Wurden Jesiden aus Herne vertrieben?

Herne.   Jesidische Familien sollen im vergangenen Jahr aus einem Wohnblock in Herne vertrieben worden sein. „Ebenfalls dort ansässige Libanesen“ hätten massiven Druck auf die rund 50 Jesiden ausgeübt. Gewalt und Drohungen seien in Herne an der Tagesordnung gewesen, berichtet der FDP-Landtagsabgeordnete Thomas Nückel – und beruft sich auf den in Oldenburg ansässigen Zentralrat der Jesiden. Die religiöse Minderheit wird vom sogenannten Islamischen Staat in Syrien und dem Irak verfolgt. Der Zentralrat war am Dienstag nicht zu erreichen.

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Jesidische Familien sollen im vergangenen Jahr aus einem Wohnblock in Herne vertrieben worden sein. „Ebenfalls dort ansässige Libanesen“ hätten massiven Druck auf die rund 50 Jesiden ausgeübt. Gewalt und Drohungen seien in Herne an der Tagesordnung gewesen, berichtet der FDP-Landtagsabgeordnete Thomas Nückel – und beruft sich auf den in Oldenburg ansässigen Zentralrat der Jesiden. Die religiöse Minderheit wird vom sogenannten Islamischen Staat in Syrien und dem Irak verfolgt. Der Zentralrat war am Dienstag nicht zu erreichen.

Massenschlägerei auf Bolzplatz

Schon Ende November hatte die CDU-Ratsfraktion gewarnt, bei dem Wohnblock Emscherstraße im Stadtteil Wanne handele es sich um ein „Pulverfass“, es herrsche das Faustrecht. Diese Darstellung wiesen Polizei und Stadt zurück.

Fest steht: Ende März 2016 war es auf einem Bolzplatz an der Emscherstraße zu einer Massenschlägerei zwischen den beiden Gruppen gekommen. Wie FDP-Mann Nückel nun bekannt macht, sollen rund 50 Jesiden kurz nach dem Vorfall die Flucht ergriffen haben, weil es massive Gewaltandrohungen gegen sie gegeben haben soll. Steine seien in Fenster von jesidischen Bewohnern geworfen worden. „Die Vorfälle müssen aufgearbeitet und aufgeklärt werden“, fordert Nückel. Es wäre ungeheuerlich, wenn Menschen, die bereits einmal aufgrund ihrer Religion, durch Bürgerkriege oder den IS-Terror vertrieben worden seien, nun Opfer einer zweiten Vertreibung geworden seien.

Was sagt die Polizei? Einsatzkräfte seien nach der Massenschlägerei im März vor Ort gewesen, so Polizeisprecher Schütte. Dieser „Einzelfall“ sei jedoch „komplett abgearbeitet“ worden. Zurzeit gebe es „keine besonderen Auffälligkeiten“ in der Siedlung. Wie schon im November erklärt die Polizei: Es handele sich bei dem Wohnblock Emscherstraße nicht um einen Brennpunkt.

Und die Stadt? „Wir haben keine Kenntnis, die über die damalige Mitteilung der Polizei zur Massenschlägerei hinausgeht“, erklärt Stadtsprecher Christoph Hüsken. Auch aus ordnungsbehördlicher Sicht sei die Siedlung nicht besonders auffällig.

Die Verwaltung kündigte bereits im November einen Runden Tisch an, um die Lage in der Siedlung zu klären. Im März soll es auch eine Anwohnerversammlung geben.

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