Die Luke des Flugzeugs öffnet sich, der Wind bläst durch den Innenraum der Kabine. Das Tandempaar setzt sich auf den Boden und rutscht bis zur Türkante. Die Beine baumeln in der Luft. Autos und Häuser sind auf Miniaturgröße geschrumpft, die Wolken zum Greifen nah. Noch einmal durchatmen. Plötzlich wird der Magen nach oben gerissen, während der Körper Richtung Boden rast.

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Aus einem Flugzeug springen? Das klingt erstmal verrückt. Doch bei vielen steht das Erlebnis des freien Falls auf der Bucketlist: Einmal frei sein, wie ein Vogel in der Luft. Das Gefühl von Fliegen und Fallen ist ein echter Nervenkitzel. Den Rausch der Geschwindigkeit kann man sich auch in NRW holen, mit einem Tandemsprung (Deutsch: Huckepacksprung) auch ohne Vorkenntnisse. Gemeinsam mit einem ausgebildeten Tandempiloten springt man aus bis zu 4000 Metern Höhe. Wo die Sprungplätze in NRW liegen, welche Voraussetzungen es für den Sprung aus dem Flugzeug gibt und wie der Ablauf ist, lesen Sie in diesem Artikel.

Skydive in NRW: Fallschirmsport Marl in Dortmunder Kneipe gegründet

„Fallschirmspringen ist die schönste Nebensache der Welt“, schreibt der Verein für Fallschirmsport Marl auf seiner Webseite. Zehn Autominuten vom Marler Stadtzentrum liegt der Flugplatz Loemühle, gut angebunden zum Ruhrgebiet. Von dort starten die Springer mit den Absetzmaschinen und landen auf dem Platz auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Das Besondere: Hier kann das ganze Jahr über gesprungen werden.

Neben klassischem Fallschirmspringen kann man dort auch Wingsuit, Freefly oder Tandemspringen. Mit einem Caravan, einer Hummel oder einem Skyvan werden die Fluggäste auf eine Höhe von bis zu 4000 Metern gebracht, von der aus sie sich in die Tiefe stürzen. Begleitpersonen können das Flugspektakel im Biergarten „Vest-Alm“ bei Speisen, Getränken, Kaffee und Kuchen mit einem Fernglas verfolgen. » Lesen Sie dazu: NRW entdecken: Diese Ausflüge lohnen sich auch allein.

Ob Tandemspringen, Wingsuit oder Freefly: Am Flugplatz Loemühle in Marl kommen Anfänger wie Profis auf ihre Kosten. Hier zu sehen: die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn. (Symbolbild)
Ob Tandemspringen, Wingsuit oder Freefly: Am Flugplatz Loemühle in Marl kommen Anfänger wie Profis auf ihre Kosten. Hier zu sehen: die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn. (Symbolbild)© André Hirtz / FUNKE Foto Services | André Hirtz

Zur Vereinsgeschichte: „Im Winter 1966 trafen sich sechs Fallschirmspringer in der Kneipe am Dortmunder Flugplatz, um einen Sprungverein zu gründen. Da man für einen eingetragenen Verein beim Amtsgericht jedoch sieben Mitglieder vorweisen muss, hat man kurzerhand den Gastwirt der Kneipe mit unterschreiben lassen“, heißt es auf der Webseite des Vereins. Heute zählt er mit rund 330 Mitgliedern zu den größten Fallschirmsprungvereinen in NRW. Sie trainieren für Meisterschaften und Weltrekorde.

  • Springbetrieb: Ganzjährig an den Wochenenden, Feier- und Brückentagen
  • Preise: Tandemsprung 250 Euro (Video oder Foto: jeweils 120 Euro oder zusammen 160 Euro), 26 Euro (Mitglieder: 22 Euro) bei 1500 Metern, 32 Euro (Mitglieder: 28 Euro) bei 4000 Metern
  • Kontakt: 0160 96220342, info@fallschirmsport-marl.de
  • Adresse: Flugplatz Loemühle, Hülsstraße 301 in Marl
  • Mehr Infos: fallschirmsport-marl.de

Fallschirmspringen in Bad Sassendorf: Skydive Soest am kleinen Sportflugplatz

Der Flugplatz Bad Sassendorf-Soest ist ein beliebter Hotspot für Motor- und Segelflieger sowie für Fallschirmspringer aus der Region. Nur fünf Kilometer östlich von Soest liegt der kleine Sportflugplatz. Der Fallschirmsportclub Soest-Bad Sassendorf oder kürzer „Skydive Soest“ wurde bereits 1994 gegründet. » Auch interessant: Diese Kletterparks in NRW lohnen sich.

