Glaube

Warum Menschen an Gott glauben – die Antworten

Die Schönheit der Natur – das kann kein Zufall sein.

Die Schönheit der Natur – das kann kein Zufall sein.

Foto: Patrick Pleul / ZB

Ich glaube an Gott, weil … Das haben wir unterschiedliche Menschen gefragt. Der Glaube ist etwas persönliches. Und manchmal ist er gefährlich.

„Ich glaube an Gott, weil er mich aus der Dunkelheit gerettet hat. Ich bin in einem islamischen Land geboren, im Iran. Dort ist es schwierig, wenn du Christin bist. Wenn du geboren bist, wird gesagt: Du bist Moslem. Du darfst nicht entscheiden, was du glauben möchtest.

Die Frauen müssen alles verhüllen: Haare, Körper. Im Iran dürfen viele Frauen nicht Fahrrad fahren, tanzen, singen. Das ist alles verboten. Ein anderer Mann darf eine Frau nicht singen hören.

Als junges Mädchen war ich sehr neugierig, ich habe in den Medien, auf Facebook gesehen, dass europäische und christliche Frauen freier leben als muslimische. Ich habe versucht zu verstehen, wer Jesus ist. In meinem Land sind alle Kirchen geschlossen, es gibt keine Bibel. Ich habe eine Freundin aus den USA bei Facebook gefunden, sie ist Christin und aktiv in der Kirche. Sie hat mir ein PDF von der Bibel in meiner Muttersprache gemailt. So habe ich Jesus kennengelernt. Danach ist mir etwas Schlimmes passiert. . .

Im Iran gibt es sehr harte Gesetze für jemanden, der an das Christentum glaubt. Man kann nicht frei in der Bibel lesen,

weil man hingerichtet wird.

Ich habe mit meinem Mann über den Glauben gesprochen, wir haben zusammen in der Bibel gelesen. Er glaubt auch an Jesus. Seit sechs Jahren sind wir mit unserer Tochter in Deutschland. Ich wurde in der Evangelischen Gnadenkirche in Bottrop-Eigen getauft, wir haben dort auch noch mal geheiratet. Ich bin glücklich. Hier kann ich Christin sein, hier sind viele Kirchen, ich kann die Bibel lesen, jeden Sonntag in die Kirche gehen.

Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Damit Gott uns Freiheit und Frieden bringt – damit wir leben können wie wir es möchten.“

Nahal Shamkani (32) aus dem Iran hat mit ihrer Familie einige Wochen im Kirchenasyl verbracht. Sie lebt nun in Bottrop, arbeitet in der Gastronomie und engagiert sich in der Evangelischen Kirche.

.

.

.

„Den Glauben zu „begründen“ ist genauso unmöglich, wie man nicht begründen kann, warum man liebt, fühlt, schmeckt...

Warum liebe ich diesen einen Menschen so viel mehr, als alle anderen?

Warum empfinde ich Freude und Trauer, kommen mir die Tränen?

Warum mag ich Spargel gerne und Oliven gar nicht?

Diese Fragen würde keiner stellen.

Es ist so, das ist Leben!

Ich glaube an Gott!Das ist mein Leben!

Lieben und geliebt werden, kann man nur, wenn man sich darauf einlässt.

Schmecken kann man nur, wenn man isst. Fühlen - Freude und Trauer - kann man nur, wenn man erlebt oder zuhört.

Glaube kommt nicht aus dem, was ich über Gott weiß.

Glauben kann ich nur, wenn ich mit Gott in Beziehung bin.

Glauben heißt mit Gott leben:beten,auf Gottes Wort hören, Gott lieben und mich von ihm lieben lassen, vertrauen: auf seine Hilfe, Kraft, Nähe, seinen Frieden und Segen…

Ich „erlebe“ das!

Begründen kann ich es nicht.“

Andrea Velten (55), Hausfrau und aktives Gemeindemitglied aus der Heiligen Familie, Essen-Margarethenhöhe

.

.

.

„Ich glaube an Gott, weil es für mich Sinn ergibt. Ich kann mir eine Welt, in der alles zufällig entstanden sein soll, nicht vorstellen.“

Valentin Manche (21) aus Bochum, Student der Gemeindepädagogik und Diakonie an der Evangelischen Hochschule.

.

.

.

