Der Open-Air-Park in Düsseldorf eröffnete am Freitagabend mit den US-Rockern von „System of a Down“ vor 80.000 Metal-Fans. Während Stadt und deren Veranstaltungsunternehmen D.Live die Eröffnung nach mehreren gescheiterten Versuchen nicht nur sehnsüchtig erwarteten und entsprechend feierten, blickten die Menschen in Stockum und Lohhausen mit deutlich geäußerten Vorbehalten auf den Start der Mega-Event-Fläche.

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„System of a Down“ im Open Air Park: Lange Staus frustrieren Konzert-Besucher

So waren am Freitagnachmittag und am frühen Abend in den umliegenden Vierteln immer wieder Anwohnende zu beobachten, die mal mit Skepsis oder mit Belustigung auf das blickten, was sich rund um ihre Wohnorte auf den Straßen abspielte. Entlang der großen Verkehrsadern wie der A44 – insbesondere den Abfahrten auf die Stockumer Höfe – und der Niederrheinstraße lief der Verkehr zeitweise unübersichtlich, sodass die Verkehrspolizei hier mit Pfeife und Handsignalen eingriff.

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Was in den umliegenden Stadtteilen allerdings nicht so sichtbar wurde, wie den Freitagabend über in den Kommentarspalten auf den sozialen Medien, war der Frust vieler, die mit dem Auto teils stundenlang im Stau standen. Denn auf der Autobahn ging es für zahlreiche Besucher des Konzerts wohl nur schrittweise voran, teilweise wird hier von Personen berichtet, die über die Autobahn gelaufen sind, um den sowieso schon verzögerten Start des Konzerts noch zu erleben.

Eröffnung des Open Air Parks: Anwohnerschutz funktioniert besser als Konzertbesuch

Das Verkehrskonzept schlug so vor allem als Anwohnerschutzkonzept zu Buche. Denn in den abseits dieser Knotenpunkte liegenden Wohngebieten blieb es zumindest in dem Zeitraum, in dem unsere Redaktion dort unterwegs war – bis etwa 19 Uhr –, spürbar ruhig. Hier waren zwar durchaus zahlreiche Metal-Fans zu Fuß von umliegenden Parkplätzen zum Open Air Park unterwegs. Doch die noch bei der Bürgersprechstunde im Juli befürchtete Blechlawine in den Straßen und die Konflikte an den Straßensperrungen zu den Wohngebieten blieben, zumindest dort, wo unsere Reporterinnen und Reporter vor Ort waren, aus.

Eröffnung Open Air Park Düsseldorf
Insbesondere dort, wo die Niederrheinstraße auf die A44 trifft, floss der Verkehr zäh.© NRZ | Lucas Gangluff

Das musste auch ein Anwohner in Stockum erleben, der mit einer Verantwortlichen an einer Straßensperre in Stockum darüber in Diskussion geriet, dass ja keine Auswärtigen ins Viertel einfahren sollten. Dass zahlreiche Autofahrende an der Sperrung ohne großes Gerede umdrehten, schien da zweitrangig. Und während ein derart direktes Vorgehen hier durchaus einen Einzelfall darstellen mag, war der Tenor unter den Menschen vor Ort eher vorsichtig als optimistisch. Klar ist, dass nach Jahren der Großveranstaltungen in der Arena und auf der Messe, viele der Anwohnenden ihren guten Willen verloren haben.

Nur die wenigsten wollen an diesem Freitag mit der Presse reden. Der neue Open Air Park ist ein Reizthema in der Nachbarschaft. Ein Ehepaar, das gerade vom Einkaufen kommt und seine Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, schätzt die Lage gemischt ein. „Natürlich ist es voller und gerade hier merkt man, dass was los ist“, erklärt der Ehemann, ein Mitfünfziger, der seit mehreren Jahrzehnten in Lohhausen lebt, mit Blick auf die Niederrheinstraße. Seine Frau ergänzt: „Wir kriegen, wo wir wohnen, zwar wenig davon mit. Trotzdem ist es ärgerlich, dass hier wieder Müll in Vorgärten landet und Leute in die Büsche pinkeln.“ Trotzdem, das geben beide am Ende zu, so schlimm, wie sie es zuvor befürchtet haben, sei es zumindest in ihrer Nachbarschaft bei weitem nicht.

80.000 Metal-Fans verteilt auf mehrere Stunden: Anwohnerschutz hält Anfahrtsverkehr stand

Dazu wird auch das Parkleitsystem beigetragen haben, das D.Live eingerichtet hat. An den Einfahrten zu der dazugehörigen Verkehrsführung – etwa an den Stockumer Höfen – staute es sich den Abend über deutlich. Nutznießer waren allerdings alle, die es durch das nadelöhr schafften. Dass der Einlass in den Open Air Park dabei bereits ab 16 Uhr, also deutlich vor Konzertbeginn, möglich war, tat sein Übriges, um den Ansturm von 80.000 Fans von „System of a Down“ herunterzudrosseln. So war es rund um den Merchandise-Verkauf und die Gastro-Stände am Open Air Park lange Zeit nicht allzu überlaufen. Berichten zufolge, änderte sich dies allerdings zum Konzertbeginn, als immer mehr Personen, die lange im Stau gestanden hatten, versuchten, den Open Air Park zu erreichen.

