Besondere Museen

Polizeimuseum: von der Pickelhaube bis zum Handy-Knochen

Blick in eine nachgebaute Funkzentrale des Polizeipräsidiums Essen:

Foto: Lars Heidrich

Blick in eine nachgebaute Funkzentrale des Polizeipräsidiums Essen: Foto: Lars Heidrich

Essen.   Im Essener Polizeimuseum wandert man durch die Geschichte der Verbrechens-Bekämpfung rund um den Globus. Eine Knüppelsammlung gehört auch dazu.

Man ahnt ja nicht, wie schnell die Zeit verfliegt, wenn man dem Verbrechen auf der Spur ist. Im Essener Polizeimuseum geht’s zurück bis in eine Zeit, als Deutschland noch ein Kaiserreich war und die Beamten auf der Straße Pickelhauben trugen. Und wer für Uniformen schwärmt: Einige der Textilien sind 300 Jahre alt – und nach wie vor sehr schmuck.

Dass es diesen Ort auf dem Gelände der ehemaligen Landespolizeischule gibt, liegt an einem runden Geburtstag: Im Jahr 2009 feierte man das 100-Jährige des Polizeipräsidiums Essen, denn im Jahr 1909 wurden die den Bürgermeistereien zugeordneten Behörden verstaatlicht.

Rainer Wittka gehörte zu jenen, die an der Organisation der Jubiläumsfeier beteiligt waren. Und der Hauptkommissar sah, wie viele Exponate es gab, gezeigt oder ungezeigt. „Das war der Zeitpunkt, als wir gesagt haben: Wir richten ein Museum ein“, erinnert sich Wittka. Und bei ihm trafen privates und öffentliches Interesse aufeinander, denn: „Ich bin Jäger und Sammler. Ich sammele mein ganzes Leben lang“, so der 58-Jährige.

Daraufhin wurden von der International Police Association (IPA), deren Verbindungsstelle in Essen Wittka leitet, 130 Quadratmeter angemietet. Sie sind eigentlich noch viel zu wenig für die 5000 Exponate.

Allein wenn man den begrenzten Platz an den Wänden betrachtet: „Wir haben in NRW die größte Fahndungsplakate-Sammlung“, sagt Heinz Zengeler, pensionierter LKA-Mann, Fachbereich Korruption. Hier begegnet man Worten, die man auf ewig verloren wähnte: „Lustmord“ prangt in roten Lettern auf einem Plakat von 1962. Auf einem anderen von 1930, auf dem nach einem vermissten Jungen gesucht wird, ist ein Fotoabzug aufgeklebt: „Damals konnte man noch keine Fotos drucken“, so Wittka. Er weiß, dass die Unterlagen des Falls beim LKA lagen. Man fand den Jungen tot, fasste den Täter – und ein Jahr später wurde er hingerichtet. Damals gab es noch die Todesstrafe.

Asbach für die harten Fälle

Man findet Kuriositäten aus vergangenen Zeiten, die seinerzeit selbstverständlich waren wie die Polizeimelder, die in manchen Vierteln an den Hauswänden hingen, als es noch nicht überall Telefone gab – geschweige denn Handys, deren erste Vertreter noch das klobige Knochen-Format hatten und gern von Profi-Ganoven eingesetzt wurden.

Unvorstellbar heute: Die Flasche Asbach, die für Kollegen bereitstand, die mit Leichen zu tun hatten, die etwas länger lagen. Auch ein Stasi-Überwachungskoffer mit Kameras und Abhörausrüstung findet sich in der Ausstellung. Oder eine Handtasche aus den 70er-Jahren, als die Weibliche Kriminalpolizei in die allgemeine Kriminalpolizei aufgenommen wurde. Die Beamtinnen trugen damals natürlich keine Hosen – und hatten dank Röcken Probleme, die Dienstpistolen diskret zu verstauen. Deshalb schaffte man Handtaschen mit eingearbeitetem Holster an.

Die erste Polizeipistole nach dem Zweiten Weltkrieg war übrigens ein amerikanischer Colt, geladen mit nur einer Kugel. „Wir waren ja britische Besatzungszone. Und die Alliierten hatten wahnsinnige Angst vor einer Bewaffnung“, so Wittka. Aber es ging noch schlichter: Die erste Uniform nach dem Krieg bestand aus einer Armbinde, teils noch handgemalt, und einem Holzknüppel.

Apropos Knüppel: Den bekommt man nicht zu spüren, aber zu sehen, denn in Essen hängt eine veritable Schlagstock-Sammlung, darunter Stasi-Modelle – und ein hübsches britisches Exemplar aus Edelholz. An dessen Ende prangt eine Königskrone. Wenn man schon etwas auf die Mütze bekam, dann möglichst auf royale Art und Weise.

>> DAS LIEBSTE AUSSTELLUNGSSTÜCK

Geht man mit Rainer Wittka durch die polizeihistorische Ausstellung, fällt es ihm nicht schwer, sein liebstes Ausstellungsstück herauszugreifen: Es ist ein preußischer Tschako von 1848, eine der ältesten Polizei-Kopfbedeckungen der Schau. Die extrem hohe Schackelhaube wurde von einem Wachtmeister getragen, für Paraden konnte ein Stutz aus Ross- oder Büffelhaaren aufgesteckt werden.

Die Höhe der Haube erklärt Wittka so: „Es war wahrscheinlich auch Psychologie. Man wollte halt etwas darstellen. Wenn man so einen Riesen-Eimer auf dem Kopf hat, dann wirkt man noch größer. Die Menschen damals waren eben nicht so groß“, so Wittka. Die rund 40 Pickelhauben mit ihren spitzen Pickeln wurden nicht etwa eingesetzt, um widerständigen Ganoven die Haube in den Leib zu rammen, sondern um Respekt einzuflößen. Manche der Hauben sehen aus wie ein römischer Soldatenhelm, so etwa ein Modell aus Sachsen von 1920 mit einer Bürste in der Mitte

>> DAS MUSEUM

IPA Polizeimuseum (Norbertstr. 165) in Essen nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung bei Heinz Zengeler 0175/4534700 besichtigen.

In Dortmund unterhält das Polizeipräsidium die „Eins Eins Null“-Polizeiausstellung (Markgrafenstr. 102). Sie ist geöffnet Mo.-So. 9-21 Uhr, 0231/1321034.

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