Schlösser

Schloss Berge – Ein großer Park lädt zum Flanieren ein

Der Zugang zum Restaurant und Hotel von Schloss Berge führt über eine Brücke.

Foto: Kai Kitschenberg

Der Zugang zum Restaurant und Hotel von Schloss Berge führt über eine Brücke. Foto: Kai Kitschenberg

Gelsenkirchen.   Das Gelsenkirchener Schloss Berge vermählt ein historisches Äußeres mit moderner Gastronomie. Ein Hingucker ist auch der große Park.

Den Berger See und seine Umgebung in Gelsenkirchen-Buer kann man heute schlecht noch als Geheimtipp verkaufen, dafür ist es als Naherholungsgebiet zu exponiert im Norden der Stadt gelegen, unweit der Schalker Arena. Und Schloss Berge spielt seit umfassenden Sanierungsarbeiten in den Jahren 2002 bis 2004 als Hotel für den gehobenen Anspruch auch in der ersten Gastro- und Hotel-Liga.

Wer genau hier absteigt, darüber äußert sich Geschäftsführer Klaus Geißler freilich nur recht vage, schließlich gilt es, ein gewisses Maß an Diskretion zu wahren. Selbst bei den historischen Übernachtungsgästen, die noch zu Adelszeiten hier untergekommen sein sollen, äußert er leise Zweifel, weder Napoleon noch Marschall Blücher will er bestätigen – klar, er war ja auch nicht persönlich dabei. Aber immerhin so viel verrät der Gastronom über die Jetztzeit: „Wir haben natürlich hier auch mit Schalke zu tun, hier übernachten ja öfter die Fifa-Schiedsrichter. Verantwortliche oder Mitglieder von Gastvereinen sind auch oft zu Gast“, so Geißler.

Über neun Doppelzimmer und zwei Suiten verfügt Schloss Berge, hinzu kommen acht Festsäle und Salons, die klangvolle Namen tragen wie „Graf von Limburg“, „Fürstin von Bretzenheim“ oder „Styna von Eickel“, historische Persönlichkeiten aus der Geschichte von Berge. Letztgenannte Christina „Styna“ von Eickel nahm mit ihrem Ehemann, dem Schlossherren, ein tragisches Ende. Sie wurden wegen einer Erbstreitigkeit mit Dietrichs Bruder Jürgen im Jahr 1478 während einer Schlittenfahrt erschlagen – auf dem Weg zum Gottesdienst.

Zur Zeit dieser Gräueltat blickte Berge jedoch schon auf mehr als 200 Jahre zurück, zum ersten Mal wird es erwähnt 1248 als Burg des Ritters Dietrich von Berge. Die Ursprünge des Gebäudes sind jedoch im Dunkel der Zeitläufe untergegangen. Wann die Zeit der adeligen Herren und Damen auf Schloss Berge jedoch zu Ende ging, lässt sich auf den Tag genau sagen: Am 30. März 1900 ereilte Jenny von Westerholt-Gysenberg ein Herzinfarkt – und danach wurde ein Wirtschaftsbetrieb eingerichtet, den die Stadt Gelsenkirchen von der Erbengemeinschaft pachtete, bis sie 1924 das Schloss kaufte.

Das Innere ist auf den Hotelbetrieb ausgerichtet

Das Wasserschloss zeigt sich heute von außen in einem Baustil mit Einflüssen aus dem Spätbarock und Klassizismus, gepflegt und edel. Doch die Sanierungsarbeiten hatten ihren Preis: Vom historischen Innenleben des Schlosses ist nichts mehr übrig geblieben, alles ist vollkommen auf den Hotel- und Restaurantbetrieb ausgerichtet.

Jedoch war auch schon vorher eigentlich nichts in altem Zustand, erzählt Klaus Geißler: „Durch die Jahrhunderte hat ja jeder an diesem Schloss mal herumgebaut. Dadurch ist zum Schluss kaum etwas übrig geblieben. Jeder hat andere Wohnmöglichkeiten gesucht, es waren Fenster oder auch Türen zugemauert. Und dann hat man wirklich wieder auf Null gestellt, gesagt: Alles raus.“ Und das mit Einverständnis aller Behörden, denn seit 1988 steht Schloss Berge unter Denkmalschutz.

Für einen Gastronomen bedeutet die Bewirtschaftung eines Schlosses immer eine besondere Herausforderung: „Das ist nicht mit anderen Hotels zu vergleichen. Es gibt hier vorgegebene Wege, die Sie nicht verändern können. Wenn Sie heute neu planen, dann heißt das: Kurze Wege, alles nach Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit. Wenn Sie hier vom Büfett eine Tasse auf die Terrasse bringen, dann haben Sie die Wege. Und die Unterhaltskosten sind ja auch wesentlich höher als bei einem heute gebauten Haus. Das sind Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit anders gestalten. Die freie Marktwirtschaft nimmt keine Rücksicht auf Schlösser“, erzählt Geißler.

Das romantische Äußere

Umgekehrt erweist sich wohl aber auch das romantische Äußere als ein echter Vorteil: Auf Schloss Berge wird gern geheiratet und anschließend die Hochzeit gefeiert, sei es in einem der Festsäle oder ganz romantisch vor den Toren des Schlosses im insgesamt fast 75 Hektar großen Schlosspark, der heute im Barockstil gestaltet ist. Auch das Zusammenspiel der Terrasse an den Burggräften oder der Ausblick vom Restaurant in den Park dürfte für viele Gäste schon Grund genug sein, wieder hierher zu kommen.

Seit 13 Jahren betreibt Geißler nun Gastronomie und Hotel auf Schloss Berge – und zwar im 365-Tage-Betrieb, allein am Heiligen Abend bleibt das Restaurant geschlossen, während das Hotel dennoch weiterläuft. Geißler selbst hat das Rentenalter schon erreicht, doch ans Aufhören denkt er schon allein nicht, weil hier 70 Menschen ihre Arbeit gefunden haben, für die er die Verantwortung trägt.

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Je nach Jahreszeit bietet Schloss Berge seinen Gästen besondere Events, so etwa ein feierliches Candle-Light-Dinner mit optionaler Übernachtung.

Im Frühjahr und Sommer kann man sich einen Korb für ein Picknick im Park packen lassen, inklusive Kuscheldecke und Koffertisch mit zwei Stühlen. Reservierung einen Tag im Voraus unter Tel: 0209/1774-0

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