Kochen

Zu Gast bei einer Fremden – der Trend zum „Supper-Club“

Natascha Riekeberg lernte über die Rechcherche für ihre Magisterarbeit das „Supperclub“-Konzept kennen. Nun veranstalet sie einmal im Monat kulinarische Motto-Abende.

Natascha Riekeberg lernte über die Rechcherche für ihre Magisterarbeit das „Supperclub“-Konzept kennen. Nun veranstalet sie einmal im Monat kulinarische Motto-Abende.

Foto: Stefan Arend

Duisburg.   Das Wohnzimmer von Natascha Riekeberg wird einma im Monat zum Supperclub „Satt & Glücklich“. Köchin und Gäste lernen sich erst am Abend kennen.

Zu einer Weltreise lädt Natascha Riekeberg in ihr Wohnzimmer ein. Einmal im Monat kocht sie für fremde Menschen ein Vier-Gänge-Menü. „Supperclub“ heißt der Trend, bei dem sich die Gäste erst am Abend kennen lernen und eine Woche vorab erfahren, wo aufgetischt wird. „Supper“ ist das eng­lische Wort für „Abend­essen“. Mehr als 20 Dinner hat die Duisburgerin bisher zubereitet – Platz ist für zwölf Personen.

„Ich habe schon immer gerne gekocht und Leute zu Besuch gehabt“, erzählt die 36-Jährige. Und für ihren Germanistik-Abschluss hat sie sich sogar wissenschaftlich mit Kochbüchern auseinandergesetzt: „Sprachliche Veränderung von Kochrezepten – vom Mittelalter bis Jamie Oliver“ hieß der Titel der Magisterarbeit. Kurz zusammengefasst: Früher war mehr „Man nehme“. Heute sind Kochbücher eher Bildbände mit kurzen Texten. Bei den Recherchen für die Uni stieß Natascha Riekeberg dann auch auf Supperclubs. Bis sie allerdings zum ersten Mal einlud, verging ein bisschen Zeit. „Irgendwann haben wir dann beschlossen: Wir machen das jetzt einfach.“ Seitdem zieht sie sich einmal im Monat die Schürze an. „Satt & Glücklich“ steht darauf. Genau so sollen die Besucher ihr Haus wieder verlassen.

Zu jedem Motto das passende Essen

Im Backofen bräunt eine spanische Frittata mit grünem Spargel und Süßkartoffeln. Im Thermomix wird der Aperitif, eine Erbeermargarita aus Mexiko, gerührt. In der Küche helfen ihr Mann Norman und eine Freundin. Sie schnibbeln, servieren und waschen zwischendurch auch mal ab. Dabei gibt’s Teller und Gläser dutzendfach. „Wenn’s danach geht, könnte die Gesellschaft noch größer sein.“ Sieht Natascha Riekeberg schönes Porzellan, greift sie zu. Ohnehin sind ihre „Supperclub“-Abende Gesamtkunstwerke. Zu jedem Motto wird nicht nur das passende Essen gereicht, sondern der Tisch entsprechend dekoriert. Zum Ruhrpott-Abend mit typischen Platzdeckchen und „Mahlzeit“-Servietten. Bei Hüttenschmankerln wurde der Tisch zünftig gedeckt. Die Frauen in der Runde sind begeistert.

Fachsimpeln übers Grillen

Auf dem Tisch wartet das erste Häppchen: Falafel mit Hummus. „Mmh, das ist schon mal superlecker“, lobt Gast Yvi Bazant. „Wer nicht satt wird, bekommt später Geld für ‘nen Döner“, scherzt Natascha Riekeberg. Das ist allerdings noch nie vorgekommen. Die Portionen sind ordentlich.

Gang zwei ist eine Schüssel mit Glasnudeln, Salat und thailändischem Erdnuss-Hühnchen. „Ich hätte jetzt ein warmes Gericht erwartet“, wundert sich Torben Kranz über den lauwarmen Bissen. Er ist Wiederholungstäter, wurde schon einmal von seiner Frau „hergeschleppt“. Weil es ihm so gut gefiel, ist er nun mit einem Freund hier. Auch wenn sie die anderen nicht kennen, kommt man an der langen Tafel doch schnell ins Gespräch. Einige entdecken, dass sie auf der gleichen Schule waren. Die Jungs fachsimpeln übers Grillen – dafür brauchen sie nur Fleisch, sonst nichts.

Fleischklöpse und griechische Burger

Gewürze wecken Erinnerungen. Für Yvi Bazant schmeckt Kümmel nach Kindheit. Gemeinsam mit ihrer Schwester und der Familie floh sie 1970 aus Tschechien nach Deutschland. Sie erzählt, wie es für sie damals in den Flüchtlingsunterkünften war und sie sich mit viel Fantasie weggeträumt hat. Der Tischnachbar engagiert sich zufälligerweise heute in der Flüchtlingshilfe und berichtet, wie die Situation in Duisburg ist. Von all dem bekommen Natascha Riekeberg und ihre Helfer nichts mit, während sie Fleischklöpse grillen und griechische Burger zusammenbauen. „Das ist einerseits schade, andererseits merken wir ja, wie die Stimmung ist und ob es geschmeckt hat. Wir wollen euch den Rahmen für einen schönen Abend bieten“, erklärt Norman Riekeberg. Er arbeitet im Hauptberuf als IT-Experte und Klavierlehrer. Manchmal begleitet er das Dinner auch mit einem Hauskonzert. Und vor dem Hauptgang, der Zeit braucht, führt er die Besucher am nahe gelegenen Rhein entlang. „Das haben wir einmal angeboten, und weil es so gut ankam, machen wir das jetzt immer.“

Zum Nachtisch setzt sich Natascha Riekeberg dazu. Allen hat es geschmeckt. „Verrätst du eigentlich auch Rezepte?“, fragt eine Teilnehmerin neugierig. Tja. Die Gastgeberin kocht selten nach Rezept, eher nach Gefühl. Bereitwillig beschreibt sie also, wie sie den Key Lime Pie, einen Zitronenkuchen aus Florida, gebacken hat und welche Tricks es bei den anderen Gerichten gab. Manchmal bekommt sie von den Gästen auch Aufträge. „Mach doch mal einen Abend zu Südafrika“, zum Beispiel. Ist vielleicht in Planung. Einige kommen wieder – wenn sie einen Platz ergattern. Satt und glücklich wollen viele werden.

>>>Die Idee stammt ursprünglich aus Kuba

Beim Wohnzimmer-Restaurant muss man sich anmelden. „Satt & Glücklich“ pausiert erstmal. In Dortmund bittet „Armeritta“ am 26. Mai und 2. Juni zu Tisch: armerittasupperclub.blogspot.de . Die Idee der „Supperclubs“ stammt aus Kuba, wo Einheimische Gäste zu sich nach Hause eingeladen haben. Über London ist der Trend nach Deutschland gekommen. Die Abende sind geheim und privat. Die Gastgeber kochen als Hobby und die Besucher zahlen einen Obolus für Zutaten. Natascha Riekeberg stellt eine Spendenbox auf.

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