WR-Mobil

Altenaer bangen um ihre Notfallversorgung

Das WR Redaktionsmobil stand am Donnerstag auf dem Wochenmarkt in Altena.WR-Foto: Rudi Rust

Foto: Rudi Rust

Das WR Redaktionsmobil stand am Donnerstag auf dem Wochenmarkt in Altena.WR-Foto: Rudi Rust Foto: Rudi Rust

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Altena. Ein Akut-Krankenhaus wird’s nach dem Willen des St.-Vinzenz-Trägers nicht mehr geben, Notfallversorgung gestrichen, Innere und Chirurgie geschlossen. Zu teuer. Stattdessen kommt die Reha. So sieht’s aus ab dem kommenden Jahr.

Die bittere Nachricht wurde am Mittwoch Ärzten und Personal unterbreitet, gestern machte Chefarzt Dr. Hans Hellmut Baumeister am WR-Infomobil – Sarkasmus und Bitterkeit in der Stimme – die aktuelle Lage öffentlich. Das Vorgehen wertete er als „nach Gutsherrenart“ gegenüber den Mitarbeitern, denen habe man Mitziehen oder Gehen angeraten. „Das ist Erpressung“. Bitter auch: Im Vorfeld habe man auf Gespräche zum Beispiel mit den Ärzten verzichtet.

Fehlenden Austausch und Kommunikation kritisierten gestern Morgen viele Redner am WR-Redaktionsmobil. Es parkte gegenüber der Burg Holtzbrinck und war bei den zwei, von WR-Lokalredakteur Christof Hüls moderierten Diskussionsrunden dicht belagert. Viele Bürgerinnen und Bürger unterbrachen ihren Markteinkauf, blieben stehen und verfolgten die teilweise emotionsgeladenen Aussagen. Viele harrten über zwei Stunden aus.

Bürgermeister rechnet
mit Amtskirche ab

Mit der katholischen Kirche rechnete Bürgermeister Dr. Hollstein, selbst ein bekennender Katholik, ab: „Ich schäme mich für das Verhalten der Amtskirche“ – und deren Sparkurs. Er richtete auch den Blick auf Ulrich Schmalenbach, Pfarrer in Altena und Aufsichtsratsvorsitzender des St.-Vinzenz-Krankenhauses. „An seiner Stelle wäre ich hier bei den Menschen und nicht auf einer Wallfahrt“, räumte aber ein, dass man Pfarrer Schmalenbach „verheizt“ und „als Werkzeug missbraucht“ habe.

Der erste Mann Altenas rief die Bürgerschaft auf, sich gegen die Reha-Pläne zu stellen und beim Bistum Druck zu machen. Der Bischof müsse wissen, dass sich ein „kleines gallisches Dorf „zur Wehr setzt.

„Wir müssen auf die Straße gehen“, sagte Alt-Bürgermeister Günter Topmann. Er sprach von einem gut geführten Haus und einem „tüchtigen Aufsichtsrat, der sich für die Bevölkerung eingesetzt“ habe. Für dieses Statement gab’s kräftigen Applaus. der Zuhörer. Zu schade, dass das Bistum die tüchtigen Leute rausgeschmissen habe. Scharf kritisierte Topmann, dass Beschlüsse vom Träger „unter Ausschaltung der Ärzte“ gefasst worden seien.

.Angst um Arbeitsplätze und Bestürzung hat sich im St. Vinzenz seit Mittwoch bereit gemacht. Mit der radikalen Lösung habe niemand gerechnet, sagte Personalvertreter Ulrich Schell. Man sei davon ausgegangen, dass die Notfallversorgung bestehen bleibe. Im übrigen müsse man jetzt Ruhe bewahren. Vor allem dürften die Mitarbeiter nicht weglaufen....

Die Stadt hat ein Recht auf ihr Krankenhaus, war für Dr. Gerhard Erning, Sprecher des Fördervereins St. Vinzenz. So sieht das auch Werner Thiele, ehemaliger Ortsvorsteher in der Rahmede, bekennender und „frisch entlassener Patient“. „In Lüdenscheid ist man nur eine Nummer, hier wird man behandelt wie in der Familie“, sagte Thiele. Stimme aus dem Menge: „Stimmt“. „Wir müssen auf die Straße gehen“, rief Thiele kämpferisch. Auf der Suche nach Lösungen zum Erhalt der Akut-Versorgung gingen die Wortbeiträge immer wieder in Richtung Kooperation mit Plettenberg.

Wohin mit Infarkten
und Arbeitsunfällen?

Nur nicht für Martin Mackenberg-Hübner, Pressesprecher der St. Josef und St. Antonius Kliniken in Wuppertal, der die andere, rein wirtschaftlich orientierte Seite seines Dienstherrn vertrat. Jeder Patient schlage mit 800 Euro Minus zu Buche. Nur die Reha-Klinik könne die Zukunft sichern. Das glaubten weder der Altenaer AOK-Mann Bernd Flues (Ein Krankenhaus ist unverzichtbar) noch Dr. Frank Leienbach: Wohin mit Herzinfarkten, mit Arbeitsunfällen, mit alten und ganz jungen Patienten? Nach Lüdenscheid? Die sind doch schon jetzt überlastet. Leienbach bedauerte fehlende Zusammenarbeit der Ärzte mit der neuen Verwaltung.

Gegen Ende der Diskussion stieß Einhard Pflüger hinzu, früherer Vorsitzender des Krankenhaus-Aufsichtsrates. 13 Jahre hat es keine Verluste gegeben sagte er. Man habe sehr gut gewirtschaftet und Rücklagen gebildet. „Das stimmt“, erwiderte die Mackenberg-Hübner. „Aber leider sind das zweckgebundene Gelder und nicht greifbar“. Mit der Liquidität sei es von Grün über Gelb jetzt auf Rot gegangen. „Es ist ein Fehler, ortsnahe Strukturen zu zerschlagen“, sagte MdL Michael Scheffler. Er äußerte Bedenken, dass „Reha-Betten überhaupt genehmigt werden.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (14) Kommentar schreiben