Schmuck

Schmuckstücke, die ans Herz gewachsen sind

Ein gutes Stück, das an die nächste Generation weitergegeben wird: Enkelin Melina hält die Rubinkette ihrer Urgroßmutter Ruth in der Hand.

Foto: Lars Heidrich

Ein gutes Stück, das an die nächste Generation weitergegeben wird: Enkelin Melina hält die Rubinkette ihrer Urgroßmutter Ruth in der Hand. Foto: Lars Heidrich

Oberhausen/Hagen.   Der ideele Wert eines Schmuckstücks ist oft größer als der materielle. An Renate Lichtendahls Kette hängt die Liebesgeschichte ihrer Eltern.

Die Geschichte der roten Rubinkette von Renate Lichtendahl ist schon drehbuchreif. Sie beginnt vor knapp 80 Jahren fast wie eine heiter-unbeschwerte Liebeskomödie, wurde zwischenzeitlich zum Drama und setzt sich bis heute in Serie fort. Blicken wir zurück . . .

Hagen, Sommer 1938: Gerta, die spätere Tante, ist verliebt in einen gewissen Herrn Mronz. Das Problem: „Die beiden waren 15 und 16 Jahre alt. Das ist ein Alter, in dem man damals noch viel weniger als heute gerne gesehen hat, wenn die Töchter sich mit den Jungs rumtrieben“, erzählt die Oberhausenerin Renate Lichtendahl und muss lächeln. Was bedeutete: Wenn Gerta das Haus verließ, dann nur in der Begleitung ihrer Schwester Ruth. „Meine Mutter sollte natürlich den Anstandswauwau spielen.“

Nun sind Teenager ja nicht erst seit gestern erfinderisch, wenn es um die Umgehung von Regeln geht. Und da war auch besagter Herr Mronz recht kreativ, zumal er einen Freund namens Kurt hatte. Zu dem sagte er: „Mensch, Kurt, die Ruth muss irgendwie beschäftigt werden, damit ich mit der Gerta gehen kann.“ Und so trafen sich Ruth und Kurt. „Ein Blick, ein Verlieben, es geht manchmal eben so.“ Und während die Eltern noch versuchten, die eine Tochter möglichst von ihrem Freund fernzuhalten, hatten plötzlich beide Töchter einen Freund.

Die Liebe zwischen beiden war sehr schnell vollkommen entflammt. „Mein Vater war dann so verschossen in meine Mutter, dass er seine Lehrlingsgehälter gespart und gespart hat. Die waren ja damals auch nicht so üppig, ein Teil musste auch noch zu Hause abgegeben werden. Er hat dann jeden Pfennig zusammengekratzt. Und als meine Mutter dann im Januar 1939 ihren 17. Geburtstag feierte, hat er ihr dieses Rubinkettchen geschenkt.“

So romantisch wie im Film

So hübsch und so romantisch wäre dieser Film, dass man eigentlich jetzt schon abblenden könnte, wenn es nicht noch dramatische Wendungen gegeben hätte.

September 1939, der Zweite Weltkrieg bricht aus. Er reißt das frischverliebte Paar auseinander. „Meine Mutter machte zu Hause in Hagen das Abitur. Mein Vater wurde recht zügig in den Osten verfrachtet. Und meine Oma, die die ganze Sachen irgendwann spitzgekriegt hatte, hat sämtliche Briefe abgefangen und versucht, jeden Kontakt zu unterbinden.“ Mit Erfolg: Unser Paar ist nicht nur räumlich getrennt, es verliert sich vollkommen aus den Augen.

Tatsächlich dachte die Oma mütterlicherseits wohl, dass der Freund ihrer Tochter nicht gut genug sei. „Die Familie meiner Mutter war eher, was man Großbürgertum nannte. Und die Familie meines Vaters, das waren einfache Arbeiter. Das passte dann nicht so ins Bild. Man stellte sich für die Tochter eine bessere Partie vor.“ Und fand sie, vermeintlich: Ein neuer Verlobter trat auf den Plan, der Ruth von Hagen wegbrachte.

