Das besondere Museum

Reif fürs Museum: Bauer Südfeld lädt zur Spargel-Schau

Das Gourmetgemüse Spargel servierten die Betuchten auf edlem Porzellan.

Das Gourmetgemüse Spargel servierten die Betuchten auf edlem Porzellan.

Foto: Fabian Strauch

Herten.   Spargel ist nicht nur lecker, sondern auch ein tolles Ausstellungsstück. Ludger Südfeld aus Herten sammelte alles rund um das Gourmet-Gemüse.

Ludger Südfeld zeigt eine Flasche, gefüllt mit klarem Schnaps, in der ein Spargel schwimmt. „Ich sage es mal mit einem Wort, wie es schmeckt: scheußlich“, sagt Südfeld lachend und räumt ein: „Es ist ein Gag.“ Der Landwirt sammelt alles rund um das feine Gemüse für das „Vestische Spargelmuseum NRW“.

Neben Stillleben mit Spargel und dem kleinsten Spargelkochbuch Deutschlands, das auf einem Handteller Platz hat, ist auch eine Art Papyrus aus Spargelschalen dabei. Eine Briefmarke – 2 Pfennige – gehört ebenfalls zur Sammlung. Wobei der 72-Jährige vor allem ein Auge für die Stempel hat, mit der Lampertheim in Hessen 1952 warb: „Spargelkuren in der Spargelstadt“. Südfeld: „Da wusste ich noch gar nicht, wie Spargel schmeckt.“

Scherlebeck blieb bei der Stange

Seine Eltern arbeiteten noch als normale Bauern. Das Museum war früher einmal ein Stall, in dem Schweine grunzten. Doch Ende der 70er Jahre floss das Geld nicht mehr wie gewünscht. Und so sattelten die Landwirte in Herten um auf Spargel – und blieben bis heute bei der Stange. Über die Stadtgrenze hinaus sind die Höfe als Spargeldorf Scherlebeck bekannt, auf einer Fläche von 50 Fußballfeldern werden die Stangen gestochen. „Viele wissen gar nicht, dass im Ruhrgebiet Spargel wächst“, sagt Südfeld, dessen Sohn nun den Hof führt. Der Senior scherzt: „Kohle ade, Spargel olé.“

Die Spargel-Gags machen nur einen Teil der Ausstellung aus. Südfeld möchte vor allem Spargel-Wissen vermitteln: „Die Leute sehen ja nichts.“ Nur die Folien auf den Hügeln. Mal schwarz, um darunter die Wärme zu speichern. Mal weiß, damit die Sonne nicht zu stark den Spargel erhitzt.

In einem Schaukasten im Museum ist eine Wurzel zu sehen – „wie eine Krake.“ Ein Film zeigt im Zeitraffer, wie die Pflanze wächst. „Die Triebe werden geerntet, nicht die Früchte“, betont Südfeld. Die weiblichen Pflanzen tragen hübsche rote Beeren. Spargel ist wie das Maiglöckchen ein Liliengewächs – „aber nicht giftig.“ Entschlackend soll die Stange sein, in Klostergärten nutzte man sie einst als Heilpflanze. Deshalb gehören zur Ausstellung auch Spargel-Tabletten.

In Deutschland wurde nachweislich 1887 erstmals in der Nähe von Hannover der weiße Spargel angebaut, so Südfeld. In Asien kannte man ihn schon vorher. So kamen auch die ersten Schälmaschinen etwa aus Taiwan. Aber die waren unnütz für die deutschen Stangen. „Hier musste der Spargel dicker sein“, erklärt Südfeld. „In Taiwan wurde er so dünn geschält, dass er ins Glas passte.“

