Technik

Viele scheitern am Kauderwelsch der Bedienungsanleitungen

„Die Druckformatvorlage eines Dokuments mit der Druckformatvorlage einer Dokumentenvorlage verbinden.“ Selbst mit einem Doktortitel dürfte man an solchen Anleitungen scheitern.

„Die Druckformatvorlage eines Dokuments mit der Druckformatvorlage einer Dokumentenvorlage verbinden.“ Selbst mit einem Doktortitel dürfte man an solchen Anleitungen scheitern.

Foto: Dirk Bauer

Essen.   Schlecht übersetzt, kompliziert geschrieben – Deutsche ärgern sich über unverständliche Bedienungsanleitungen. Große Unternehmen reagieren.

„Slippel A kaum abbiegen und verklappen in Gegenstippel B fuer Illumination.“ Natürlich, wie auch sonst sollte man sie in den nächsten Wochen zum Leuchten bringen, die „elektrifizierte Weihnachtskerze“ aus Fernost. Und einmal in der richtigen Stimmung, kann man dann auch gleich die Weihnachtspost am heimischen Computer erledigen. Dafür muss man nur „die Druckformatvorlage eines Dokuments mit der Druckformatvorlage einer Dokumentenvorlage verbinden“. Anschließend kann man dann bei Musik entspannen. Sofern man beherzigt, was der Hersteller rät: „Setzen sie das stereo Kopfphon in Kopfphon Wagenwinde ein, die Macht ist an, sonst ist die Macht ab“. Und nichts ist zu hören. Ist doch klar.

Ja, das klingt lustig. Bis man selber den Drucker anschließen will. Oder mit dem neuen Handy die erste Nachricht versenden möchte. Dann tut sich laut einer Umfrage des Apothekenmagazins „Senioren Ratgeber“ die Hälfte der Bundesbürger schwer mit Bedienungsanleitungen von modernen Elektrogeräten. „Unübersichtlich oder unvollständig, schlecht erklärt oder voller Fachbegriffe“, schimpfen sie. Horst-Henning Kleiner nickt, er kennt solche Vorwürfe.

Seit mehr als zehn Jahren bildet der Geschäftsführer der Dortmunder Firma tec­team technische Redakteure aus. Menschen also, die Bedienungsanleitungen schreiben. Sie versuchen dann zu erklären, wie man den Sendersuchlauf am Fernseher startet oder den Internet-Router einrichtet. Um im letzteren Fall zu verhindern, dass man das Gerät durch die geschlossene Fensterscheibe wirft, weil sich einem nicht erschließt, dass eine „individuelle SSID und die Verschlüsselung WPA/WPA2 mit Preshared Key voreingestellt“ sind. Und man nicht weiß, ob der eigene W-Lan-Adapter eine „WPA2-Verschlüsselung unterstützt“.

Vieles sei besser geworden, findet Kleiner. Wohl auch weil immer mehr Unternehmen merken, dass kaum etwas die Kunden so verärgert, wie eine Bedienungsanleitung, die sie nicht verstehen. „Einige Discounter haben deshalb eigene Firmen gegründet, in denen sie technische Redakteure beschäftigen“, weiß Volker Granacher, der bei tecteam zuständig ist für das Marketing und den Vertrieb. Mit Erfolg. „Die machen ganz gute Bedienungsanleitungen.“

Eine vernünftige Gebrauchsanweisung wird immer wichtiger

Überhaupt wird eine vernünftige Gebrauchsanweisung immer wichtiger. Längst fließt sie bei Bewertungen der Stiftung Warentest in die Beurteilung eines Produktes mit ein und schon seit Jahren raten Verbraucherschützer zur Reklamation, falls sich ein technisches Gerät wegen unverständlicher Bedienungsanleitung nicht richtig nutzen lässt. Für Kleiner der richtige Weg. Vor allem der Verbraucher habe die Macht, die Qualität der Gebrauchsanweisungen zu verbessern. „Der Druck muss vom Markt her kommen.“ Oder vom Gesetzgeber.

