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Warum wir uns im Wald unter Bäumen so wohl fühlen

Oh, wie wohl ist mir im Wald: Durchatmen, den Kopf frei kriegen: Ein Spaziergang im Wald lässt den Blutdruck sinken.

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Oh, wie wohl ist mir im Wald: Durchatmen, den Kopf frei kriegen: Ein Spaziergang im Wald lässt den Blutdruck sinken. Foto: Getty

  Die Naturfreunde sind längst nicht mehr allein im Wald: Manager, Burn-out-Kandidaten und Gestresste versuchen, zwischen Bäumen Kraft zu tanken.

Im Wald da sind die Räuber, halli. . . hallo die Räuber. Das Volkslied ist aus der Zeit gefallen. Räuber im Wald? Die regieren nur noch im Reich der Sagen und Märchen. Als Rumpelstilzchen und Robin Hood hinter Rotbuchen hockten und einer holden Jungfrau harrten.

Heute müsste es heißen: Im Wald da sind die Manager, halli… hallo die Manager.

Auf den fast 60 000 Kilometern Wanderwegen in NRW müsste es wimmeln von gestressten CEOs (Chief Executive Officers), doppelt und dreifach belasteten Müttern und Vätern, Burn-out-Kandidaten und Beladenen. Denn im Wald würde es ihnen besser gehen.

Stress und Erschöpfung fallen von einem ab

Nur fünf Minuten im Wald reichen, schon schlägt das Herz langsamer, der Blutdruck sinkt, die Muskeln entspannen sich. Stress und Erschöpfung fallen von einem ab. Die Stimmung hellt sich auf. Wir atmen durch, kriegen den Kopf frei, wie es so schön heißt. Im Wald klappt das wirklich. Kaum etwas eignet sich so gut zum Abschalten und Auftanken wie ein Spaziergang zwischen großen Bäumen. Immer mehr Studien zur gesundheitsfördernden Wirkung des Waldes belegen das.

Wer das Netz zur heilenden Wirkung des Waldes durchforstet, stößt schnell auf Förster und Autor Peter Wohlleben, der erstaunliche Dinge erzählt, die im Wald geschehen und wie sich Bäume mit Botenstoffen verständigen. Faszinierend.

Konzentrationsfähigkeit und Kreativität steigen

Aber der Waldsucher landet auch schnell beim Biologen Clemens G. Arvay („Der Biophilla-Effekt. Heilung aus dem Wald“). Unter Bäumen könne der Mensch seine Batterien wieder aufladen, damit Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Kreativität wieder steigen.

Aber der Wald vermag viel mehr, behauptet der Wissenschaftler. Am meisten beeindruckt ihn „die Kommunikation der Pflanzen und dass unser ebenfalls kommunikationsfähiges Immunsystem davon profitieren kann. Der Wald ist ein Ort der dichten Kommunikation, wo Pflanzen über chemische Substanzen, sogenannte Terpene, Botschaften untereinander austauschen. Wenn wir die Waldluft, die voll von diesen Pflanzenvokabeln ist, aufnehmen, reagiert unser Immunsystem mit einer signifikanten Steigerung und Aktivierung von Killerzellen gegen Viren und Infektionen.“

„Hoch wirksamer medizinischer Cocktail.“

Für uns Laien: Waldspaziergänge stärken das Immunsystem und dienen der Krebsprävention. Im Wald nimmt der Mensch über die Haut und die Atmung bioaktive Substanzen auf, Terpenoide oder Terpene. Das sind Pflanzenstoffe und ätherische Öle, die aus Blättern, Nadeln, Rinden, Flechten, Moosen, Zapfen und vielen anderen Pflanzenteilen stammen. Sie seien in der Lage, körpereigene Killerzellen zu aktivieren. Die wirken gegen Krebs. Clemens G. Arvay bezeichnet den Wald deshalb als „hoch wirksamen medizinischen Cocktail“.

Ein kurzer Blick nach Japan. Hier forscht Yoshifumi Miyazaki an der Waldmedizin. Er fand heraus, dass bei Menschen, die einen Wald nur anschauten, der Stresshormonpegel bereits um 13,4 Prozent sank. Vor sechs Jahren untersuchte er, wie stark das Stresshormon Cortisol, Blutdruck und Herzfrequenz bei einem Stadtspaziergang und bei einem Waldspaziergang sanken. Ein Ergebnis der Studie: Der Cortisolspiegel war beim Waldspaziergang um 12,4 Prozent niedriger als bei der Vergleichsgruppe. In Japan und Südkorea ist dieses „Shinrin Yoku“ („Waldbaden“) zum festen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge geworden, hat sich zur sogenannten Wald-Therapie entwickelt.

Es wirkt wie Aromatherapie

Es ist unnötig, sich dabei anzustrengen. Ein gemütlicher Spaziergang im Wald reicht aus. Er wirkt wie eine Aromatherapie. Auch, weil die Luft im Wald ähnlich staubarm ist wie am Meer und im Gebirge. Der Wald nimmt den Lärm, das Grün beruhigt, der Boden federt.

Deutschland zählt zu den waldreichen Ländern der Europäischen Union. Mit 11,4 Millionen Hektar ist knapp ein Drittel der Gesamtfläche mit Wald bedeckt. „Der Wald liefert den nachhaltigen Rohstoff Holz und ist wichtiger Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum. Gleichzeitig erfüllt er wertvolle Erholungs- und Schutzfunktionen und ist auch für die biologische Vielfalt unersetzlich“, sagt Ranger Jörg Pahl vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Der Landesbetrieb betont die gesundheitsfördernde Seite des Wanderns im Wald. Professor Simon J. Marshall von der San Diego State Universität zufolge genügen 3000 Schritte am Tag, um auch das Risiko für Arterienverkalkungen – somit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall – erheblich zu reduzieren. Bei einem langen Spaziergang werden fast so viele Kalorien verbrannt, als wäre man dieselbe Strecke gejoggt. Pahl: „Das liegt daran, dass man beim Spazierengehen viel kleinere Schritte macht als beim Joggen. Und pro Schritt muss natürlich die gesamte Körpermasse in Schwung gebracht werden. Der Wald eignet sich also perfekt für das Thema gesunder Lebensstil.“

>>>Blumenpracht & Waldidylle: Landesgartenschau ’17

Eine bewährte Marke mit neuer Note: Zum ersten Mal präsentiert sich die Landesgartenschau vor einer Wald-Kulisse. Die Kurstadt Bad Lippspringe (16 000 Einwohner) ist der bislang kleinste Ort, der die beliebte Großveranstaltung ausrichtet. Unter dem Motto „Blumenpracht & Waldidylle“ gibt es natürlich auch Blumenschauen und Themengärten. Schwerpunkt der diesjährigen NRW-Schau mit 33 Hektar Fläche ist allerdings die Neuinszenierung, Neuinterpretation der beiden alten Kurparks mit Kurteich, Kaffee-Pavillon und prächtig bepflanzten neuen, modernen Wegen – aber vor allem einem großen gelifteten und gelichteten historischen Kurwald mit veränderten Licht- und Schattenbildern.

Warum der Ort so heißt, ist klar. Bad Lippspringe besitzt die Karstquelle der Lippe, „Odins Auge“, wie sie genannt wird, unterhalb der Burgruine. Außerdem blubbern vier weitere Heilquellen. Alle sind öffentlich zugänglich, der Trunk schmeckt ganz ordentlich und soll Magen und Darm guttun. Papst Pius X., bisher prominenteste Kurgast im „Staatlich anerkannten Heilbad“, hat von der Liborius-Quelle getrunken, als er schwere Stoffwechselprobleme hatte. Der Heilige Vater wurde dann immerhin noch fast 80.

Laga 2017 in Bad Lippspringe: bis 15. Oktober, 9 bis 19 Uhr, geöffnet maximal bis 21 Uhr. Preise: Erwachsene 17,50 Euro, erm. 14 Euro, Kinder 2 Euro (3 bis 17 Jahre). Gruppenpreis Erwachsene (ab 15 Personen) 15,50 Euro. Service: Rollstühle, Rollatoren, Elektro-Scooter und Bollerwagen im Verleih. Mehr Infos: www.lgs2017.de

>>>Unser Wald in Zahlen

NRW ist das bevölkerungsstärkste Bundesland. Der Wald nimmt mit ca. 935 000 Hektar etwa 27 Prozent der Fläche ein.

Im Durchschnitt ist unser Wald 77 Jahre alt. 64 Prozent des Waldes in NRW sind in Privatbesitz – bei 150 000 Waldbesitzern.

37 Prozent des Waldes besteht aus Fichten, Buchen und Eichen teilen sich Platz zwei (16 %), gefolgt von diversen Laubgehölzen (20%). (Quelle: Landesbetrieb Wald und Holz NRW)

Siegen-Wittgenstein ist waldreichster Kreis in NRW, als waldreichste Großstadt gilt Hagen, die waldärmste soll Rheinberg sein, Kamen waldärmste Stadt im waldärmsten Kreis Unna.

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