Es sind harte Worte, die Michael Höft anklagend an die deutschen Schokoladenhersteller richtet. Soeben hat er den Medienpreis der Kindernothilfe für seine Reportage „Die Wahrheit hinter dem Schokohasen – Kinderarbeit in der Kakaoindustrie“ in Empfang genommen. In Westafrika traf er Kinder auf Kakaoplantagen, die dort die Früchte einsammeln und ohne Schutzkleidung mit Pestiziden arbeiten.
Bis 2007 sollte Kinderarbeit auf den Plantagen eigentlich gestoppt werden, dazu hat sich die Schokoladenindustrie vor 20 Jahren vertraglich verpflichtet. Aber noch immer werden vielerorts Kinder ausgebeutet und dadurch nicht nur gesundheitlich gefährdet, sondern auch vom Schulbesuch abgehalten. Michael Höft sagt, es gebe sogar mehr Kinder auf den Kakaoplantagen als je zuvor.
Im Krieg und auf der Flucht sind Kinder immer die Schwächsten
Kinder sind diejenigen, die oft am meisten darunter leiden, wenn Krieg das Leben von einem auf den anderen Tag zur Hölle macht, wenn Familien flüchten müssen und alle Gewissheiten verloren gehen. Kinder sind schwach, sie können sich nicht wehren, wenn Erwachsene sie ausbeuten oder zu widerlichen Dingen zwingen, die jenseits aller Vorstellungskraft sind. Dass so etwas an die Öffentlichkeit kommt, ist Journalistinnen und Journalisten zu verdanken, die an die Orte gehen, an denen das Unrecht passiert, und Aufklärung leisten.
Preisträger Michael Höft hat schon über Zwangsarbeit in Indien berichtet, über die Textilindustrie in Bangladesch, über Missstände bei der Tee- und Kaffeeproduktion. Seine Recherchen sind vor Ort immer unerwünscht, seine Informanten in Westafrika wurden nach dem Dreh aggressiv angegangen. „Einer hat sogar überlegt, das Land für eine Zeit lang zu verlassen“, sagt er. „Auch die Kinder, die wir gefilmt haben, wurden beschimpft und bedroht.“
Die Jury des Medienpreises lobte die WDR-Dokumentation mit den Worten: „Michael Höft konfrontiert uns unmittelbar mit der harten Realität arbeitender Kinder und ihren persönlichen Geschichten. Seine Arbeit macht unmissverständlich deutlich: Dieses Problem geht uns alle an – Kinderarbeit darf keinen Platz in unserer Welt haben.“
Kinder in Gaza und Israel zwischen Bombenhagel und Entführung
Wie sehr Kinder unter Kriegen leiden, haben Peter Münch und Thorsten Schmitz in einer ungewöhnlichen Doppel-Reportage aus Israel und Gaza gezeigt. Sie porträtierten zwei Familien: die Familie Levy und die Familie Abu Khater. In der einen lebt der dreijährige Almog, dessen Mutter Einav beim Angriff der Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023 ermordet wurde, sein Vater Or Levy wurde in den Gaza-Streifen verschleppt. Erst im Februar 2025 kam er völlig abgemagert frei, 490 Tage lang war er von seinem Sohn getrennt. Die palästinensische Familie Abu Khater dagegen, eine Mutter und ihre drei Kinder, ist dem Bombenhagel im Gazastreifen ausgeliefert, sie fliehen, hungern, werden lebensgefährlich krank.
Jurorin Steffi Dobmeier beschrieb den zweitplatzierten Doppel-Beitrag aus der Süddeutschen Zeitung mit den Worten: „Die beiden Autoren drängen uns nicht zur Parteinahme, sondern zum Zuhören und zum Hinschauen. Solche Geschichten, die uns einander näherbringen, statt uns zu trennen, sind dringend notwendig.“
Kinderprostitution in Dortmund: Sophie Sommer hat hingeschaut
Mit ihrem Artikel „Ich spüre noch seine Hände auf mir“ über Kinderprostitution in der Dortmunder Nordstadt, mit dem sie bereits mehrere Preise, darunter den Theodor-Wolff-Preis und den Deutschen Reporter:innenpreis gewonnen hat, war die WAZ-Redakteurin Sophie Sommer ebenfalls für den Story-on-Stage-Preis der Kindernothilfe nominiert.
Die Jury urteilte über den drittplatzierten Beitrag, Sophie Sommers Reportage sei „ein Weckruf, der lange überfällig war. Ganz deutlich macht sie uns klar: Vielleicht sehen wir sie nicht, vielleicht hören wir sie nicht, aber Kinderprostitution passiert – direkt vor uns, mitten in Dortmund.“ Die persönliche Geschichte von Maxi sei mit „beeindruckendem Feingefühl und Sorgfalt“ geschrieben. „Ein intensiver und bedrückender Text, der wirklich weh tut. Aber genau deshalb ist er wichtig.“

