St.-Marien-Hospital

Nach 55 Jahren geht die letzte Ordensschwester

Schwester Albinis wurde am Freitag von zahlreichen Weggefährten verabschiedet.

Schwester Albinis wurde am Freitag von zahlreichen Weggefährten verabschiedet.

Foto: Britta Linnhoff

LÜNEN.  Sie war einfach immer da, wo sie gebraucht wurde, einfühlsam, diskret: Nach 55 Jahren verlässt Schwester Albinis das St.-Marien-Hospital in Lünen. Damit ist das Ende einer Ära besiegelt: Es gibt es nun keine Ordensschwester mehr in dem katholischen Krankenhaus.

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Die zierliche, kleine Frau in ihrer schwarzen Ordenstracht steht am Freitag ein bisschen fassungslos im großen Saal des Krankenhaus-Verwaltungsgebäudes. "Ach Gott, ach Gott", sagt sie leise und schlägt die Hand vor den Mund.

Der Saal ist voll, dabei hat sie eigentlich gar nicht feiern wollen. Eingeladen wurde niemand, und doch sind sie alle da, Weggefährten aus 55 Jahren hier im Haus. Sie kommen mit Blumen, Ehrennadeln, Karten und Keksen und jeder Menge Glückwünsche und einem Lächeln im Gesicht. Die Besucher suchen den Kontakt: "Darf ich Sie mal umarmen?" Sie kommen von links und rechts, von hinten und vorne, nachdem der offizielle Teil zu Ende ist. Nicht wenige kämpfen mit den Tränen.

Schwester Albinis ringt auch ein bisschen um ihre Fassung. So viel Aufhebens. Stationen ihres langen Lebens werden an die Wand geworfen. Irgendjemand hat lange in alten Fotos gekramt: Schwester Albinis im Kreis ihrer vier Geschwister, als Kommunionkind ...: "Ach Gott, ach Gott, das bin ich." Sie lacht übers ganze Gesicht.Gerade eben hat sie einen Fernseher geschenkt bekommen. Für ihr neues Zimmer, im Seniorenheim der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Mauritz in Nordwalde. Den Fernseher hat sie sich gewünscht, das wussten sie, die Mitarbeiter. Also sammelten sie Geld. Es kam viel mehr, als für den Fernseher gebraucht wurde.

Einmal an die Ostsee

Jetzt gibt es außerdem einen Gutschein, für eine Reise. Schwester Albinis schaut von einem zum anderen, so als wollte sie sagen, der Fernseher ist schon mehr als genug. "Sie wollten doch immer mal zur Ostsee", sagen die "Kollegen" und Schwester Albinis lächelt.

55 Jahre sind eine lange Zeit, das sind mehr Jahre, als viele hier alt sind. Schwester Albinis, die kennt hier jeder. Mit 27 kam sie an die Klinik; jetzt ist die 82. Und dennoch: "Sie hat sich nicht geschont", sagt Hermann Opgen-Rhein, der zum Seelsorgeteam des Krankenhauses gehört. "Das werden wir jetzt merken, dass sie nicht mehr da ist."Seit fünfeinhalb Jahren ist Schwester Albinis die letzte ihres Konvents. Als der seinerzeit aufgelöst wurde, blieb die Ordensfrau Albinis, die gelernte Krankenschwester, hier. "Dadurch, dass sie hier gelebt hat, hat sie gewirkt", sagt ein Gast und betrachtet die Ordensfrau, die noch immer kaum einen Schritt machen kann, ohne dass sie angesprochen und beschenkt wird. Sie wird auch in Nordwalde tun, was sie hier getan hat - sich um Menschen kümmern. Das hat sie schon angekündigt.
Der 15. Mai 2009 war der Tag, an dem die Ära der Franziskanerinnen von St. Mauritz Münster im Lüner Klinikum nach 114 Jahren zu Ende ging.Das Mutterhaus in Münster löste den Lüner Konvent der fünf betagten Ordensschwestern auf.Auf eigenen Wunsch blieb damals Schwester Albinis, die mit 27 Jahren aus Bremen nach Lünen kam und viele Jahre in der Urologie arbeitete.

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