Laut eigenen Angaben eignet sich der ausgedehnte Landebereich nicht nur für die Ausbildung von Fallschirmspringern. Viele Springer bleiben das ganze Wochenende und übernachten in ihren Wohnwagen, Wohnmobilen und Zelten in dem Campingbereich.

Unweit von Soest können Fluggäste mit Skydive Soest seit 1994 aus dem Flugzeug springen. (Symbolbild)
Unweit von Soest können Fluggäste mit Skydive Soest seit 1994 aus dem Flugzeug springen. (Symbolbild)© André Hirtz / FUNKE Foto Services | André Hirtz

Tandemspringer und deren Begleitpersonen können vor, während und nach dem Sprung bei einem warmen oder kalten Getränk, Kuchen und Waffeln im Fliegertreff „Tante Ju“ verweilen. Das Restaurant hat eine Außenterrasse, von der aus man das Treiben auf dem Vorfeld, die startenden und landenden Flugzeuge und die Fallschirmsprünge beobachten kann.

  • Preise: Einzelticket 36 Euro (Mitglieder 33 Euro), Tandemsprung 270 Euro, zuzüglich Foto 70 Euro, Video 130 Euro, Kombination aus Foto und Video 160 Euro
  • Flugzeiten: Sprungbetrieb innerhalb der Sommersaison meist nur am Wochenende, abgesehen von ausgewählten Sprungwochen
  • Kontakt: 02927 189007, info@skydive-soest.de
  • Adresse: Flugplatz Soest-Bad Sassendorf
  • Mehr Infos: skydive-soest.de

Stadtlohn: Fallschirmspringen für Anfänger und Profis mit Skyfactory Stadtlohn

Stadtlohn nahe der niederländischen Grenze im westlichen Münsterland zieht nicht nur Fahrradfahrer in den Nordwesten von NRW, sondern auch Fallschirmspringer. Ob Freefly, Formationsspringen, Wingsuitfliegen oder Lehrgänge auch für Sportspringer hat die Skyfactory einiges zu bieten. Vom 8. bis 14. September 2025 wird sogar die Deutsche Meisterschaft in allen Disziplinen des Fallschirmsports am Flugplatz Stadtlohn-Vreden ausgetragen.

Nahe der niederländischen Grenze starten Fallschirmspringer von dem Flugplatz Stadtlohn-Vreden im Münsterland aus 4000 Metern zu Boden. Hier zu sehen: die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn. (Symbolbild)
Nahe der niederländischen Grenze starten Fallschirmspringer von dem Flugplatz Stadtlohn-Vreden im Münsterland aus 4000 Metern zu Boden. Hier zu sehen: die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn. (Symbolbild)© André Hirtz / FUNKE Foto Services | André Hirtz

Neben dem Fallschirmsprungzentrum gibt es 3,6 Hektar Landefläche, Stellplätze für Wohnwagen und Camper, eine Feuerstelle und ein Restaurant mit Außenterrasse, von der aus bei Kaffee und Kuchen das Treiben in der Luft und am Rollfeld beobachtet werden kann. Der Flugplatz liegt mit dem Auto rund eine Stunde von Münster entfernt.

  • Flugsaison: von Karfreitag bis zum letzten Wochenende im Oktober jeweils samstags und sonntags von 8 bis 20 Uhr
  • Preise: Tandemsprung 279 Euro, zuzüglich Foto 99 Euro, Video 119 Euro oder in Kombination 169 Euro, reguläres Sprungticket 35 Euro
  • Kontakt: 0152 3138 3165, info@skyfactory-stadtlohn.de
  • Adresse: Am Flugplatz Stadtlohn-Vreden, Wenningfeld 41 in Stadtlohn
  • Mehr Infos: skyfactory-stadtlohn.de

» Lesen Sie auch: Schnitzeljagd 2.0: Outdoor Escapes in NRW entdecken.