Wie etwa in den USA. Dort sind die Bedienungsanleitungen der Produkte oft verständlicher und stecken aus Angst vor Schadensersatzforderungen der Kundschaft voller Warnungen. Was auch zu Merkwürdigkeiten führen kann, wie der Beipackzettel zu einem Superman-Kostüm zeigt. „Achtung“, ist da zu lesen, „diese Bekleidung verleiht nicht die Fähigkeit zu fliegen.“

Programme übersetzen die Anleitungen

Auch die EU achtet darauf, ob eine Bedienungsanleitung so geschrieben ist, dass alle „sicherheitsrelevanten Aspekte berücksichtigt werden“. „Ansonsten allerdings wird kaum eingegriffen“, weiß Kleiner. Erschwerend kommt hinzu, dass das Internet den Kauf über Grenzen hinweg zum Kinderspiel macht – Bedienungsanleitung aus dem Übersetzungsprogramm inklusive. Was am Ende zu Sätzen führt wie: „Klamer C in Sacco oder Jacke von Lebenspartner einfraesen und laecheln fuer Erfolg.“ Aber auch nur dann.

Doch auch in Deutschland gibt es noch einiges zu tun. „Die Produkte werden ja immer komplexer“, sagt Granacher. Kleiner mahnt aus diesem Grund: „Vor dem Kauf prüfen, was man wirklich braucht.“ Soll heißen: Es muss kein Handy mit Highspeed-Verbindungen über WLAN, EDGE und Unterstützung für UMTS mit HSDPA sowie 5-Megapixel-Kamera sein, wenn man nur ab und zu unterwegs erreichbar sein will. Falls man mehr möchte, wird es schwierig. „Ab einem gewissen Level“, hat Granacher festgestellt, „muss beim Nutzer ein gewisses technisches Grundverständnis vorhanden sein. Sonst hilft auch die beste Anleitung nicht weiter.“

Man bräuchte eine Anleitung für junge und eine für ältere Nutzer

„Im Grunde“, macht sich auch Kleiner nichts vor, „müsste man bei jedem Produkt eine Anleitung für junge und eine für ältere Nutzer schreiben. Aber das ist wirtschaftlich natürlich nicht darstellbar.“ Denn am Ende der Tages ist das Budget für eine Bedienungsanleitung bei den meisten Firmen „doch nicht so hoch“, wie es sich Kleiner und Kollegen wünschen.

So kommt es doch wieder auf die Fähigkeiten des Verfassers an. „Kurze Sätze, präzise Formulierungen“, gibt der tecteam-Chef seinen Auszubildenden mit auf den Weg. Und vor allem den Satz: „Halten sie es so einfach wie möglich.“ Gerne auch mit Hilfe von Grafiken und Bildern. Die sind nicht nur anschaulich, sie müssen auch nicht in andere Sprachen übersetzt werden.

Junge Leute schauen sich Video- Anleitungen an

Gute Schreibe und Zeichenkünste allein könnten dennoch bald schon zu wenig sein für den technischen Redakteur der Zukunft. „Vor allem junge Leute schauen sich immer öfter Videos bei Youtube an, in denen jemand erklärt, wie man den neuen Kaffeeautomaten anschließt oder den Festplatten-Recorder programmiert.“ Würde wahrscheinlich auch vielen Senioren helfen – sofern ihnen jemand zeigt, wie sie in das Videoportal kommen.

Manchmal aber sagt ein Satz mehr als viele Bilder. Der Hersteller eines Weihnachtslichtes aus China fasst sich jedenfalls kurz und verständlich in seiner Anleitung: „Auspack und freu.“

>> TECHNISCHE REDAKTEURE GESUCHT

In Deutschland sind derzeit rund 85 000 technische Redakteure beschäftigt. Die Nachfrage nach ihnen ist hoch.

Qualifikationen zum Technischen Redakteur können über ein entsprechendes Hochschulstudium, über Fortbildungen und über Umschulungen erlangt werden.

Infos unter www.tekom.de und www.tecteam.de

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