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Renesse oder Juist? Reisen am Pfingstwochenende

Das passt zusammen: Pfingsten und Zelten.

Das passt zusammen: Pfingsten und Zelten.

Foto: istock / iStock

Essen.  Pfingsten sind manche Orte von Besuchern stärker überlaufen als in den Sommerferien. Warum strömen die Massen nun wieder nach Renesse oder Juist?

In manchen Ferienorten ist es jedes Jahr zu Pfingsten dasselbe Schauspiel: Mindestens für ein sehr langes Wochenende strömen die Besuchermassen gerade auch aus NRW heran. Und je nach Örtchen scheint es geheime Verabredungen zu geben, in welchen Gruppenkonstellationen die Besucher dort erscheinen. Über manche Städte brechen Scharen junger Männer herein, andere werden von jungen Kleinfamilien überschwemmt, andere ziehen eher ein reiferes Publikum an. Die Gründe für den Ansturm sind vielfältig, doch gibt es für die Kurzurlauber ein universelles Kriterium, das vielleicht ja auf der Hand liegt: „Es geht vor allem darum, dass der Ort schnell und leicht zu erreichen sein muss“, sagt Thomas Vodde (56), Leiter Marketing und Event auf der Nordseeinsel Juist.

Auch wenn man in Zeiten von Billigfliegern und Last-Minute-Urlauben scheinbar wenig Probleme hat, mal kurz nach Mallorca oder Gran Canaria zu fliegen, erfordern solche Urlaube doch ein wenig mehr an Vorplanung – zumindest, wenn man noch einen günstigen Flug bekommen will. Eine Fahrt mit dem Auto ist stets unkomplizierter. Man könnte also mit dem Zirkel einen Kreis um unsere Region ziehen – und alles, was in ungefähr dreieinhalb Stunden erreichbar ist und ein Stückchen Wasser, am besten Meerwasser, vorzuweisen hat, ist ein potenzieller Kult-Ferienort. Ein paar von ihnen haben wir uns ein bisschen näher angeschaut.

Renesse – Wochenende mit Zelt und Dosenbier

Der Ruf, der Renesse vorauseilt, pflanzte sich auch schon in Zeiten lange vor dem Internet von Oberstufe zu Oberstufe, von Erstsemesterjahrgang zu Erstsemesterjahrgang fort: Für Renesse braucht man ein Zelt und eine Isomatte, fertig sind die Pfingstferien.

Ach, und nicht vergessen: Dosen, am besten ganz viele davon. Denn warmes Bier wirkt bekanntlich am besten beim Dosenschießen: Dose schütteln, Loch reinbohren und alles in den Mund strömen lassen.

Ja, viele haben am Strand von Renesse deliriöse Nächte verbracht – und denken gerne zurück an die Zeit, in der sie die Ravioli-Dosen zum Heißmachen einfach über den Campingkocher gehalten haben – es ging ja nicht um Genuss, sondern um eine solide Unterlage für den Alkohol. Der bestand dann manchmal sogar – man kann sich ja an landestypische Gepflogenheiten anpassen – teils auch noch aus Genever. Ein wenig zahmer ist der Ort geworden in den vergangenen Jahren: „Es ist zwar eine Tradition, dass sehr viele junge Menschen zu Pfingsten nach Renesse kommen, meist mit Zelt und Schnaps. Und dass sie das ganze Wochenende feiern. Aber das gibt’s nur zu Pfingsten, ansonsten ist Renesse ein sehr beliebter Ort für Familien“, erklärt Sonja van der Voet, die die Öffentlichkeitsarbeit für die Region Zeeland macht. Auch sind die Ansprüche an die Verpflegung etwas gestiegen, nicht nur was die Getränke angeht. Es wird mittlerweile öfter stilvoll gegrillt (Info: renesseaanzee.nl).

Juist – Eine Fährfahrt weg von der Welt

Der große Erfolg von Juist und anderen deutschen Nordseeinseln gerade für kurze Ferien hat für den Tourismus-Manager Thomas Vodde vor allem einen psychologischen Grund: „Wenn die Menschen mit der Fähre zur Insel übersetzen, dann sagen gut 90 Prozent von ihnen, dass dann auch ihre Sorgen und Ängste auf dem Festland zurückbleiben. Etwas Ähnliches hat man von Touristen, die ins Flugzeug steigen und vielleicht eine viel weitere Strecke zwischen sich und die Heimat bringen, noch nicht gehört.“

Es mag also an jenen 90 Minuten auf dem Wasser liegen, die dafür sorgen, dass man sich auf einmal ganz weit weg fühlt. Und noch einen Vorteil hat es, auf einer vergleichsweise kleinen Insel zu sein: „Sie ist eine Welt für sich, gerade, wenn sie autofrei ist.“ Nicht zu vernachlässigen ist ein anderer Aspekt: die Tradition. Die Nordseeinseln sind gerade für Urlauber aus der Region ein altbekannter, bewährter und berechenbarer Ferienort: „Viele sind mit ihren Eltern hier gewesen, als sie noch klein waren. Später dann wurde Juist für sie vielleicht uninteressant, weil man mit 16 oder 18 Jahren mehr das Abenteuer sucht. Aber viele kommen dann später mit ihren Kindern zurück.“

Ein Familienziel ist die Insel also – ähnlich wie Norderney und andere friesische Inseln den ganzen Rest des Jahres lang. Es sei denn, man kommt zu Pfingsten. . . (juist.de).

Norderney - Ein Spring-Break in der Nordsee

Das „White Sands Festival“ vom 7. bis 10. Juni verwandelt das beschauliche Norderney für ein paar Tage in ein deutsches „Spring Break“-Paradies, mit Beach-Volleyball und Partys fast wie Daytona Beach, wobei der Marler Dance-DJ Phil Fuldner die Feierwütigen beschallt.

Marina de Venezia - Campen vor den Toren von Venedig

Kein Tipp für eine kurze Fahrt, dennoch zieht es viele Camper aus NRW alljährlich zu Pfingsten zur „Marina de Venezia“, Europas größtem Campingplatz vor den Toren von Venedig.

Viele stehen mit ihren Wohnwagen und -mobilen stundenlang im Stau, um ein Plätzchen auf dem 70 Hektar großen Areal auf einer Landzunge vor Venedig zu ergattern, zusammen mit 12.000 anderen Gästen. Die Belohnung: Meer von allen Seiten – und ein komplett durchorganisierter Urlaub auch für Deutsche, mit einem Supermarkt mit deutscher Feinkost. Und wer nicht im Meer baden mag: Eine Pool-Landschaft gibt es auch.

Grav-Insel - Umschlossen vom Rhein

Der Effekt ist ein wenig der, den man von den ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr kennt: Sie liefern einen Startschuss für die Saison, bei der man eigentlich alles vor der Türe erledigen will. Und spätestens zu Pfingsten erfasst auch Gelegenheits-Camper ein unbändiger Drang zum nächsten Campingplatz. Einer der nahe gelegenen ist zugleich Deutschlands größter: Auf der Grav-Insel, einer Halbinsel zwischen einem Altarm des Flusses und dem Rhein selbst kann man zu Spitzenzeiten wie Pfingsten 9.000 Mitcamper treffen, ein wahrer Tummelplatz für Frischluft-Urlauber, nicht ganz wie am Meer, aber was will man mehr.

Mehr Infos: grav-insel.com

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