Fallschirmsport Grefrath: Skydive mit Blick auf Holland

Am Niederrhein kann man seit 2012 mit Fallschirmsport Grefrath den Wolken zum Greifen nah kommen. Die Gemeinde Grefrath liegt im Westen von NRW an der Grenze zu den Niederlanden. Wenn das Wetter es zulässt, reicht die Aussicht beim Fallschirmsprung somit bis ins Nachbarland.

Mitten im Grünen landen Fallschirmspringer am Flugplatz Grefrath-Niershorst. (Symbolbild)
Mitten im Grünen landen Fallschirmspringer am Flugplatz Grefrath-Niershorst. (Symbolbild)© André Hirtz / FUNKE Foto Services | André Hirtz

Der Sprungplatz in Grefrath befindet sich am Flugplatz Grefrath-Niershorst, mitten im Grünen und unmittelbar am Flüsschen Niers. In unter einer Stunde ist er von Köln, Düsseldorf, Duisburg und Krefeld zu erreichen. In direkter Nähe liegt das Naherholungsgebiet Krickenbeck. Bei Getränken und Snacks kann das Geschehen am Flugplatz von einem Restaurant beobachtet werden.

  • Voraussetzung: maximal 90 Kilogramm, mindestens 1,4 Meter
  • Preise: Tandemsprung 275 Euro, zuzüglich Foto 50 Euro, Video 75 Euro, Kombination aus Foto und Video 110 Euro
  • Flugzeiten: Sprungbetrieb innerhalb der Sommersaison: Samstag, Sonntag, an Feier- und Brückentagen
  • Kontakt: 02158 4049724, info@FSGrefrath.de
  • Adresse: Am Flugplatz 1 in Grefrath
  • Mehr Infos: fsgrefrath.de

Fallschirmsportclub Sauerland in Schmallenberg: Ursprünge in einer militärischen Einheit

Etwa 25 Minuten braucht die 236 PS starke Propellermaschine vom Skydive Sauerland, um vier Springer auf 4000 Meter Sprunghöhe zu bringen. Die rund 50 aktiven Mitglieder des Clubs kommen von weit her zum Flugplatz Schmallenberg-Rennefeld: aus Düsseldorf oder Lüdenscheid, aber auch aus der näheren Umgebung.

Die Geschichte des Clubs geht bis in die frühen 70er-Jahre zurück, als sich aus einer militärischen Fallschirmeinheit eine private Gruppe Fallschirmspringer bildete. Seit 1994 wird der Sport als Fallschirmsportclub Sauerland betrieben.

Skydiving in Schmallenberg Rennefeld
Der Skydive Sauerland organisiert Sprünge aus 4000 Metern Höhe über Schmallenberg. © Skydive Sauerland | Privat
  • Voraussetzung: maximal 90 Kilogramm, mindestens 1,4 Meter
  • Preise: Tandemsprung 240 Euro, zuzüglich Video 99 Euro
  • Flugzeiten: Sprungbetrieb ist ganzjährig, solange das Wetter es zulässt. Samstags, sonntags, an Feiertagen und nach vorheriger Ankündigung.
  • Kontakt: 0176 30775937, gutscheine@skydive-sauerland.de
  • Adresse: Am Flugplatz, Schmallenberg-Rennefeld in Schmallenberg
  • Mehr Infos: fsc-sauerland.de

Fallschirmspringen in Münster: 10.000 Sprünge im Jahr

Von Sportspringen über Tandemsprung bis Ausbildung: Beim Fallschirmsportclub Münster gibt es rund 10.000 Sprünge im Jahr aus dem Flugzeug. Seit über 50 Jahren stürzen sich Springer gen Boden. Nach Absprache kann man dort auch in einem Zelt oder Wohnmobil übernachten, die Gemeinschaftsküche im Vereinsheim nutzen oder sich für einen geselligen Abend am Grill versammeln.

  • Voraussetzung: maximal 90 Kilogramm, mindestens 1,4 Meter
  • Preise: Tandemsprung 240 Euro, zuzüglich 130 Euro für Foto und Video, Einzelsprung 32 Euro (Mitglieder 29 Euro)
  • Flugzeiten: Sprungbetrieb ist während der Sommersaison von März bis Oktober an Wochenenden und an Feiertagen
  • Kontakt: 02526 4368, info@fallschirm-muenster.de
  • Adresse: Elmster Berg 8 in Sendenhorst
  • Mehr Infos: fallschirm-muenster.de

Fliegen im einzigen Windtunnel in NRW: Indoor Skydiving Bottrop

Das Gefühl des Fliegens ohne freien Fall erleben: Seit 2008 zieht das Indoor Skydiving unweit des Alpincenters Anfänger wie Profis nach Bottrop. Die Freifallsimulation ist die einzige Anlage ihrer Art in ganz NRW.