Viele der Opfer von Kinderprostitution stammen aus Roma-Familien. Roma werden seit Jahrhunderten ausgegrenzt und diskriminiert, in Rumänien und Bulgarien leben viele von ihnen unter prekären Bedingungen. Mit 19 Jahren wurde die Deutsche Jenny Rasche mit der bitteren Realität eines Roma-Slums konfrontiert. Seitdem hilft die Sozialarbeiterin den Familien dort, sie gründete den Verein „Kinderhilfe für Siebenbürgen“, der täglich rund 2500 Kinder unterstützt.
Siebenfache Mutter Jenny Rasche hat noch mehr Pflegekinder
Für ihren Einsatz wurde die 42-Jährige nun mit dem Kindernothilfe-Ehrenpreis ausgezeichnet. Die neunköpfige Kinderjury schenkte ihr einen Teil ihres Preisgeldes. Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, sagte in ihrer Laudatio zu Jenny Rasche, die sieben leibliche und noch mehr Pflegekinder hat: „Danke, dass Sie uns zeigen, was man aus eigener Kraft erreichen kann. Danke, dass Sie ein Vorbild sind und so viel Gutes für Kinder tun.“
Nur selten wird über das Leid der Roma-Kinder gesprochen, nur wenig wird getan. Dass nun die von Ausgrenzung betroffene Roma-Community bei der Preisverleihung gleich zweimal im Mittelpunkt stand, wertete die WAZ-Redakteurin Sophie Sommer als wichtiges Zeichen. „Wir haben heute Abend gesehen, wie die Kinder in Rumänien leiden und wie manche von ihnen dann in Dortmund in die Kinderprostitution hineingeraten.“ Es sei traurig, dass sich in der Stadt trotz der Aufmerksamkeit für ihren Artikel an den Zuständen wenig ändere.
Jenny Rasche, die in Rumänien lebt, urteilte bewegt über den Abend der Preisverleihung: „Es ist für mich jedes Mal, wenn ich nach Deutschland komme, ein Ausflug in eine andere Welt. Darum denke ich, solange die Unterschiede so gravierend sind, ist es immer und immer wieder notwendig zu berichten. Und genau das werde ich tun. Jeden Tag, immer.“

Wie die Kinderrechte in Bolivien missachtet werden, hat „logo!“-Moderator Sherif Rizkallah in seinem Beitrag „logo! extra: Wenn Kinder arbeiten“ gezeigt, für den er mit dem Preis der Kinderjury ausgezeichnet wurde. In Bolivien traf er den 14-jährigen Kevin, der seit seinem zwölften Lebensjahr mit seinem Vater in einer Mine arbeitet. Morgens sieht er aus wie ein normales Schulkind, ordentlich gekämmt und in Schuluniform. Am Nachmittag kämpft er verschwitzt mit einem schweren Bohrer, den er mit aller Kraft ins Gestein treibt. Kevin arbeitet, um seine Familie zu unterstützen. Dass es unter der Erde für ihn lebensgefährlich ist, weil Gänge plötzlich einstürzen können, versucht er zu verdrängen. Beim Dreh unter Tage hatten Sherif Rizkallah und sein Kameramann mehr als einmal ein beklemmendes Gefühl.
Kinderzeitung CHECKY! war Partner für den Preis der Kinderjury
In diesem Jahr war die Kinderzeitung CHECKY! der FUNKE Mediengruppe erstmals Partner für den Preis der Kinderjury. Thomas Kloß, Geschäftsführer FUNKE Medien NRW, sagte: „FUNKE unterstützt mit CHECKY! die Kindernothilfe, weil sie die Welt etwas besser macht.“

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Die Kindernothilfe, eine der größten christlichen Kinderrechtsorganisationen Europas mit Sitz in Duisburg, verleiht seit 1999 den Medienpreis für Kinderrechte. Alle nominierten und ausgezeichneten Beiträge des Medienpreises 2025 können Sie hier anschauen bzw. lesen. Der Film „Die Wahrheit hinter dem Schokohasen – Kinderarbeit in der Kakaoindustrie“ läuft auch in der ARD Mediathek.



