Noch ist der Saal leer. Kein Applaus, kein Scheinwerferlicht, kein Beat. Und doch beginnt der Showtag im GOP Artistical-Theater Essen früh. Schon morgens riecht es Im Theater an der Rottstraße nach Kaffee, Gaffa-Tape und warmlaufenden Elektrokabeln. Im Haus eingetroffen sind schon die Theaterleitung, das Marketing, und der Vertrieb und auch im großen Saal beginnen Künstler und Kreative ihre Arbeit Stunden bevor das Publikum eintrifft. Bis am Abend der erste Ton von GROOVE erklingt, greifen unzählige Abläufe ineinander. Die Zuschauer werden davon später kaum etwas mitbekommen.

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Höchste Präzision auch backstage

In der Garderobe hängen die schillernden Looks der Siebziger ordentlich auf Bügeln, aufgehängt in der Reihenfolge der Auftritte: Schlaghosen, Catsuits, Samtcapes, Perücken, Hüte, Federn. Jedes einzelne der rund 50 Kostüme wird nach der Show gesichtet, gelüftet, geflickt und neu sortiert. Für die schnellen Wechsel liegt später alles in Reichweite.

Die Rigger  ̶  Fachkräfte für Höhenarbeit und Veranstaltungstechnik – kontrollieren Karabiner, Seile und Aufhängungen und zeichnen jeden Punkt ab. Der Boden wird gefegt und auf kleine Unebenheiten kontrolliert. Für Artisten kann ein kleiner Fremdkörper auf der Bühne gefährlich sein.

Essen: Preview von Groove im GOP
Auf der Bühne sitzt jeder Schritt und jeder Griff und alle Abläufe greifen perfekt ineinander. Backstage ist das nicht anders.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Täglicher Sound- und Technik-Check

Für die Techniker beginnt die heiße Phase rund zwei Stunden vor dem Einlass. Die Systeme werden hochgefahren und überprüft, Licht, Ton und Videotechnik gecheckt. Allein im Zuschauerraum befinden sich 163 kinetische LED-Leuchten, die sich bewegen und den gesamten Saal in die Inszenierung einbeziehen. Hinzu kommen mehr als 80 Infinity-Spiegel, rund 160 Quadratmeter hochauflösende LED-Fläche und eine kaum überschaubare Zahl beweglicher Scheinwerfer auf und über der Bühne. Anschließend kommen die Musiker zum täglichen Soundcheck. Etwa eine Stunde vor Showbeginn füllen sich schließlich auch die Backstage- und Warm-up-Räume. Gleichzeitig sind häufig schon die ersten Gäste im Haus. Das Interesse am neuen Artistical-Theater ist groß, regelmäßig finden vor dem offiziellen Einlass Early-Access-Theaterführungen und Pressetermine statt.

GOP Artistical-Theater, GROOVE
163 kinetische LED-Leuchten, die sich auf und ab bewegen und je nach Stimmung die Farbe wechseln können, beziehen den gesamten Saal in die Inszenierung ein.© GOP Entertainment Group | Anna Karina Gey

Bevor es laut wird, ist es ganz ruhig

Wer kurz vor der Show hinter die Bühne kommt, erlebt keine große Hektik. Im Gegenteil. Die Atmosphäre ist konzentriert, ruhig. Aus einem Raum sind Stimmübungen zu hören. An anderer Stelle erklingt eine E-Gitarre – noch unverstärkt und deshalb ungewohnt leise. Im eigenen Warm-up-Raum wird gedehnt und gestretcht. Die Artisten bereiten ihre Körper auf das vor, was wenige Minuten später auf der Bühne spielerisch leicht aussehen soll.

GOP Groove Trailer© GOP

Der ganz besondere Moment

24 Künstler aus 14 Nationen gehören zum Ensemble von GROOVE. Hinzu kommen sechs Live-Musiker, zwei Stage Manager, drei Operator für Licht, Ton und Videowand sowie eine Saalleitung und eine Vielzahl von Einlasskräften. Abend für Abend verschmelzen all diese Menschen, Gewerke und Abläufe zu einer gemeinsamen Show. Kurz bevor es losgeht, gibt es dafür einen besonderen gemeinsamen Moment. Alle Künstler kommen noch einmal zusammen. Täglich ist ein anderer an der Reihe, ein paar persönliche Worte an seine Weggefährten zu richten. Der letzte Satz bleibt dabei immer derselbe: „May the GROOVE be with you.“ Dann geht jeder auf seine Position.

