Das rät der Experte

Soll man zusammenbleiben nur wegen der Kinder?

Blöde Situation: Wegen Kindern oder Kosten bleibt ein Paar, das sich längst getrennt hat, auf unbestimmte Zeit unter einem Dach wohnen. Keine gute Idee...

Blöde Situation: Wegen Kindern oder Kosten bleibt ein Paar, das sich längst getrennt hat, auf unbestimmte Zeit unter einem Dach wohnen. Keine gute Idee...

Foto: Charday Penn / Getty Images/iStockphoto

Essen.  Die Liebe ist erloschen, die Trennung beschlossen – trotzdem bleiben viele Paare zusammen. Wegen der Kinder! Das sagt der Experte...

Kommt ein sehr altes Ehepaar, seit über 60 Jahren verheiratet, zur Paarberatung. Sie wollen sich scheiden lassen. „Warum denn jetzt noch so spät, in ihrem Alter?“, fragt der Therapeut. „Ach na ja, wissen Sie – wir wollten warten, bis die Kinder tot sind...“

Ein böser Witz, den Familientherapeut Björn Enno Hermans (43) in seiner Essener Praxis manchmal Paaren erzählt, die nur der Kinder wegen zusammenbleiben. Weil sie es nicht übers Herz bringen, reinen Tisch zu machen, um die lieben Kleinen zu schonen – für Hermans nochmal eine Verschärfung zum getrennt Zusammenleben unter einem Dach.

Falsch verstandene Rücksichtnahme

„Das ist falsch verstandene Rücksichtnahme und nicht gut fürs Kind, weil es unauthentisch ist und nicht zuletzt eine Täuschung darstellt.“ Wenn es der Nachwuchs nicht sowieso selbst mitbekommt. Hermans: „Ein Kind würde spätestens, wenn es im Nachhinein die Wahrheit erfährt, Vorwürfe äußern, da es die ursprünglich positive Absicht der Eltern nicht unmittelbar wahrnehmen kann.“

Der Therapeut nimmt die Erwachsenen in die Pflicht: „Paare trennen sich, aber Eltern bleibt man ein Leben lang.“ Priorität: den Rosenkrieg zu verhindern. „Wenn hochstrittige Paare ihre Kinder instrumentalisieren, entstehen bei denen Loyalitätskonflikte.“ Kinder sollten nicht glauben, für die emotionale Stabilität der Eltern die Verantwortung übernehmen zu müssen. „Deshalb müssen Eltern, was die schwierigste Aufgabe in einer ohnehin schwierigen Situation ist, gemeinsam Verantwortung übernehmen“, sagt der Experte.

Wenn gar nichts mehr geht, weil die emotionalen Verletzungen und Kränkungen zu tief gehend sind, sollte eine neutrale dritte Person im Rahmen einer Beratung oder Mediation um Vermittlung hinzugebeten werden. Hermans: „Sonst muss es gerichtlich geklärt werden. Das ist nicht nur teuer, sondern häufig auch belastender für alle Beteiligten.“

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