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Von Baby-Blues bis Kindermund: ein Essener Mama-Blog

Hilfe bei den Hausaufgaben: auch ein Thema für das Online-Tagebuch. Hier sitzen Barbara Ludwig und ihr Sohn Jannes am Esstisch

Hilfe bei den Hausaufgaben: auch ein Thema für das Online-Tagebuch. Hier sitzen Barbara Ludwig und ihr Sohn Jannes am Esstisch

Foto: Fabian Strauch

Essen.   Das Leben mit Kindern ist lustig, manchmal aber auch anstrengend. Barbara Ludwig schreibt im Internet über beides: schöne und ernste Momente.

Kinder sind das Allerschönste auf der ganzen Welt. Dachte auch Barbara Ludwig. „Wir hatten eine sehr romantische Vorstellung davon. Aber dann waren wir ganz schön überrascht, weil wir nicht erwartet hatten, was auf uns zukam.“ Ob fehlender Schlaf, Baby-Blues oder Probleme beim Stillen, irgendwie war alles ganz anders, als es sich werdende Eltern ausmalen. „Das müssen alle wissen“, dachte sich Barbara Ludwig – und begann, darüber zu schreiben.

In ihrem Blog „Aus dem Kopf“ erzählt sie so manche lustige Geschichte. Ob Wasserpistolen in der Spülmaschine oder niedliche Wortkreationen: „Elternsein birgt eine Menge komisches Potenzial“, sagt die 38-Jährige. Doch nicht alles ist witzig und schon gar nicht perfekt. Auch das ist Thema in ihrem Blog. Wenn sie mal wieder nicht hinterherkommt mit dem Haushalt. Oder die Sorge, dass ihre Söhne Jannes (11) und Mats (9) sich nicht „nach Lehrbuch“ entwickeln. Oder oder oder...

„Ich habe mich damals total veräppelt gefühlt“

„Ich bin kein Ratgeber“, sagt Barbara Ludwig. „Wenn ich Tipps gebe, dann sind das immer meine persönlichen Erfahrungen.“ Und einige dieser Erfahrungen sind sehr persönlich. Da geht es um Dinge, die man vielleicht einer Freundin erzählen würde, einem Bekannten unter Umständen, aber Fremden? Schwer vorstellbar. Doch genau das tut Barbara Ludwig. Etwa wenn sie in ihrem Blog darüber schreibt, dass sie nach der Geburt ihres ersten Sohnes eine postpartale Depression entwickelt hat. „Ich heulte, weil mir einfach alles zu viel war“, steht da. „Weil ich mich gar nicht freuen konnte, jetzt Mutter zu sein. Weil mir mein Baby leid tat, so eine Niete von Mutter gezogen zu haben.“ Und: „Am meisten stresste mich das Stillen. Es wollte einfach überhaupt nicht klappen. Meine ,Milchbar’ nervte, war die meiste Zeit entweder angeschwollen, entzündet oder gleich beides. So was sagt einem ja vorher auch kein Mensch! Was hatte ich mir da bloß eingebrockt?“

Hemmungen, so offen davon zu berichten, hatte sie nicht. „Man muss doch wissen, dass so etwas passieren kann. Ich habe mich damals total veräppelt gefühlt.“ Damit andere besser informiert sind als sie und wissen, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind, schreibt Barbara Ludwig ihre Erfahrungen auf. „Dafür habe ich viel positives Feedback bekommen.“

„Kinder haben auch Persönlichkeitsrechte“

Wenn jemand ihren Blog liest, „dann freue ich mich natürlich“, sagt sie. Auch, wenn es immer mehr Leser werden und sie sich mit Müttern aus der ganzen Welt austauschen kann. Aber vor allem geht es um eins: den Spaß! „Ich kenne Barbara gar nicht anders als schreibend“, sagt ihr Mann Sebastian. Ein Buch will sie mal schreiben, habe sie immer gesagt. Mit Kurzgeschichten vielleicht. Ob es ihm unangenehm ist, dass seine Frau nun Erlebnisse aus ihrem gemeinsamen Alltag veröffentlicht? Im Gegenteil: „Ich finde das super!“, sagt er und ist sogar richtig stolz.