Mit einem Fluganzug bekleidet springen die Passagiere nicht aus dem Flugzeug, sondern steigen in einen verglasten Windkanal mit 4,3 Metern im Durchmesser. Ein Flug dauert 60 Sekunden im Windkanal und entspricht damit dem freien Fall eines Fallschirmsprungs aus 4000 Metern Höhe. Das Erlebnis dauert insgesamt rund 90 Minuten.

+++ Hier lesen Sie mehr zum Selbstversuch: So fühlt sich fliegen an – Indoor Skydiving in Bottrop +++

Durch gezielte Bewegungen der Arme und Beine reduzieren oder erhöhen die Fliegerinnen und Flieger den Luftwiderstand ihres Körpers, sodass sie in der Kammer auf- oder absteigen. „Dank der hohen Luftgeschwindigkeit von bis zu 286 km/h und einer Flughöhe von bis zu 17 Metern können die Flieger einen Fallschirmsprung aus bis zu 4000 Metern Höhe nachempfinden“, heißt es auf der Webseite.

Für Einsteiger liegt der verglaste Flugbereich bei fünf Metern Höhe. Vor dem Flug gibt ein Instruktor eine Einweisung in das Bodyflying. Auch während des Flugs ist ein Trainer in der Flugkammer, um bei Bedarf zu unterstützen.

Indoor Skydiving ist bereits ab einem Alter von vier Jahren möglich. Jeder Einsteiger kann ohne Vorkenntnisse, in Begleitung eines erfahrenen Trainers, das Fliegen problemlos ausprobieren. Voraussetzung für den Flug: eine normale körperliche Fitness. Minderjährige benötigen zudem die Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten.

Neben Einsteigern und Hobbysportlern nutzen laut eigener Angaben auch professionelle Fallschirmspringer die Anlage, um in der Simulation zu trainieren, ohne aufwändigen Sprung aus dem Flugzeug.

  • Preise: Preise fangen bei 69 Euro für zwei Flüge im Luftstrom an (Kinder von vier bis zwölf Jahren 54 Euro), für vier Flüge zahlt man 119 Euro, für sechs 159 Euro. Ein Gruppenangebot kostet für zwei Personen mit insgesamt vier abwechselnden Flügen 129 Euro bis zu acht Flüge für 199 Euro. Wer mit einem Instructor Manöver trainieren will, zahlt ab 219 Euro. Eine Reservierung über den Buchungskalender ist erforderlich. Die Preise sind inklusive Flugausrüstung (Anzug, Helm, Brille, Ohrenschutz)
  • Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr
  • Adresse: Prosperstraße 297 in Bottrop
  • Kontakt: 02041 373730, kontakt@indoor-skydiving.de
  • Mehr Infos: indoor-skydiving.com

Welche Voraussetzungen gibt es zum Fallschirmspringen in NRW?

Je nach Anbieter können an einem Tandemsprung nur Personen teilnehmen, die mindestens zwischen 1,10 und 1,50 Metern groß und nicht schwerer als 85 bis 95 Kilogramm sind. Das Mindestalter liegt zwischen zwölf und 16 Jahren. Bis zur Volljährigkeit ist das Einverständnis der Erziehungsberechtigten notwendig. Nach oben gebe es keine Begrenzung, sagt Ralph Schusser. Der Geschäftsführer des Deutschen Fallschirmsport Verbandes (DFV) betont: „Wir haben auch Sprunggäste, die mit über 80 Jahren noch springen.“

Lust auf Fallschirmspringen? In unserer großen Übersicht lesen Sie, wo das Erlebnis in NRW möglich ist. (Symbolbild)
Lust auf Fallschirmspringen? In unserer großen Übersicht lesen Sie, wo das Erlebnis in NRW möglich ist. (Symbolbild)© André Hirtz / FUNKE Foto Services | André Hirtz

Wer sich für einen Fallschirmsprung entscheidet, sollte sich fit fühlen. Aber „es spielt eine untergeordnete Rolle, ob jemand sportlich ist oder nicht“, so Schusser. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenproblemen, Bandscheibenvorfällen, Organleiden und ähnlichen Beschwerden sei es sinnvoll, vor dem Sprung mit dem behandelnden Arzt zu sprechen. Bei Schwangerschaft, Erkältungskrankheiten und Virusinfektionen sollte nicht gesprungen werden. Vor dem Termin sollten 24 Stunden keine bewusstseinsbeeinträchtigenden Substanzen eingenommen werden. „Wenn der Fallschirm öffnet, wird man abgebremst. Es entstehen Kräfte, die auf den Körper wirken.“ Er muss also etwas aushalten können. Ein ärztliches Attest wird bei einem Tandemsprung nicht benötigt, bei einem Solo-Sprung schon.

Wie gefährlich ist ein Fallschirmsprung in NRW?

Jemand stürzt sich aus 4000 Metern Höhe aus einem Flugzeug in die Tiefe. Das klingt enorm gefährlich. Doch Ralph Schusser betont: „Wir gehören nicht zu den gefährlichen Sportarten.“ In Deutschland gab es 2024 laut DFV keine Fallschirmspringer, die tödlich verunglückt sind. Unfälle wurden hingegen 60 gemeldet. Drei Viertel davon passierten bei der Landung. Durch mustergeprüftes Equipment, das höchsten Sicherheitsanforderungen genügt, ausgebildeten Piloten und einem routinierten Ablauf sei das Risiko eines Fallschirmunfalls gering. Die Gefahr, dass beim Autofahren etwas passiert, sei deutlich höher. „Das wichtigste ist, dass man seine eigenen Grenzen kennt.“

Sicherheit ist beim Fallschirmspringen das höchste Gebot: Nur ausgebildetes Personal begleitet Personen, die einen Sprung wagen. (Archivbild)
Sicherheit ist beim Fallschirmspringen das höchste Gebot: Nur ausgebildetes Personal begleitet Personen, die einen Sprung wagen. (Archivbild)© NRZ | Lars Heidrich

Wie läuft ein Fallschirmsprung ab?

Als Passagier startet der Sprung mit der Einweisung über den Ablauf und die Technik. Eingekleidet in Anzug, Gurtzeug, Helm und Sprungbrille geht es mit einem Flugzeug auf 3000 bis 4000 Meter Höhe, erklärt der DFV. Der Aufstieg dauert rund 15 Minuten. Wenn die notwendige Flughöhe erreicht wurde, wird der Pilot die Maschine drosseln, um den Absprung zu erleichtern. Bei einem Tandemsprung springen Fluggast und Springlehrer mit einem speziell für zwei Personen gefertigten Fallschirmgerät ab.

Im freien Fall steuert man mit einer Geschwindigkeit von knapp 200 Kilometer pro Stunde etwa 40 bis 60 Sekunden gen Erde. Nach der Freifallphase öffnet der Tandempilot 1500 Meter über dem Boden den Fallschirm. Im Gleitflug steuert man mit rund 40 km/h rund fünf Minuten zum Flugplatz zurück. Durch die modernen Flächenfallschirmgeräte sind präzise Flugmanöver und eine punktgenaue, sanfte Landung möglich. Jeder Fallschirm ist mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, das im Notfall in einer bestimmten Höhe die Öffnung des Reservefallschirms selbstständig einleitet.

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Was kostet ein Tandemsprung in NRW?

Ein Tandemsprung in NRW kostet etwa zwischen 240 und 280 Euro. Im Preis enthalten sind eine Einweisung durch einen professionellen Tandemlehrer, der Flug mit dem Flugzeug, der Tandemsprung sowie die gesamte Leihausrüstung. Wer seinen Tandemsprung auf Video und Foto festhalten möchte, zahlt zusätzlich. Eigene GoPro-Aufnahmen sind aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Wie viel Zeit sollten Fluggäste für einen Termin einplanen?

Im Optimalfall ist der Sprung inklusive Einweisung nach drei bis vier Stunden abgeschlossen. Doch für den Sprungtermin sollte ausreichend Zeit eingeplant werden, denn aufgrund von Faktoren wie Wetter und Flugverkehr kann es zu Verzögerungen kommen. Bei bestimmten Wetterlagen wie Regen, Sturm, Nebel oder zu starkem Wind kann es zu Wartezeiten oder auch zu einem Abbruch des Flugs kommen. Nur bei sicheren Wetterbedingungen sollte ein Tandemsprung durchgeführt werden.

