Besondere Museen

Neue Serie zeigt ungewöhnliche Museen wie das Puzzleum

Ein Zauberwürfel war das erste Geduldsspiel der Sammlung. Heute zeigt der Zauberer Robinson über 950 Geschicklichkeitsspiele in Bochum.

Foto: Fabian Strauch

Ein Zauberwürfel war das erste Geduldsspiel der Sammlung. Heute zeigt der Zauberer Robinson über 950 Geschicklichkeitsspiele in Bochum. Foto: Fabian Strauch

Bochum.   Neue Serie: Wir zeigen besondere Museen in unserer Region. Zum Start stellen wir das Puzzlemuseum in Bochum vor. Ein äußerst rätselhafter Besuch.

Verflixt, diese ineinander verschlungenen Nägel muss man doch irgendwie auseinanderbekommen. Und diese Holzklötze, die muss man doch irgendwie zusammenbekommen. Legen, schieben, drehen. Meist steckt ein einfacher Trick dahinter. Aber welcher? Wie lässt sich dieses Rätsel nur knacken? „Ausprobieren!“, fordert Robinson auf. Der 64-Jährige leitet Deutschlands einziges Puzzlemuseum.

Im Foyer des Kleinkunsttheaters „Zauberkasten“ in Bochum-Gerthe sind über 950 verschiedene Geduldsspiele ausgestellt. Den Anfang machte ein Drehpuzzle: ein farbenfroher Rubik-Würfel. Besser bekannt als Zauberwürfel. Als der Zauberer Robinson die Farbflächen 1999 das erste Mal drehte, war es um ihn geschehen. Seitdem nimmt die Sammlerlust kein Ende. Auf Reisen ist ein Besuch auf dem Flohmarkt Pflicht.

Heute liegen in den Vitrinen dutzende Varianten des Klassikers. Zauberwürfel mal mit abgeschliffenen Ecken, mal in Form eines Hauses – oder eines Hasen. Auch eine Micky Maus ist darunter. Wenn Robinson sie verdreht, lässt sie die Ohren hängen. Aber der Geduldsspiel-Profi bringt sie doch alle wieder in Form, oder? „Manche sind so verdreht, die kriege ich nicht mehr hin“, gesteht Robinson schmunzelnd.

Ihn entspannt das Rätseln

Zu Hause auf dem Schreibtisch liegt ein Holzpuzzle, das er seit Weihnachten versucht zusammenzusetzen. Seit Weihnachten 2016! Macht ihn das nicht ganz verrückt, dass er die Lösung nicht weiß? „Manche werden nervös, wenn sie so etwas machen. Ich finde es entspannend.“ Und wenn er das Rätsel geschafft hat, ist die Freude groß? „Dann kommt die Lust aufs nächste!“ Wenn gerade keins da ist, baut er halt selbst eines aus Holz, Schnüren oder Nägeln.

Auch viele Nägel-Spiele befinden sich im Museum, so genannte Vexiere, bei denen man das ineinander verschlungene Metall entwirren muss. Im Mittelalter war das eine schöne Beschäftigung nach getaner Abend. Und in Frankreich haben Bauern mit solchen Nägeln die Scheunen verschlossen. Ganz ohne Schlüssel, erzählt Robinson.

Altes chinesisches Legespiel

An seiner Hand trägt er einen Ring. Nimmt Robinson ihn ab, teilt sich der Schmuck in mehrere Ringe auf, die wie bei einer Kette zusammenhängen. Aber wie wird daraus wieder ein einziger Ring? Auch das alte chinesische Legespiel „Tangram“ ist ausgestellt: ein Quadrat, das in sieben geometrische Formen zerschnitten ist. Es macht nicht nur Mathematikern Freude, aus den Plättchen vorgegebene Figuren zu legen.

So viel ist zu sehen. Nur Puzzleteile, die man zu riesigen Bildern zusammenlegen kann, sucht man im Puzzlemuseum vergebens. Der Name leitet sich vom englischen Puzzle ab, das alle Geduldsspiele meint. Robinsons nüchterne Erklärung: „Puzzlemuseum klingt besser als Geschicklichkeitsspielmuseum.“

Der gelebte Physikunterricht

Robinson stellt auf einen Tisch ein zylinderförmiges Holzstück, das man aus einer engen Fassung befreien soll. „Ohne die Hände zu benutzen!“ Wie soll das gehen? Einmal tief Luft holen und schon lässt sich der Zylinder herauspusten. „Das Ganze ist gelebter Physikunterricht“, schwärmt Robinson. Seinen wahren Namen möchte er nicht nennen. Den könne sich eh keiner merken. So bleibt er bei seinem Künstlernamen. Als Robinson lädt er auf seine Insel der Geduldsspiele ein. Er bietet Führungen an. Und wer eine Vorstellung im Zauberkasten besucht, darf natürlich vorher oder hinterher ebenfalls rätseln.

In seiner Sammlung befindet sich auch ein einfaches Papier, das im Zweiten Weltkrieg die Briten erfanden. Darauf sind vier Schweine abgebildet. „Gesucht wird das fünfte Schwein“, sagt Robinson und faltet den Bogen so lange, bis sich ein Hinterteil einer Sau in gescheiteltes Haar und andere Schweineteile in ein Bärtchen verwandeln. Am Ende zeigt das zusammengefaltete Papier das Konterfei von Hitler.

>> DAS LIEBSTE AUSSTELLUNGSSTÜCK

Japanische Kästchen mit Intarsien, „die man auch verschieben kann“, haben es dem Zauberer Robinson besonders angetan. Sie sind nicht nur schön anzusehen. Sie enthalten oft auch versteckte Schubladen. „Gerade Japan hat da eine große Kultur. Sie bauen ja auch Möbel ohne Nägel.“ In Frankreich gab es früher ebenfalls rätselhafte Schreibtische – „mit einem Geheimfach für die Liebesbriefe.“

Für besonders wertvolle Kästchen aus Japan könne man schon Hunderte bis Tausende Euro ausgeben. „Bis zu 64 Teile kann man da verschieben“, sagt Robinson. „Das dauert, bis man so ein Kästchen auf hat.“ Solche Schätze habe er nicht in den Vitrinen. Doch auch die einfacheren Schatullen im Museum haben ihren Reiz.

Ein Ausstellungsstück, das Robinson besonders mag, ist ein Kästchen aus Ungarn. Schiebt man das richtige Holzplättchen zur Seite, kommt ein Schloss zum Vorschein. Aber wo ist der Schlüssel dazu? Auch der ist gut versteckt in diesem Kästchen. „Es ist, als ob man ein Sudoku oder Kreuzworträtsel löst, nur dass man hierbei noch etwas in der Hand hat.“

>> FÜHRUNGEN IM PUZZLEMUSEUM

Gäste des „Kleinkunsttheaters Zauberkasten“ können sich vor und nach der Vorstellung sowie in der Pause die Ausstellung anschauen. Robinson führt Gruppen mit zehn bis zwölf Leuten durch das Museum. Erwachsene: 8 Euro; Kinder: 5 Euro.

Das Puzzlemuseum befindet sich im Foyer des Zauberkastens, im Kulturmagazin Lothringen, 2. Etage, Lothringer Str. 36c, Bochum.
Tel: 0234 / 866235, www.puzzleum.de

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