Rollt schon morgen der erste Castor-Transport von Jülich nach Ahaus? Darauf deuten laut übereinstimmenden Medienberichten mehrere Hinweise hin. So soll die Polizei unter anderem ein Hotel in der Nähe von Ahaus komplett ausgebucht haben. Atomkraftgegner kündigten bereits Demonstrationen und Mahnwachen an.
Für die Polizei steckt hinter dem Transport ein großer organisatorischer Aufwand. Bis zu 4500 Beamte sollen die Transporte absichern, wie Patrick Schlüter, NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der Rheinischen Post mitteilte. Das sei mehr als bei einem Hochrisikospiel in der Fußball-Bundesliga: Bei einem Derby zwischen Mönchengladbach und Köln seien üblicherweise 2500 bis 3000 Kräfte im Einsatz.
Seit das zuständige Oberverwaltungsgericht die Transportgenehmigung vor rund eineinhalb Jahren vergeben hatte, wird über die mögliche Route spekuliert. Das Bundesverkehrsministerium hat diese kürzlich offenbar versehentlich selbst auf seiner „Digitalen Plattform Unbemannte Luftfahrt“ (Dipul.de) veröffentlicht.
Demnach gilt seit Freitagmittag (20. März) bis Samstag, 28. März, um 0 Uhr eine Flugverbotszone für Drohnen, die sich entlang der Autobahnen zwischen Jülich und Ahaus erstreckt. Der Verlauf deckt sich einem WDR-Bericht zufolge mit möglichen Transportrouten für Schwertransporte über die Autobahnen.
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Drohnenflug wegen Castor-Transport in Ahaus vorübergehend verboten?
Zudem gibt es eine Flugverbotszone für Drohnen, die sich westlich von Ahaus in einem 3,7-Kilometer-Radius um jenen Ort erstreckt, an dem das Zwischenlager liegt, in das die Castoren verbracht werden sollen. Laut der Dipul-Meldung ist ein polizeilicher Einsatz in NRW Grund für die temporären Flugverbote.
Am Mittag war die Autobahn-Route dem WDR-Bericht zufolge beim Dipul öffentlich einsehbar. Am frühen Nachmittag war die Seite plötzlich von Dipul verschwunden. Wurde hier die Route über die A44, A46 und A57 versehentlich geleakt? Den Kartendaten zufolge sollte es über die Autobahn vorbei an Neuss, Düsseldorf, Krefeld und Moers gehen, dann auf die rechtsrheinische Seite nördlich an Duisburg und Oberhausen vorbei.
Eine mögliche Transportroute hatten die Behörden bislang aus Angst vor möglichen Anschlägen oder Protest- und Blockadeaktionen geheim gehalten. Rund 150 Castor-Behälter mit radioaktivem Abfall müssen über die rund 170 Kilometer lange Strecke aus Jülich im Kreis Düren ins Münsterland nach Ahaus gebracht werden. Theoretisch ginge das über die Straße oder Schienenwege.
Umweltverbände und Bürgerinitiativen kämpfen jedoch seit Jahren gegen die Transporte und lehnen jede Unterbringung von nuklearem Abfall in Ahaus ab. Auch die Atomkraftgegner gehen davon aus, dass am Dienstag, 24. März, der erste Transport ansteht. Dafür kündigten verschiedene Initiativen eine Demonstration vor dem Rathaus in Ahaus und Mahnwachen an den Atommülllagern in Ahaus und Jülich an. Diese seien bereits bei der Polizei angemeldet, teilt Sprecherin Marita Boslar mit.
Ein Eilantrag des BUND gegen die Transportgenehmigung wurde im Januar abgelehnt. Diese hatte das zuständige Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) erteilt. Das Gericht sah den Antrag als unzulässig an.
Castor-Behälter lagern und transportieren radioaktiven Abfall
Der Begriff „Castor“ ist eine Abkürzung für die englische Bezeichnung der Behälter: „Cask for Storage and Transport of Radioactive Material“ (dt. „Behälter zur Lagerung und zum Transport radioaktiven Materials“). In ihnen werden verbrauchte Brennelemente und anderer radioaktiver Abfall, unter anderem aus Atomkraftwerken, gelagert. Brennelemente dürfen bis zu 40 Jahre in einem Behälter bleiben.
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Die normalen Castor-Behälter sind etwa sechs Meter lang und haben einen Durchmesser von zwei Metern. Vollbeladen können sie bis zu 150 Tonnen wiegen. In Jülich hingegen sind kleinere Castor-Behälter des Typs „CASTOR THT/AVR“ gelagert. Diese wiegen bis zu 30 Tonnen und enthalten schwach- und mittelradioaktive Abfälle des 1988 stillgelegten Versuchsreaktors in Jülich sowie dessen Brennstoffe.