„Ich möchte den Satz nicht damit beginnen, dass ich an „Gott“ glaube. Ja, ich glaube. Ich fühle mich mit der evangelischen Kirche und besonders mit unserer Gemeinde hier vor Ort verbunden. Bei „Gott“ denken jedoch vermutlich viele an einen Mann, der da oben fliegt mit weißem Hemd und weißem Bart. Aber so ist das ja nicht.

Bibeltexte sind Zeugnisse der Erfahrungen, die Menschen mit „Gott“ gemacht haben. So heißt es im Johannesbrief (1. Johannes 4, 16): „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“ Das ist es, was mich bewegt, was mich durchs Leben trägt. Und was ich selbst immer wieder erleben durfte.

„Gott“ ist die Formulierung, die dafür steht, was ich, was viele andere glauben: Das Leben ist stärker als der Tod. In „brenzligen Situationen“ entscheide ich mich für die Liebe, für das Leben. Ganz praktisch betrachtet: Mir ist es wichtig, mit meinen Mitmenschen zu reden, mich ihnen zuzuwenden – auch wenn sie zum Beispiel nicht meine Sprache sprechen –, und so ein freundliches, soziales Umfeld zu schaffen.

Es geht bei meinem Glauben also um Liebe. Liebe zu anderen, aber auch um die Liebe zu sich selbst. Schließlich heißt es bei Markus 12, 31: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Daniela von Bremen (59), Leiterin des Mehrgenerationenhauses und Mitarbeiterin der Integrationsagentur sowie der Evangelischen Kirchengemeinde in Bottrop.

.

.

.

„In unserer Pfarrei St. Matthäus stellen wir in der Reihe ,Gespräch auf dem roten Sofa’ selbst Menschen die Frage ,Warum glaubst Du?’. Insofern ist diese Frage jetzt nicht ganz so unbekannt für mich.

Glaube verstehe ich als Einladung zum ständigen Perspektivwechsel. Das möchte ich an drei Punkten festmachen. Zum einen, dass wir uns selbst und das Leben immer in den Blick nehmen. Es ist ja oft so, dass die Leute eine Meinung haben und sie auch recht heftig vertreten. In letzter Zeit erleben wir das besonders in den sozialen Medien. Dann sollte man sich fragen: Wie kann ich noch einmal eine andere Perspektive einnehmen?

Zum zweiten ist der Glaube auch eine Aufforderung zum Handeln. Gerade im sozialen Bereich, wie bei der Caritas oder zuletzt bei der ,72-Stunden-Aktion’ des Bundes der Katholischen Jugend.

Drittens ist der Glaube, und das ist die Basis, etwas total persönliches, das aber trotzdem nur in Wir-Form gelebt werden kann. Im Austausch mit anderen Gläubigen kommt der Glaube erst richtig in Bewegung. In Bezug zu Gott, und für uns Christen in der Nachfolge Jesus, drückt sich der Glaube in der Gemeinschaft mit anderen wirklich aus.“

Stefan Kemper (57), Mitglied im Diözesanrat des Bistums Essen und Kämmerer der Stadt Altena.

.

.

.

„Ich glaube an Gott, weil die Vorstellung sehr tröstlich ist, dass wir begleitet werden auf all unseren Wegen. Die Gemeinschaft der Christen empfinde ich als Bereicherung.“

Christiane Niesel (35), Verwaltungsangestellte an der Ruhr-Uni Bochum, Vorsitzende des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Bochum-Hiltrop.

.

.

.

.

„Der Großteil meines Glaubens rührt daher, wie ich von meinen Eltern geprägt wurde. Meinem Glauben verdanke ich, dass ich auch schwierige Situationen meistern kann. Ich merke, dass ich an guten Tagen versuche, einen Schuldigen für mein Glück zu finden – sage ich mal so locker. Dass ich denken kann, es gibt jemanden, der das alles vorgeprägt hat.

Wenn ich im Frühjahr die Natur sehe: Da hat sich jemand etwas bei gedacht. Ich meine nicht, dass es jemanden da oben gibt, der Blümchen aufmalt. Aber mir gibt es viel, dass da jemand ist, dem man seine Probleme anvertrauen kann, wenn man gerade niemanden persönlich dafür hat. Und dem man danken kann für alles, was es gibt auf der Welt.“

Anna-Lisa Biggemann (26) leitet den Sozialen Dienst in einem Seniorenheim in Gelsenkirchen-Buer sowie ehrenamtlich Pfadfinder in Essen-Huttrop.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben