Heiratsvermittlung

Partnersuche auf Jüdisch: Erst der Kopf, dann das Herz

Matchmakerin: Sara Kofmann, hier aufgenommen an der Rheinterrasse in Düsseldorf und von unserer Gestaltung mit dem Symbol der Liebe versehen, ist eine Schadchanit, eine Heiratsvermittlerin für orthodoxe Juden. Die 44-Jährige Krefelderin mit der besonderen Begabung führt Paare zusammen, die in ihren Augen gut harmonieren.

Matchmakerin: Sara Kofmann, hier aufgenommen an der Rheinterrasse in Düsseldorf und von unserer Gestaltung mit dem Symbol der Liebe versehen, ist eine Schadchanit, eine Heiratsvermittlerin für orthodoxe Juden. Die 44-Jährige Krefelderin mit der besonderen Begabung führt Paare zusammen, die in ihren Augen gut harmonieren.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Düsseldorf/Krefeld.  Sara Kofmann hilft als Heiratsvermittlerin jüdischen Menschen bei der Suche nach einem Partner. Die Tradition und stellt Verstand vor Gefühl.

„Seinen Seelenverwandten zu finden, das ist beinahe so schwierig, wie die eigene Seele zu finden“, so heißt es im Jüdischen. Kein Wunder, dass sich viele bei der Suche helfen lassen – von den Eltern, den Freunden oder von einem professionellen Heiratsvermittler. Sie sind weise Männer und Frauen, die ein Näschen dafür haben, wer mit wem das große Glück findet. So Gott will. Das betont Sara Kofmann immer wieder. „Es ist alles von Gott bestimmt. Wir sind nur die Botschafter. Wir versuchen unser Bestes. Das Ergebnis liegt aber nicht in unserer Hand.“

Die 44-Jährige fand vor rund drei Jahren zu ihrer Berufung, Menschen als so genannte „Schadchanit“ (hebräisch für Heiratsvermittler) zusammen zu führen. „Ich glaube, ich hatte immer ein Händchen dafür. Ich mag Beziehungen zwischen Menschen“, erzählt die sympathische Krefelderin mit einem offenen Lachen im Gesicht. Dann verrät sie, schon früher habe sie versucht, ihre Freundinnen zu verkuppeln. „Dann hat mich ein Freund gebeten, für ihn eine Frau zu suchen. Und Gott sei Dank hat es geklappt.“

„Die Hauptsache ist, man ist selbst verheiratet und hat Kinder.“

Für Sara Kofmann war das der Sprung ins kalte Wasser. Seither ist sie als „Matchmakerin“ tätig. Eine Ausbildung brauche es dafür nicht. „Man muss kontaktfreudig sein und Menschen verstehen. Oftmals können sie gar nicht so genau sagen, was sie suchen.“ Dann sei es an ihr, zwischen den gesprochenen Zeilen zu lesen. Noch eines sei Grundvoraussetzung für den „Job“, der ihr jedoch nicht zum Broterwerb dient: „Die Hauptsache ist, man ist selbst verheiratet und hat Kinder. Ein Heiratsvermittler, der nicht verheiratet ist – ich weiß nicht, ob das glaubwürdig wäre. Wenn du es nicht selbst geschafft hast, wie willst du anderen helfen?“

„Matchmaker, Matchmaker, bring me a match“, singen Tevjes Töchter im Musical „Anatevka“ und hoffen, beim Durchblättern des großen, schlauen Buches finde die Heiratsvermittlerin die große Liebe, das große Glück für jede der beiden. Einer der wenigen Momente, bei dem die jüdische Art zu daten einer großen Öffentlichkeit vorgestellt wird. So alt die Tradition ist, so wenig ist sie nämlich bekannt. Vor allem, weil es nahezu ausschließlich orthodoxe Juden sind, welche die Dienste einer „Schadchanit“ in Anspruch nehmen. „In der orthodoxen Gesellschaft gibt es bewusst wenig Kontakt zwischen Männern und Frauen. Da braucht man Hilfe bei der Partnersuche“, erklärt Sara Kofmann und macht deutlich: „In der jüdischen Community ist das der Weg und so ist es bis heute.“

„Wichtig ist, dass die Suchenden weiterhin Hoffnung haben.“

Es wird zwar gekuppelt, aber das ist als Angebot zu verstehen. Geheiratet wird nur, wenn sich beide ganz bewusst und aus freien Stücken füreinander entscheiden – nach einem persönlichen Treffen. Jemanden zu heiraten, den man nie gesehen hat, das ist im Judentum verboten. „Manchmal passt es, manchmal nicht. Aber für mich ist es wichtig, dass die Suchenden, wenn es nicht klappt, weiterhin Hoffnung haben.“

Das Prozedere folgt stets der alten Tradition: Ein heiratswilliger junger Mensch wendet sich hilfesuchend an Sara Kofmann. In wenigen Gesprächen, mal persönlich, mal via Skype, ermittelt sie die Wünsche und Bedürfnisse des Auftraggebers – und legt dann mit der Suche los. Das zuweilen über Weltmeere hinweg. Es könne ja sein, dass der oder die Richtige auf einem anderen Kontinent lebt, meint sie. So bringt sie Menschen zusammen, über alle Distanzen hinweg. Aktuell sei das ein Problem. „Ich habe Paare, die haben seit Monaten Kontakt, konnten sich coronabedingt aber noch nicht treffen.“ Eheanbahnung erfordere in diesen Zeiten viel Geduld.

Die jüdische Tradition schreibt mehrere Begegnungen vor. Weil orthodoxe unverheiratete Männer und Frauen aber nicht allein in geschlossenen Räumen sein dürfen, treffe man sich an öffentlichen Orten. Dann geht es nur um eines: miteinander reden. „Jüdisches Dating, das ist nicht Kino und Pizza. Es geht darum, zu besprechen, was einem im Leben wichtig ist und zu prüfen, ob man die gleichen Werte hat.“

Das sei der grundlegende Unterschied zur Partnersuche anderer Kulturen: Die jungen Leute gehen sachlich an das Kennenlernen heran, lassen sich erst danach auf Emotionen ein. Das sei, meint die berufstätige Mutter einer Tochter, der bessere Weg, ja sogar als Tipp geeignet für Singles, die den Partner fürs Leben suchen. „Erst muss dein Verstand mit der Person einverstanden sein. Danach schaust du, ob dein Herz mitkommt.“

„Jemand wird mich anrufen. Und dann muss man auch die Wahrheit sagen.“

Für Außenstehende besonders ist, dass man Erkundigungen zum möglichen Partner einholen kann. Wer an einer Heiratsvermittlung teilnimmt, muss „Referenzen“ angeben. „Das ist das Wichtigste“, sagt Sara Kofmann und erklärt, es könnten Freunde sein oder Familienmitglieder. „Die Personen wissen, jemand wird mich anrufen und sich nach dem oder dem erkundigen. Und dann muss man auch die Wahrheit sagen.“ Das sei auch ein wichtiger Bestandteil der Tradition. Der Spruch „drum prüfe, wer sich ewig bindet“ wird hier gelebt.

Rund ein Jahr dauert diese Form der Partnersuche im Schnitt. Dennoch hat Sara Kofmann in drei Jahren bereits mehrere Ehen erfolgreich gestiftet, einfach weil sie die Gabe dazu habe. „Ich kann eine Person rasch greifen, verstehen, wer ist das. Ich spüre das ganz einfach. Ich glaube, dass Gott mir diese besondere Begabung gegeben hat, damit ich mit ihr Menschen helfe. Jede Person hat eine besondere Begabung. Unsere Aufgabe ist es, zu versuchen, unser Potenzial auszuschöpfen und damit die Welt, und vor allem uns selbst, ein bisschen besser zu machen.“

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