Unglück in ihrem Glück hatten dabei all diejenigen, die einem möglichen Chaos auf den Straßen zuvorkommen wollten und auf den ÖPNV auswichen. Die Bahnen der Linien U78 und U79 waren bereits gegen 16 Uhr oft so voll, dass alle, die nicht in der Düsseldorfer Innenstadt zustiegen, keinen Platz mehr fanden oder sich teils mühsam und unter Hilfe der an den Stationen postierten Ordner in die Wagen zwängen mussten. Dass der Bahnverkehr aus Richtung Köln durch einen Brand bei Langenfeld stagnierte und Umleitungen und SEV eingerichtet waren, sorgte ebenfalls für teilweise angespannte Stimmung. Es ist nicht verwunderlich, dass viele Anreisende lieber den etwas längeren Fußweg auf sich nahmen. Gleichzeitig jedoch herrschten auf den Schienen zu keiner Zeit Staus, wie auf der Autobahn.

Eröffnung Open Air Park Düsseldorf
Zahlreiche Metal-Fans liefen lieber das letzte Stück zum Konzert, anstatt sich in den Straßenverkehr zu begeben.© NRZ | Lucas Gangluff

„Ich bin schon seit gestern hier in Unterrath in einem Hotel“, erzählt etwa der 54-jährige Harald Meyer aus Bottrop. Er sei in seinem „fortgeschrittenen Alter“ nicht mehr bereit, sich bei der Anfahrt zu stressen, daher sei er nun zu einem der Parkplätze unterwegs, um sich da mit seinen Mit-Konzertgängern zu treffen. „Die haben auch etwas länger gebraucht als gedacht, aber sie sind zum Glück rechtzeitig losgefahren.“ Dem gegenüber berichtet die 24-jährige Chloé, die mit ihren vier Freunden aus Lüttich in Belgien angereist ist, auf Englisch mit französischem Akzent, dass ihre Gruppe, so wie viele andere, das Auto auf einem Supermarkt-Parkplatz abgestellt hätte. „Wir haben da noch Getränke gekauft und laufen das letzte Stück.“

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Zweite Bewährungsprobe zum Verkehrskonzept: Nachtlicher Verkehr im Düsseldorfer Norden

Während das Verkehrskonzept der neuen Mega-Event-Fläche also vor dem Eröffnungskonzert zumindest für die Anwohner durchaus aufzugehen scheint, ist die Lage für viele Konzertbesuchende – zumindest wenn man die Online-Kommentare als Lagebild heranzieht – desolat. Als „bodenlos“ wird die Situation hier beschrieben. „Eine Frechheit“, schreibt ein anderer Nutzer auf Instagram. Die Orga habe „versagt“, heißt es an anderer Stelle. Wie genau es hier zu den stundenlangen Staus gekommen ist, wird D.Live in den kommenden Tagen aufarbeiten müssen. Bereits am 18. Juli steht One Republic auf der Bühne, am Tag danach macht „Mr. Worldwide“ Pitbull Station im Open Air Park.

Allerdings sollte auch nicht vergessen werden, dass der zweite große Bewährungstest in Sachen Anwohnerschutz erst noch kommt. Denn während sich der Anfahrtsverkehr am Freitagnachmittag auf mehrere Stunden verteilen konnte, werden um 23 Uhr, wenn das Konzert aufgrund der Lärmregeln enden muss, potenziell zehntausende Autos den Düsseldorfer Norden gleichzeitig verlassen wollen. Dann wird sich zeigen, wie stabil der Anwohnerschutz tatsächlich ist. Und wie lange die abreisenden Metal-Fans in weiteren potenziellen Staus festsitzen.

„Damals beim Ed Sheeran-Konzert hatten wir bis um zwei Uhr nachts ein Hupkonzert vor dem Haus.“ Mit diesen Worten machte ein Anwohner im Juni gegenüber D.Live seiner Skepsis zum Open Air Park Luft. Sollten sich solche Szenen in der Nacht auf Samstag vermeiden lassen, werden sich die Verantwortlichen bei der bereits angekündigten Nachbesprechung einem vermutlich wohlgesonneneren Publikum gegenübersehen als beim vergangenen Bürgerdialog – zumindest, was die Anwohner vor Ort betrifft. Bei denen, die für viel Geld Konzertkarten gekauft haben und über Stunden im Stau festsaßen, wird sich guter Wille deutlich schwieriger finden.