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Straßenmalerin Marion Ruthardt: Die Kunst der Täuschung

Künstlerin und Straßenmalerin Marion Ruthardt.

Künstlerin und Straßenmalerin Marion Ruthardt.

Foto: Ruthardt

An Rhein und Ruhr.  Die Kunstwerke der Duisburger Straßenmalerin Marion Ruthardt begeistern und verwirren. Die aufwendigen 3D-Werke malt sie auf der ganzen Welt.

Und plötzlich ist da ein Abgrund. Der Asphalt der Straße ist gesplittert, ein großes Loch klafft auf. Die Autos, die vorher noch auf der Straße zu fuhren schienen, stürzen im 90-Grad-Winkel in die Tiefe. Wer Marion Ruthardt und ihre Werke kennt, der weiß, dass bei einer solchen Szenerie keine wirkliche Gefahr besteht. Der Abgrund und die stürzenden Autos sind auf den Boden gemalt. So täuschend echt, dass Beobachter zweimal hinschauen müssen.

Marion Ruthardt ist Künstlerin. Ihre Werke - die meisten davon in täuschend echter 3D-Optik - mittlerweile auf der ganzen Welt zu finden. „Eigentlich war ich klassische Straßenmalerin“, erklärt sie. „Mittlerweile arbeite ich hauptsächlich als 3D-Malerin.“ Marion Ruthardt bezeichnet sich als Street-Artist, also Straßenkünstlerin. Gemalt hat die Künstlerin, die in Duisburg geboren wurde, schon als Kind. Ihr Vater wollte, dass sie Betriebswirtschaft studiert. Die Kunst blieb lange Zeit ein aufwändig betriebenes Hobby.

Marion Ruthardt: Dauergast beim Straßenmaler-Festival in Geldern

Aber dann besuchte Marion Ruthardt vor Jahren erstmals das Straßenmaler-Festival im Geldern – „nur so zum Spaß“, wie sie heute sagt. Das Talent der Künstlerin wurde schnell erkannt, in den darauffolgenden Jahren ist sie immer wieder zu Gast. Das Hobby wurde zum Beruf. Obwohl Marion Ruthardt am liebsten klassische Kunstwerke malt, lebt sie mittlerweile von ihren 3D-Bildern. Lesen Sie auch: Duisburgerin malt mit beim weltgrößten Straßenbild in 3D

Die meisten davon sind Auftragsarbeiten. „In einem normalen Jahr habe ich 20 bis 25 Aufträge“, erklärt sie. Agenturen und Festivals, Einkaufszentren und Freizeitparks fragen sie regelmäßig an. In Duisburg, in ganz Deutschland und auf der ganzen Welt. Sogar in Moskau und Florida war Marion Ruthardt schon künstlerisch aktiv.

Die Ideen für ihre Bilder entstehen ganz unterschiedlich. „Entweder ich habe sofort einen Geistesblitz oder es dauert einige Wochen“, erklärt sie. Und: „Es kommt darauf an, ob die Auftraggeber etwas vorgeben.“ Zunächst fertigt Marion Ruthardt eine Skizze vom gewünschten Motiv auf dem Papier an, anschließend bringt sie das Werk auf den Asphalt. Das dauert je nach Größe rund drei bis vier Tage. Wichtig sei, dass die Motive eine Tiefe haben, damit der 3D-Effekt wirkt. Auch interessant: Duisburg – Corona bremst Straßenmalerin Marion Ruthardt nicht

Marion Ruthardt: Künstlerin steht im Guinness-Buch der Rekorde

Ein Blick in Marion Ruthardts Archiv zeigt, welche optischen Täuschungen möglich sind. Vom Surfen auf dem Wasserfall bis hin zum Riesenhai, der den Asphalt durchbricht und nach oben auftaucht. Letzteres ist ein 2000 Quadratmeter großes Werk, dass Ruthardt mit anderen Künstlern in Florida realisiert hat. Das Bild brachte ihr und ihren Kollegen einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für das größte Kunstwerk dieser Art. Eine Auszeichnung, die Marion Ruthardt nicht zum ersten Mal bekam.

Eine Besonderheit bei Marion Ruthardts Werken: Der 3D-Effekt und die damit einhergehende optische Täuschung sind nur aus einem bestimmten Blickwinkel zu erkennen. „Viele Zuschauer sind im ersten Moment verwirrt“, erklärt Marion Ruthardt lachend. Ihre Werke sind während des Entstehungsprozesses nicht als solche zu erkennen. „Da fragen viele: ‘Was soll das denn sein?’“ Der Künstlerin macht es Spaß zu beobachten, wie Zuschauer auf die optische Täuschung hereinfallen.

Street-Art: Konkurrenzdenken ist fehl am Platz

Mit gleichgesinnten Künstlern hat Marion Ruthardt schon oft zusammengearbeitet. „Wir sehen uns als Street-Art-Familie“, erklärt sie. Konkurrenzdenken - auch bei Wettbewerben - sei für die Künstler kein Thema. „Bei Wettbewerben haben wir den Deal, dass es für den ersten Preis einen Blumentopf statt Preisgeld gibt“, erklärt die Künstlerin. „Sonst wird die Atmosphäre ganz schnell komisch.“ Es sei der Spaß an der Sache, der die Künstler tagtäglich motiviert.

Und Corona? „Ich hatte Glück“, erklärt Marion Ruthardt. Zwar sind auch ihr Aufträge verloren gegangen - durch die Corona-Bestimmungen waren Reisen nicht möglich, die meisten Festivals und Veranstaltungen wurden abgesagt - aber: „Ich habe viel Fassadenmalerei gemacht, ohne viele Zuschauer“, sagt sie. Manchmal bietet sie auch Kunst-Workshops an - „am liebsten male ich aber selber“, sagt sie lächelnd. Und das tut sie. Wenn in Zukunft also ein großes Loch auf einer Straße oder einem Patz auftauchen sollte, könnte Marion Ruthardt dahinterstecken.

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