27 herausragende Ankerpunkte – darunter die „Big Five“ Landschaftspark Duisburg-Nord, Gasometer Oberhausen, Jahrhunderthalle Bochum, Kokerei Hansa in Dortmund, UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Dazu 17 Panoramen der industriellen Kulturlandschaft, 13 Arbeitersiedlungen, 32 Themenrouten mit Hunderten von industriellen Sehenswürdigkeiten. All dies verbunden in einem Straßenrundkurs von 400 Kilometern Länge oder wahlweise einem 300 km langen Radrundkurs: Das ist die Route Industriekultur, die in diesem Mai ihren 25. Geburtstag feiert. Mehr als 115 Millionen Menschen haben das einzigartige industriekulturelle Netzwerk seit der Gründung am 29. Mai 1999 besucht. Ende Mai werden es noch einige mehr werden, denn der Träger – der Regionalverband Ruhr (RVR) – startet zum freudigen Anlass ein verlängertes Jubiläumswochenende.
ExtraSchicht auf 1. Juni vorgezogen
Nach dem offiziellen Festakt am 29. Mai sind an Fronleichnam, dem 30. Mai, Groß und Klein zum Familientag auf Zollverein eingeladen. Am Freitag, 31. Mai, steigt im dortigen Erich-Brost-Pavillon eine Dance-Party mit Elektro-Klängen. Tags darauf verlässt die ExtraSchicht zum besonderen Anlass ihren gewohnten Platz am Monatsende: Freuen wir uns am Samstag, 1. Juni, auf eine Nacht wie keine andere, auf die Nacht der Industriekultur mit 35 Spielorten und 24 beteiligten Städten. Am Sonntag, 2. Juni, dem Welterbetag, folgt eine öffentliche Podiumsdiskussion zur Zukunft der Industriekultur im Ruhrgebeit. Events wie eine Drohnenshow, eine Fotografieausstellung und ein neuer 360-Grad-Film über die Region runden das Jubiläumswochenende ab. Dieses ist nicht nur auf das verlängerte Wochenende beschränkt. Am Sonntag, 9. Juni (an und in Kooperaration mit der Jahrhunderthalle Bochum), steigt der Fahrradsommer der Industriekultur. Zudem kommt die Feier in sämtliche Ecken des Reviers.

„Local Heroes“ stehen im Blickpunkt
Bis 20. Oktober werden alle 27 Ankerpunkte im Rahmen der „Local Hero“-Wochen für je eine Woche im Blickpunkt stehen – mit Führungen, Gewinnspielen, Picknicks und mehr. Der neue RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin sagt: „Die Route Industriekultur gehört zur Identität der Menschen, die hier leben.“ Eben auch, weil sie neben Zollverein, Zollern und anderen Besuchermagneten in der Fläche „viele andere Kleinode“ einschließe: „Sie ist nicht nur touristisches Aushängeschild, sondern Ausdruck der kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Transformation des Ruhrgebiets.“ Mit den „Local Heroes“, so Stefanie Reichart (Leiterin Referat Kultur, Sport und Industriekultur beim RVR), knüpfe man dabei an das gleichnamige Erfolgsformat der Kulturhauptstadt RUHR.2010 an.

Land NRW und Regionalverband Ruhr wenden Millionen auf
Um dieses zu sichern, haben das Land NRW und der RVR die Unterstützung für die fünf Großstandorte vertraglich geregelt: 5,6 Mio. Euro fließen jährlich in deren Grundsicherung, 3,9 Mio. stellt der RVR für Instandsetzungsmaßnahmen bereit. Heinrich Theodor Grütter (Vorstand Stiftung Zollverein) ist überzeugt: „Es gibt ohne Herkunft keine Zukunft.“ Als Motor der Verarbeitung des Wandels sei die Route Industriekultur einzigartig in Europa. 1,7 Millionen Besucher empfange jedes Jahr allein das Welterbe Zollverein, rund 80 Millionen Menschen fuhren schon mit der berühmten, kürzlich mit RVR-Hilfe restaurierten orangen Rolltreppe zur Kohlenwäsche auf Zollverein.

All das wäre vermutlich nicht möglich gewesen ohne die Leistung der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) und ihres vor zwei Jahren verstorbenen Geschäftsführers Karl Ganser. Peter Köddermann, einst knapp sieben Jahre lang bei der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) beschäftigt und heute Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins Baukultur NRW in Gelsenkirchen, nennt als größte Leistung der IBA Emscher Park „die Umdeutung einer Industrieregion in eine industrielle Kulturlandschaft“. Industriebrachen als Kulturräume zu interpretieren, dies sei Mitte der 1980er-Jahre keineswegs positiv besetzt gewesen: „Es dauerte Jahre, bis man Industriekultur als Indikator für gelungene Transformation ansah.“
„Was macht Raum aus? Was sollte ihn ausmachen?“
So erhielten die Dinosaurier von Kohle und Stahl ein ganz neue Bedeutung. Köddermann: „Es ging nicht primär um die 117 Projekte, die die IBA initiiert hat. Es ging Ganser darum, offen und innovativ Raum zu analysieren: Was macht ihn aus? Was sollte ihn ausmachen? Dass zum Beispiel das Thema Grün im Rahmen eines Emscher Landschaftsparks eine solch große Bedeutung haben sollte, war revolutionär. Oder dass ein Ort der Arbeit auch als Landschafts- und Stadtraum zu betrachten ist.“ So seien heute Gebäude aus industriekulturellen Zusammenhängen identitätsstiftend und profilbildend geworden: „Das ist, wie ich finde, eine hervorragende Verbindung von gestern und morgen. Und gleichzeitig Auftrag für den Umgang mit Denkmälern.“