Und die Kinder? Die segnen jeden Text der Mama ab. „Ich schreibe nichts, womit sie nicht einverstanden sind“, das ist Gesetz. Fotos und Namen ihrer Söhne sind in ihrem Blog tabu. „Kinder haben auch Persönlichkeitsrechte.“ Wenn Eltern Babyfotos in sozialen Netzwerken posten, gleicht das für Barbara Ludwig einem Vertrauensbruch. „Das Baby schläft und denkt: Mami passt auf mich auf. Aber die Mami macht ein Foto und stellt es ins Internet.“

Anfangs schrieb die gelernte Buchhändlerin Geschichten auf einen normalen Block, der dann wieder in der Schublade verschwand. Erst seit 2015 veröffentlicht sie ihre Texte auch online. Als der Block zum Blog wurde, da war ihr jüngster Sohn Mats bereits sechs Jahre alt. Natürlich will ein Online-Tagebuch gepflegt werden und das braucht Zeit. „Und die hatte ich nicht“, erzählt Barbara Ludwig. „Ich hatte schließlich zwei kleine Kinder.“ Doch je besser die technischen Möglichkeiten wurden – inzwischen besitzt die Essenerin natürlich ein Smartphone – und je älter die Kinder, desto mehr drängte sich die Idee zu bloggen auf. Das geht jetzt ja von unterwegs und für ein vernünftiges Foto braucht es heute auch keine Profi-Ausrüstung mehr.

Etwa fünf Stunden pro Woche verbringt Barbara Ludwig auf ihrer Website und in den sozialen Medien, beantwortet Kommentare und erzählt Anekdoten aus ihrem Alltag. Die übrige Zeit arbeitet sie als Sachbearbeiterin oder kommt ihrer Hauptberufung nach: dem Muttersein. Frühstück machen, Schulbrote schmieren, bei den Hausaufgaben helfen… „Zeit zum Bloggen habe ich nur abends oder in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit“, sagt sie. Ein bisschen Geld verdient sie damit auch schon. „Aber um davon leben zu können, müsste ich viel mehr posten.“ Doch der Preis ist Barbara Ludwig zu hoch. „Wenn ich den ganzen Tag am Smartphone hänge, habe ich keine Zeit mehr für die Familie. Und dann gibt’s auch nichts zu erzählen.“

Auch auf Facebook, Instagram, Twitter

Doch ein Fragezeichen ist da noch: Warum heißt der Blog eigentlich „Aus dem Kopf“? Ist doch klar, findet Barbara Ludwig: „Als Mutter hat man immer viel im Kopf. Damit ich die Sachen ,aus dem Kopf‘ habe, schreibe ich sie auf.“ Die wichtigen Dinge, wie Arzttermine, kommen auf kleine Zettelchen. Die lustigen und interessanten landen im Blog.

Nachlesen kann man die Geschichten unter www.aus-dem-kopf.de, Fotos und kleine Schnipsel aus dem Familienleben der Ludwigs gibt es außerdem bei Facebook, Instagram und Twitter.

>>> ANDERE MÜTTER HABEN AUCH SCHÖNE BLOGS

Der Blog Stadt Land Mama (www.stadtlandmama.de) beleuchtet das Familienleben aus zwei Perspektiven: Die Landmama Lisa erzählt von ihrem Leben mit Mann, drei Kindern und Tieren im Bergischen. Katharina wohnt mit Mann und drei Kindern in Berlin. Die beiden gibt es auch bei Facebook, Twitter und Instagram.

Daniela aus Lüneburg schreibt Geschichten über das Leben in einer Regenbogenfamilie: Die umfasst zwei Mütter, Kind und Hund. Unter der Rubrik „Regenbogenfamilien erzählen“ kommen im Blog Siebenkilopaket (www.siebenkilopaket.de) außerdem gleichgeschlechtliche Paare aus NRW zu Wort. Ebenfalls zu finden bei Facebook und Instagram.

Auch die Männer melden sich zu Wort: Im Blog Ich bin dein Vater (www.ichbindeinvater.de) erzählen drei Väter aus Köln von alltäglichen Glücks- und Stressmomenten in ihren Familien. Außerdem bei Facebook, Instagram, Twitter (ichbindeinvadda). Sie produzieren zusätzlich einen Vater-Podcast, in dem sie über Familienthemen sprechen.

Über das nachhaltige Leben in einer Großfamilie, in der Natur, und das mitten im Ruhrgebiet schreibt Alexandra auf ihrem Blog Reges Leben (www.regesleben.com). Neben Geschichten aus dem Alltag sind dort zu finden: Rezepte, Basteltipps und Geschenkideen. All das gibt es auch bei Facebook und Insta­gram.

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