Der Spargel wird meist geschält gekauft

Heute werde der Spargel im Hofladen zum großen Teil geschält verkauft. Vorbei die Zeiten, in denen meist Frauen den Spargel stachen und schälten – wie historische Schwarz-Weiß-Fotos zeigen. Wobei das Stechen mit dem Spargelmesser bis heute Handarbeit ist – und schon Autoren inspiriert hat. In Südfelds Sammlung befindet sich seit kurzem ein Spargelkrimi. Der Tatort: das Spargelfeld. Und die Tatwaffe? Etwas vorhersehbar: „Das Spargelmesser.“

Andere Arbeitsgeräte, die für Bauern ebenfalls ein spannendes Ergebnis liefern, sind auch im Museum ausgestellt, etwa Werkzeuge für Bodenproben: Mit ihnen stellt man fest, ob der Erde Nährstoffe fehlen. „Wie der Kalkgehalt ist, die Säure im Boden.“

Seltenes Gemüse und deshalb so begehrt

Der Spargel ist zwar seit 2006 museumsreif, aber echter reifer Spargel ist in der Sammlung nirgends zu sehen. Da muss man schon eine Tür weitergehen, in den Hofladen. Oder noch eine weiter, ins große Hofcafé. Spargel ist im Gegensatz zu so vielen anderen Gemüsesorten auch heute nicht das ganze Jahr über zu haben. „Das weckt Begehrlichkeiten.“ Am 24. Juni ist traditionell der letzte Spargeltag, damit sich die Pflanzen danach wieder erholen können.

Dass der Spargel schon immer etwas Besonderes war, zeigt auch das feine Porzellan: Schale und Schaufel von 1867. Oder: eine gut 200 Jahre alte englische Spargelwiege. In edlen Fürstenhäusern in Europa servierte man Gästen bereits im 16. Jahrhundert den grünen Spargel, der nicht wie der Bleichspargel im Erdhügel, sondern an der Sonne wächst. Er gedieh in Lustgärten der feinen Herrschaften. „Nur die herrschenden Leute durften ihn essen“, so Südfeld. „Der Spargel sollte die Sexualität fördern.“

Genießen wie die Franzosen

Spargelzangen aus Silber sind ebenfalls im Museum zu sehen. Damit wird deutlich, dass Reiche es nicht immer besser wissen. Der metallische Geschmack könnte schließlich den Genuss vermiesen. „Man isst den Spargel eigentlich mit den Fingern“, sagt Ludger Südfeld. „Das machen die Franzosen heute noch.“

>> DAS LIEBSTE AUSSTELLUNGSSTÜCK

Ludger Südfelds liebstes Ausstellungsstück ist über 300 Jahre alt: Eine Doktorarbeit über Spargel von 1715. „Es soll weltweit nur sechs Doktorarbeiten zu Spargel geben“, sagt der Landwirt. Seine Arbeit wurde bei einer Haushaltsauflösung eines Studiendirektors gefunden. Südfeld hat die Schrift vom Archiv im Kreis Recklinghausen überprüfen lassen. Stolz sagt der Spargel-Fan: „Es ist das Original.“

Ein Abt hat einst im Garten eines Klosters bei Nürnberg mit dem Spargel experimentiert und dazu die Arbeit verfasst. „Asparago“ ist in großen Lettern darauf zu lesen. Was der Geistliche jedoch genau erforscht hat, welche Heilwirkungen er womöglich den Stangen zugesprochen hat, bleibt für Südfeld bisher ein Geheimnis. Die Doktorarbeit ist in Lateinisch verfasst.

>> DER WEG ZUM MUSEUM

Das Vestische Spargelmuseum NRW öffnet stets am 1. April bis etwa Mitte Juli, 10 bis 19 Uhr. Auf Wunsch für Führungen auch die Monate danach. Eintritt: 1,50 €, Kinder bis 12 kostenfrei. Aus Platzgründen wurde das Museum auf einen großen Raum verkleinert. Nebenan: Hofladen und -café. Backumer Straße 416, Herten, Tel: 02366/ 4419, vestisches-spargelmuseum-nrw.de

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