Verstecke

Vom Suchen und Finden – von einem Euro bis zur großen Liebe

Gefunden! Aber dafür muss man sich zunächst auch suchen – oder sich zumindest finden lassen, so der Psychologe. Erst dann hat die große Liebe eine Chance.

Gefunden! Aber dafür muss man sich zunächst auch suchen – oder sich zumindest finden lassen, so der Psychologe. Erst dann hat die große Liebe eine Chance.

Foto: imago stock

Köln.   Psychologe Jens Förster erklärt, warum uns das Finden so erfreut. Und ob der Spruch „Wer suchet, der findet“ in der Liebe und im Beruf stimmt.

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Wer ein Osterei findet, einen Euro auf der Straße, freut sich – selbst, wenn er eigentlich Geld genug verdient, um sich zig Eier zu kaufen. Der Psychologe Jens Förster (54) aus Köln spricht über die Freude am Finden.

Warum macht es uns glücklich, wenn wir ein Osterei finden oder einen Euro auf der Straße?

Jens Förster: Das Unerwartete daran macht uns vielleicht nicht gleich glücklich, aber man freut sich. Nur wenn etwas unerwartet ist, ist es ja eine Überraschung und wir lieben positive Überraschungen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Wert des Funds und der Freude? Ist man zufriedener, wenn man zehn statt einen Euro findet?

Der Effekt der Überraschung ist fast unabhängig davon, das ist sicherlich eine Erinnerung an die Kindheit, ein kindliches Gefühl, wenn wir uns über kleine Dinge wie einen Osterhasen oder einen Euro freuen. Klar ist ein 10-Euro-Schein wertvoller als ein Euro. Ich denke aber, dass irgendwann die Stimmung kippt – so ab 50 Euro stellt sich zusätzlich ein schlechtes Gewissen ein, wenn man das Geld behalten will, muss man überlegen, wo man es hinbringt. Dann verliert die Sache ihre kindliche Unschuld und dann wird es wahrscheinlich stressig.

Oder ist es gar nicht das Finden, sondern der Prozess des Suchens, der uns erfüllt?

Kommt drauf an. Shoppen gehen ist an sich für viele Leute ein Spaß und viele schauen sich auch gerne Wohnungen an, ohne etwas kaufen zu müssen. Aber wenn ich zuhause den Hammer suche, weil ich ihn irgendwo im Keller vermute, dann ist Suchen stressig. Und wenn ich dringend etwas finden muss, macht das Druck, der nicht angenehm ist. Ich erinnere mich noch daran, dass meine Oma einmal die Ostereier zu gut versteckt hatte und nach zehn Minuten Frust fing ich dann furchtbar an zu weinen. . . Also irgendwann will man tatsächlich nach dem Suchen auch etwas finden.

Wer suchet, der findet. Was ist dran an dieser Redensart?

Bei vielen Klientinnen sage ich: „Wenn Sie zuhause darauf warten, dass der Traumprinz vorbeikommt, dann werden Sie lange warten. . .“ Man muss sich schon ab und zu zeigen und dem Zufall nachhelfen. Im Coaching entwickeln wir zusammen Strategien, wo man suchen kann und ob das vom Stil her zu einem passt. Genauso wie im Beruf: Wenn man sich nicht bemerkbar macht, dann wird man auch nicht entdeckt. Man muss auch anderen die Möglichkeit geben, einen zu finden. Daher sind Dating- und Job-Networks wie Parship oder Xing gar nicht so schlecht. Und wenn das nicht zu einem passt, dann muss man sich halt öfter mal in Cafés, Theatern oder in Clubs tummeln oder auf Konferenzen oder Tagungen gehen. Aktivität zahlt sich aus.

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