 Welche Kleidung brauche ich für meinen Tandemsprung?

Für den Fallschirmsprung in NRW benötigen Fluggäste bequeme Kleidung und einfache Sportschuhe, kein Schuhwerk mit offenen Schnürhaken wie Springerstiefel. Bei kalten Außentemperaturen empfiehlt sich Thermounterwäsche. Der Tandemsprung-Anbieter stellt dann die weitere Ausrüstung wie Springer-Overall, Mütze, Sprungbrille und ggf. auch noch Handschuhe.

Fallschirmspringen in NRW: Ein Helm und die richtige Kleidung sind beim Fallschirmspringen ein Muss. (Archivbild)
Fallschirmspringen in NRW: Ein Helm und die richtige Kleidung sind beim Fallschirmspringen ein Muss. (Archivbild)© NRZ | Lars Heidrich

Brillenträger können in der Regel mit ihrer Brille springen. Auf den Webseiten der Anbieter wird aber der Einsatz von einer möglichst kleinen Brille oder Kontaktlinsen empfohlen. Jeder Tandemgast springt mit einer Schutzbrille. Andere Gegenstände wie Schmuck und Handys dürfen nicht mitgeführt werden.

Wie kann ein Einstieg in das Fallschirmspringen gelingen?

Wer noch nie Fallschirm gesprungen ist und sich einen Alleinsprung nicht zutraut, kann einen Tandemsprung machen. So können auch nicht lizensierte Springer den freien Fall und das Schirmfliegen ausprobieren, ohne sich um den technischen Ablauf zu sorgen. Fluggäste werden dabei einem erfahrenen und ausgebildeten Sprunglehrer vor die Brust gegurtet. „Der Sprung ist bei unterschiedlichen Anbietern grundsätzlich der Gleiche“, erklärt der Geschäftsführer vom DFV, der die Aufsicht über die Ausbildungsbetriebe hat. Unterschiede gebe es teilweise bei der Absprunghöhe, dem Ausstieg aus dem Flugzeug und der Größe der Maschine. „Spaß macht es im Nachgang fast allen. Fallschirmspringen ist ein richtiger Glücklichmacher.“

Fallschirmspringer werden: Kann ich einem Fallschirmsprung alleine machen?

Wem ein Tandemsprung zu langweilig ist, kann ausprobieren, wie es ist, selber die Reißleine zu ziehen. Dafür kann ein Schnuppersprung (One-Jump) gebucht werden. Ansonsten gibt es zwei Ausbildungen zum Fallschirmspringer: die konventionelle Ausbildung und die AFF-Methode (Accelerated Freefall, Deutsch: Beschleunigte Freifallausbildung), heißt es vom DFV. Letztere ist die modernere und beschleunigte Freifallausbildung und hat sich im letzten Jahrzehnt in vielen Fallschirmsportvereinen etabliert. Für den Beginn einer AFF-Ausbildung ist ein ärztliches Tauglichkeitsattest erforderlich.

Wer Fallschirmspringer in NRW werden möchte, kann eine AFF-Ausbildung machen. Dafür muss man sich verschiedenen Aufgaben unterziehen. (Archivbild)
Wer Fallschirmspringer in NRW werden möchte, kann eine AFF-Ausbildung machen. Dafür muss man sich verschiedenen Aufgaben unterziehen. (Archivbild)© NRZ | Lars Heidrich

Vor dem ersten Solo-Sprung muss ein anderthalb tägiger Theoriekurs absolviert werden. In Begleitung von zwei ausgebildeten Sprunglehrern folgt dann der erste Sprung aus etwa 4000 Metern Höhe. Das AFF-Programm besteht insgesamt aus sieben Leveln, die aufeinander aufbauen. Von Sprung zu Sprung wird das Lernprogramm gesteigert. Wer alle Übungen beherrscht, hat die Grundausbildung beendet und darf danach alleine springen. Ab nun heißt es üben. Mindestens 23 Freifall-Sprünge sind Pflichtprogramm. Den Abschluss bildet die Fallschirmspringerlizenz. Sie berechtigt weltweit diesen Sport auszuüben. Ralph Schusser sagt abschließend: „Fallschirmspringer sind der Querschnitt der Gesellschaft. Auf dem Flugplatz sind alle gleich.“