Wenige Augenblicke später beginnt die Show. Auch während diese läuft und das Publikum atemlos die Acts verfolgt, bleibt hinter der Bühne jede Menge Arbeit.  Zwei Stagehands bewegen Requisiten, bereiten Umbauten vor und sorgen dafür, dass alles im richtigen Moment an der richtigen Stelle steht. Eine der größten Herausforderungen ist dabei ausgerechnet eine komplette Hauswand samt großem Trampolin. Vor dem entsprechenden Act wird die Konstruktion auf die Bühne und vor die große LED-Fläche geschoben und dort exakt positioniert und fixiert. Nach der Nummer muss sie wieder verschwinden. Und dabei geht es tatsächlich um Zentimeter. Was für den Zuschauer innerhalb weniger Augenblicke wie selbstverständlich auf der Bühne erscheint und wieder verschwindet, ist hinter den Kulissen das Ergebnis von Präzision, Erfahrung und perfektem Timing.

Essen: Preview von Groove im GOP
„May the GROOVE be with you“: Den Groove in sich tragen alle Akteure, vor oder hinter der Bühne.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Eine Live-Show wächst weiter

Dieses Spannungsfeld bestimmt auch die Musik, denn sie ist bei GROOVE live und damit lebendig. Die sechs Musiker spielen nicht einfach Abend für Abend ein starres Programm herunter. Innerhalb der Inszenierung bleibt Raum für den Moment und für kleine musikalische Freiheiten. Wenige Wochen nach der Premiere lässt sich dabei bereits beobachten, wie sehr eine solche Produktion mit jeder Vorstellung weiter zusammenwächst. Zwar wurden die grundlegenden Abläufe bisher nicht verändert, wohl aber zahlreiche Details bei Licht und Ton feinjustiert. So ist die Band noch eingespielter, die Übergänge noch fließender geworden. GROOVE hat sich nicht zu einer anderen Show entwickelt – wohl aber zu einer noch kompakteren. Denn eine große Live-Produktion ist mit der Premiere nicht einfach „fertig“. Sie entwickelt ihren eigenen Rhythmus. Genau darin zeigt sich die Erfahrung des Ensembles. Die Künstler haben ein Auge füreinander, reagieren aufeinander und führen die Vorstellung professionell weiter. Kleine Abweichungen bleiben für die Zuschauer deshalb häufig vollkommen unbemerkt.

„May the GROOVE be with you“

Gerade weil während der Show an so vielen Stellen gleichzeitig etwas geschieht, ist es nahezu unmöglich, bei einem Besuch alles wahrzunehmen. Das erlebt selbst Theaterdirektor Christian Buddrus, der GROOVE inzwischen rund zwanzigmal gesehen hat. „Ich habe GROOVE inzwischen rund zwanzigmal gesehen und entdecke immer noch Elemente und Details, die mir vorher nicht aufgefallen sind. Am meisten faszinieren mich aber nach wie vor die Gesichter der Menschen im Publikum – ihre Emotionen während der Show und die Reaktionen unmittelbar danach.“ Wenn nach der Show die Lichter angehen und die Künstler den Applaus entgegennehmen, liegen hinter ihnen nicht nur rund 120 Minuten auf der Bühne. Hinter ihnen liegt ein ganzer Tag aus Proben, technischen Checks, Soundcheck, Warm-up, Vorbereitung, Konzentration, Präzision und Teamarbeit.Und irgendwann, kurz bevor am nächsten Abend wieder die Show beginnt, stehen sie erneut gemeinsam hinter der Bühne. Einer von ihnen wird ein paar Worte sagen. Dann folgt der Satz, den inzwischen jeder kennt: „May the GROOVE be with you.“