Er floh in die alte Heimat nach Hagen

Kurt, als einer der Letzten verwundet aus Stalingrad abtransportiert, hing in Ostdeutschland fest. Noch schlimmer: Er heiratete dort, gründete eine Familie. Seine Frau hatte einen Gutshof. „Aber wie es in der sowjetischen Besatzungszone war: Der Gutshof wurde verstaatlicht, alle Bemühungen, ihn zu halten, waren vergebens. Die Bemühungen meines Vaters führten dazu, dass er bei den entsprechenden Stellen nicht mehr so gut angesehen war. Und die Ehe funktionierte auch nicht mehr recht. So dass er bei Nacht und Nebel dort seine Sachen gepackt hat und in die alte Heimat nach Hagen geflohen ist.“

Ruth hatte den Krieg vergleichsweise unbeschadet überstanden, aber in Liebesdingen lief es auch nicht gerade gut: Die Verlobung ging schief, auch sie kehrte zurück …

Nach dem Happy End geht es weiter

1948: Zehn Jahre nach ihrem ersten Stelldichein laufen sich die beiden über den Weg. „Es war genau wie beim ersten Treffen: Man sah sich, war wieder genauso verliebt wie am Anfang – und hat im Januar 1949 geheiratet.“ Happy End, abblenden… Haaalt! Stop!

Es ist ja noch ein bisschen was nach dem Happy End passiert, sonst gäbe es heute keine Renate Lichtendahl. Die kam 1954 zur Welt. Und ihre Eltern lebten traulich zusammen bis zum Tod des Vaters.

Aber was ist mit der Rubinkette? Die wurde zum Familienerbstück. „Der Rubin hat eine tolle Farbe. Ich weiß gar nicht, ob es ein synthetischer oder ein echter ist, aber das tut ja auch nichts zur Sache, man war ja damals durchaus stolz darauf, dass man solche Steine künstlich herstellen konnte.“

Alles wurde gestohlen, nur die Kette nicht

Dass ihre Mutter die Kette während der fast zehnjährigen Funkstille in Ehren hielt, zeigt, wie wichtig ihr die Beziehung zu Kurt war. Und es ist nur dem Zufall zu verdanken, dass sie das Schmuckstück behielt: Auf dem Weg zurück nach Hagen wurde Ruth nämlich damals das ganze Gepäck gestohlen, aber die Kette hatte sie nicht darin.

Genau wie ihre Mutter hat Renate Lichtendahl das feine Kettchen nur zu besonderen Anlässen und Familienfeiern getragen, zu filigran ist die eigentliche Silberkette. Und sie soll ja auch nicht kaputtgehen. Gerade zum vergangenen Weihnachtsfest wurde die Kette weitergegeben an Renate Lichtendahls Enkelin Melina, die Tochter ihre Sohnes. Und die 14-Jährige hat sie erst ein einziges Mal getragen, zur Konfirmation etwas früher im Jahr. Wenn alles gut geht, dann wandert die Kette eines Tages weiter an die nächste Generation der Lichtendahls und hat dann ein Jahrhundert überdauert. Abblende, Ende.

Hildegard Elsen fand ein Kreuz im Schnee

Kostbar sieht dieses Kreuz nicht aus. „Für mich ist es aber sehr wertvoll“, sagt Hildegard Elsen. Auf ihrem Schulweg vor rund 70 Jahren sah sie es im Schnee am Wegesrand rot schimmern. Seitdem ist der Anhänger ihr ständiger Begleiter.

An ihrer Konfirmation wollte sie das Kreuz so gern an einer Kette tragen. Aber daran war nicht zu denken, im Nachkriegsjahr 1948. Und auch heute trägt die 83-Jährige ihr liebstes Schmuckstück nicht um den Hals, sondern meist im Portmonee.

„Der Anhänger ist nicht aus Gold oder Silber“, erzählt die Bochumerin. „Aber er war mit kleinen roten Steinen besetzt. Man nannte sie Granatsplitter.“ Nach und nach hat sie ein Steinchen nach dem nächsten verloren. Und auch den Anhänger selbst musste sie schon so manches Mal suchen.

