „Wenn man einmal damit angefangen hat, dann will man eigentlich auch kein Industrieprodukt mehr. Denn man weiß genau, was drin ist, und es schmeckt einfach viel besser.“ Als dann im ersten Coronajahr in vielen Bereichen die Stopp-Taste gedrückt wurde, begann für Meike Schlenker-Janßen eine Zeit des Aufbruchs.

Granola von Barni und Wilma für die Niederrheinseite
Die verschiedenen Granola-Sorten lassen sich mit frischem Obst verfeinern.© Barni und Wilma | Meike Schlenker-Janßen

Die Softwareberaterin gründete ein kleines Side-Business. Mit einem Gastro-Ofen im Keller fing alles an. Die ersten Abnehmer von Mandel Britta und Diana Banana waren Bekannte und Freunde, aber es dauerte kaum ein Jahr, da meldeten sich Händler und Bauernhofläden bei der Jungunternehmerin. „Da war klar, ich brauche Hilfe, und so kam Lena dann ins Spiel. Ich kannte sie über eine gemeinsame Freundin und wusste, dass sie Konditorin ist.“

Backofen und Handarbeit: Produktion wächst in alter Bäckerei

Im Gegensatz zur Gründerin hatte Lena Michels damals mit Knusperflocken gar nichts am Hut. „Ich komme ja aus der Bäckerei-Welt und Granola war für mich ein komplettes Fremdwort“, schmunzelt die 37-Jährige. „Auch zu Hause waren wir immer die Brot- und Brötchenesser. Naja, das hat sich dann schlagartig geändert.“

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In unserer Serie „Leckeres vom Niederrhein“ stellen wir Manufakturen, Restaurants und Hofläden vor.

Schon 2022 machten sich die beiden auf die Suche nach einer Immobilie, um der immer weiter steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Die war mit der ehemaligen Produktionsstätte der Bäckerei Mölders in Rindern gefunden. Hier steht jetzt ein riesiger Backofen, in den die Backbleche auf dem Rollwagen hineingefahren werden. Auch sonst ist hilfreiche Technik eingezogen, obwohl vieles Handarbeit ist.

So wiegt Mitarbeiterin Svenja Riensberg gerade Kürbiskerne und Buchweizen für den Granola-Mix Frida Coco ab. Danach geht es zu einem Mischer, der 40 Kilogramm fasst und die Zutaten mixt wie eine große Küchenmaschine.

Manche der klingenden Namen haben sich die Kunden ausgedacht.
Manche der klingenden Namen haben sich die Kunden ausgedacht.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

„Das haben wir früher in einer Mulde per Hand gemacht“, beschreibt Lena Michels. Wie viel Kokosöl und Ahornsirup noch hineinkommen und wie lange die Bleche mit Granola im Ofen sind, bleibt natürlich Betriebsgeheimnis. Und die Gründerin selbst verrät nur so viel: „Das Zusammenspiel von Kokosöl und Ahornsirup ist superwichtig, damit der perfekte Crunch entsteht.“

Der Rundgang endet an der Packstation, wo der Bestseller Mandel Britta, die proteinreiche Power Paula und der nussfreie Hafer Hans in Paketen nur darauf warten, in Edeka-Märkten, Rewe-Märkten, Feinkostläden und Concept-Stores zu landen. Auch Hotels lassen sich die Knusperflocken liefern. Einige der klingenden Namen haben sich übrigens die Kunden ausgedacht. Denn zum Erfolgsrezept von „Barni und Wilma“ gehört nicht nur die perfekte Mischung der Zutaten, sondern auch der rege Austausch mit den Granola-Liebhabern, wissen die Geschäftsführerin und die Produktionsleiterin, die inzwischen beide Vollzeit arbeiten und mehrere Mitarbeiterinnen beschäftigen.

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„Wir bekommen in der Regel ganz viel Feedback“, freut sich Meike Schlenker-Janßen. So gab es irgendwann die Nachfrage nach einem glutenfreien Granola ohne Nüsse. Daraufhin wurde Frida Coco entwickelt, auf Buchweizenbasis, mit gepuffter Quinoa und Kokoschips.

Granola für ganz Deutschland

Vom Kontorhaus auf Sylt bis zum Reformhaus Mayr in München ist das Granola aus Kleve in rund 150 Läden deutschlandweit zu finden. Die Adressen gibt es hier: barniundwilma.de

In diesem Jahr wurde der Crunch des Monats eingeführt. „Wir haben eine große Newsletter-Community und fragen darüber ab, was die Leute sich wünschen. Das werten wir dann aus und entwickeln daraufhin neue Produkte“, beschreibt die Gründerin.

Kreativ zu sein und sich an neue Produkte heranzutasten, macht allen Spaß: „Es freuen sich alle drauf, denn dann darf ja probiert werden. Bevor ein Produkt fertig ist, gibt es oft ein bis vier Testversionen“, erzählt Lena Michels. Der Crunch des Monats ist beliebt, etwa Hafer Hans Deluxe, mit Zimt, dunkler Schokolade und leicht gesalzenen Erdnüssen. Läuft prima, die neuen Produkte sind schnell ausverkauft.

Und wie mögen die beiden selbst ihr Granola am liebsten? Da sind sich Meike Schlenker-Janßen und Lena Michels fast einig: die Power Paula mit frischen Früchten, die eine mit Naturjoghurt, die andere mit Sojajoghurt.