Essen

AfD-Rechtsaußen Renner wird Spitzenkandidat

Die nordrhein-westfälische AfD zieht mit Martin Renner als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf.

Die nordrhein-westfälische AfD zieht mit Martin Renner als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf.

Foto: dpa

Essen.   Fast sechs Stunden Parteitag brauchten die AfD-Delegierten aus NRW am Samstag, um ihren ersten Listenkandidaten für die Bundestagswahl zu wählen. Das Ergebnis kann als Schlappe für den Landesvorsitzenden Marcus Pretzell gewertet werden. Ausgerechnet sein Co-Vorsitzender und härtester innerparteilicher Gegner in NRW, Martin Renner, setzte sich in einer Stichwahl mit 179 zu 167 Stimmen gegen den Wunschkandidaten des Pretzell-Lagers, den Hamburger AfD-Politker Kay Gottschalk durch. Der dem äußersten rechten Rand der AfD zugerechnete Renner hat nun Chancen, im Herbst in den Bundestag einzuziehen. Umfragen sehen die rechtspopulistische Partei derzeit bei rund zehn Prozent.

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Fast sechs Stunden Parteitag brauchten die AfD-Delegierten aus NRW am Samstag, um ihren ersten Listenkandidaten für die Bundestagswahl zu wählen. Das Ergebnis kann als Schlappe für den Landesvorsitzenden Marcus Pretzell gewertet werden. Ausgerechnet sein Co-Vorsitzender und härtester innerparteilicher Gegner in NRW, Martin Renner, setzte sich in einer Stichwahl mit 179 zu 167 Stimmen gegen den Wunschkandidaten des Pretzell-Lagers, den Hamburger AfD-Politker Kay Gottschalk durch. Der dem äußersten rechten Rand der AfD zugerechnete Renner hat nun Chancen, im Herbst in den Bundestag einzuziehen. Umfragen sehen die rechtspopulistische Partei derzeit bei rund zehn Prozent.

Schon zu Beginn der Landeswahlversammlung in Essen wurde versucht, die Chancen von Gottschalk auf einen vorderen Listenplatz zu schmälern. Es kursierte ein Brief von Hamburger AfD-Politikern, die Gottschalk „Untätigkeit zum Schaden der Partei“ vorwarfen. Sein Gegenkandidat Renner, der früher CDU-Mitglied war, hielt eine Bewerbungsrede mit stark nationalen Untertönen. Er unterstellte anderen Parteien, Bürger zu so genannten „Systemsklaven“ machen zu wollen, der Islam ist für ihn gleichbedeutend mit „Islamismus“. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bezeichnete Renner als „Schuld-Kult“ und „Hyper-Moralisierung“. Renner liegt damit nahe an Äußerungen des umstrittenen Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke.

Ein weiterer Bewerber für Listenplatz 1, der Essener AfD-Vorsitzende Stefan Keuter, bekam für seine Vostellung Applaus, erhielt im ersten Wahlgang aber nur 42 Stimmen. Keuter empfahl der Partei „nicht am rechten Rand zu fischen“, sondern die „bürgerliche Mitte“ zu suchen. Die Partei dürfe sich nicht länger als „zerstrittener Haufen“ präsentieren. Am Morgen hatte NRW-AfD-Chef Pretzell eine „Resolution“ angekündigt, mit der der Richtungs- und Personalstreit im Bundesvorstand beigelegt werden soll. Hinter dem Aufruf sollen neben Pretzell der brandenburgische Fraktionschef Gauland und der rheinland-pfälzische Fraktionsvorsitzende Junge stehen. „Die Angriffe aufeinander werden aufhören“, sagte Pretzell. Hintergrund ist wohl die Absicht von Höcke-Anhängern, eine vorgezogene Neuwahl des Bundesvorstandes zu erreichen. Bundesvorsitzende ist Frauke Petry, die Ehefrau von Pretzell.

Gegen die Versammlung der AfD in der Messe Essen protestierten Demonstranten des Aktionsbündnisses „Essen stellt sich quer“. Zu Beginn am Morgen waren zunächst mehr Polizisten als Demonstranten vor Ort. Nur rund 100 AfD-Gegner hatten sich versammelt. Max Adelmann, Sprecher des Aktionsbündnisses: „Wir wollen der AfD zeigen, dass wir keinen Platz für Rassismus und Ausgrenzung haben.“

Mit Beginn des Demonstrationszuges um kurz nach 11 Uhr erhöhte sich die Zahl der Teilnehmer sehr. Mehr als 650 Menschen zogen durch Essen-Rüttenscheid. Mit dabei waren viele junge Familien. Zu den Rednern der Abschlusskundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz gehörte auch der Essener DGB-Chef Dieter Hillebrand. Er sagte: „Die AfD ist für Gewerkschafter nicht wählbar, weil sie soziale Standards brutal zusammenstreichen will.“ Währenddessen zog die Polizei bereits viele Einsatzkräfte ab. Polizeisprecherin Sandra Steinbrock berichtete von einem störungsfreien Ablauf: „Keine besonderen Vorkommnisse.“

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