Zum Glück hatte sie ihn bisher immer nur verlegt oder aus der Geldbörse in die Hosentasche gesteckt und sich nicht sofort daran erinnert. „Aber ich bin nie aus dem Haus gegangen, ohne das Kreuz bei mir zu haben.“

Der Anhänger ist ihr Glücksbringer. Wenn sie lange Autofahrten unternommen hat und es dabei Situationen gab, in denen etwas hätte schiefgehen können, dann freute sich Hildegard Elsen, dass am Ende alles gut war. Immer hat sie auf ihr Kreuz vertraut. „Ich denke, dass es mir oft geholfen hat.“

Judith Markoc trägt die Uhr der Oma nun an den Fingern

Sie waren ein Herz und eine Seele, wie das alte Foto zeigt: Vertrauensvoll kuschelt sich die kleine Judith an ihre Großmutter. „Sie war so eine liebevolle Oma“, sagt Judith Markoc heute. Wenn sie sich sahen, was oft geschah, denn: „Sie wohnte direkt nebenan.“ Dann trug ihre Oma Agnes Peter in Essen-Borbeck natürlich auch eine Armbanduhr, so die 34-Jährige. „Wir haben viel Zeit zusammen verbracht.“ Doch dann starb die Mutter ihres Vaters. Zurück blieb der Schmuck, darunter die goldene Uhr.

Ein Erinnerungsstück an die geliebte Oma, das wünschte sich die Enkelin sehr. „Aber ich trage sonst nur Silber.“ Bei ihrer Tante entdeckte sie einen ungewöhnlichen Ring, der nicht nur auf einen Finger gesteckt wurde, sondern gleich auf zwei. So einen wollte die Abiturientin auch haben. Schließlich ging ihre Mutter mit ihr zum Juwelier. Zusammen überlegten sie, wie sie die Uhr verwandeln könnten. Der Juwelier schmolz das Gold ein, formte daraus einen Ring und überzog ihn mit einer kleinen Schicht Weißgold. Schlicht und stilvoll wirkt das Schmuckstück. Ein wenig glitzern sollte es aber auch. Und so steuerte ihre Mutter noch etwas bei: den kleinen „Brilli“ aus dem Verlobungsring.

Die Rechtshänderin Judith Markoc trägt den Ring an der linken Hand, auf Ring- und Mittelfinger. Ist das denn bequem? „Das stört gar nicht. Die beiden Finger macht man eh nicht auseinander.“

Die Eltern schenkten ihr den Ring zum Abitur. Seitdem trägt Judith Markoc ihn zu besonderen Anlässen. Dann ist ihre geliebte Oma immer ein bisschen bei ihr. „Es ist eine wundervolle Erinnerung.“

Hannelore Sartingen und ihr Muschel-Ring:

Hannelore Sartingen aus Duisburg hat uns geschrieben: „Vor einigen Jahren kaufte ich auf dem Markt ein Kilo Miesmuscheln. Mein Mann hatte von einem italienischen Koch ein neues Rezept bekommen. Nun brannte er darauf, es auszuprobieren. Abends, als alles fertig war, dekorierte er den Tisch feierlich, und wir machten uns über die Müschelchen her. Plötzlich hatte ich etwas Knochenähnliches im Mund. Erschreckt spuckte ich alles in die Serviette und siehe da, es war eine schwarze Perle dabei.

Leider war es nur eine halbe Perle, aber die runde Oberfläche glänzte wunderschön. Mein Mann besah sie sich und meinte: „Gehe doch mal zu einem Juwelier, vielleicht ist sie ja etwas wert. Wer hat denn in einer Miesmuschel schon mal eine Perle entdeckt, und wenn es auch nur eine halbe ist.“

Der Juwelier lachte, als ich ihm die Perle zeigte. „Ja, wenn sie ganz wäre“, sagte er, „aber mit einer halben Perle kann man nichts machen.“ Aber da kannte er meinen Mann nicht.

Zufällig hatte ich kurz vorher aus einem Ring mit Süßwasser-Perlen eine verloren. Genau in den Ausschnitt setzte mir mein Mann die halbe schwarze Perle. Es sieht richtig edel aus. Und wer hat schon einen Ring mit einer – halben – schwarzen Perle vom Hamborner Markt.“

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