Das besondere Museum

Museum für Gartenkunst zeigt die gezähmte Natur

Dieser Garten hat selbst Ludwig XIV. den Atem geraubt. Direktor Stefan Schweizer erklärt den ausgeklügelten Park an diesem Modell.

Dieser Garten hat selbst Ludwig XIV. den Atem geraubt. Direktor Stefan Schweizer erklärt den ausgeklügelten Park an diesem Modell.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Das Museum im Schloss Benrath in Düsseldorf zeigt, wie sich Adelige mit Parks inszenierten – da erblasste selbst der Sonnenkönig vor Neid.

Die Menschen zog es schon vor Jahrhunderten in die Natur, aber die war nichts für schwache Nerven. Bären und Wölfe lauerten in der Wildnis. Und die Gefahr, überfallen zu werden, war stets gegeben. Reisen wie heute mit Blick durchs Auto- oder Zugfenster auf das schöne Grün, das ist nicht mit der beschwerlichen Fahrt in einer Postkutsche zu vergleichen. Die Natur genießen, aber die Gefahren ausschließen, das ermöglichte der Garten.

Die Inszenierung von Wasser

Das Museum für Gartenkunst in Düsseldorf zeigt zwar auch historische Gerätschaften wie Sichel, Harke, Rechen, aber es geht weniger um Nutz- und Schrebergarten, sondern mehr um das Grün, mit dem Adelige sich präsentierten. Wie es gestaltet war, welche Einflüsse es gab, das ist an Modellen oder auf historischen Drucken und Fotos im passenden Ambiente zu sehen: in den Räumen der Adeligen und der Diener im Schloss Benrath von 1771.

„Natürlich hat der Adel den Garten auch als Bühne genutzt, dieses Sehen und Gesehenwerden“, sagt Stefan Schweizer, Direktor der Stiftung Schloss und Park Benrath. „Vor allem die künstlerische Inszenierung von Wasser war bedeutsam.“ Der 51-Jährige erinnert an die Villa Capra. Auf den italienischen Renaissance-Bau aus dem 16. Jahrhundert führte eine etwa 200 Meter lange Allee zu, über die im Bogen Wasserstrahlen sprangen. „Man ging sozusagen unter einem Netz aus Wasser, ohne nass zu werden. Das war spektakulär.“ Die Europäer hatten sich solche Raffinessen bei arabischen Palästen abgeschaut. Die Alhambra in Andalusien ist solch ein Vorbild.

Als erster Barockgarten in Frankreich gilt die Anlage des Schlosses Vaux-le-Vicomte. Der Finanzminister Nicolas Fouquet ließ diesen Prachtbau ausstatten. Nicht nur mit langer Allee und Herkules-Statue, auch mit geometrischen und perspektivischen Tricks. Der Besucher des Schlosses geht nach und nach Treppenstufen hinab. So verliert er bis zu einem Bassin in rund 1000 Metern Entfernung fast unbemerkt an Höhe. „Es führt dazu, dass sich das Schloss in der gigantischen Entfernung in diesem quadratischen Becken spiegelt“, schwärmt Schweizer.

Alle Ausstattungen des Gartens wurden weggeschafft

Fouquet weihte das Schloss im August 1661 mit rund 6000 Gästen ein. Unter ihnen: Ludwig XIV. Der Legende nach soll der Sonnenkönig, der nicht annähernd solch einen Palast besaß, vor Neid erblasst sein. Der Finanzminister wurde kurze Zeit später der Korruption überführt. „Alle Ausstattungen des Gartens, die man transportieren konnte, wurden weggeschafft – nach Versailles“, so der Kunsthistoriker. „Das Ende dieser Anlage ist der Startpunkt von Versailles.“

Dabei kam der Barockgarten fast ohne Pflanzen aus. Mit weißem Kies, rotem Ziegelsplitt und schwarzen Eisenspänen wurden florale Muster gelegt: Knospen, Blätter, Blüten, umrahmt von winzigen Buchsbaumhecken. Der Zünsler war damals noch nicht verbreitet. Auch an die Umweltprobleme bei der Versiegelung von Gärten dachte keiner. Vielmehr weckte solch eine Pracht Begehrlichkeiten: „Der Adel konnte es sich schon im 17. Jahrhundert nicht mehr leisten, in den großen Stadtanlagen das Bürgertum außen vor zu lassen.“ Die Menschen wären auf die Barrikaden gegangen.

Der Park wurde ein Ort der „ständeübergreifenden Begegnung“ – und der Erziehung. „Die Hoffnung des Bürgertums war, dass man der arbeitenden Klasse vorleben konnte, wie man sich anständig verhält.“ Bis heute sind Parks wie kaum andere Orte mit Regeln belegt – „Rasen betreten verboten“.

Der Landschaftsgärtner wurde zum Künstler

Der geradlinige Weg kam allerdings aus der Mode, die Engländer präferierten die geschwungene Linie. Sie komponierten im 18. Jahrhundert etwa in Stourhead Bäume und Rasen wie ein Maler die Farben auf der Leinwand – und tupften Brücken und Tempel in die Landschaft. „Eine Augenlust“, sagt Schweizer. „Die Landschaftsgärtner haben sich als Künstler etabliert.“

Ruinen waren ebenfalls Gestaltungsmittel. Ein Modell zeigt ein stillgelegtes Hüttenwerk: den Landschaftspark Nord mit den Sintergärten. In der Stadt mit Europas größten Binnenhafen habe man Pflanzen aus Südamerika entdeckt. „Sporen sind mit leeren Containern nach Duisburg gekommen“, so Schweizer schmunzelnd. „Duisburg ist brasilianischer als man glauben mag.“

>>> Das liebste Ausstellungsstück

Im Garten traf man sich zum Lustwandeln. Und beließ es nicht dabei, wie es das Ölgemälde zeigt, das Philippe Mercier um 1730 malte: „Galante Szene im Park“. „Ich finde das Bild super komponiert, mit der Treppe, verschiedene Paare – man hat das Gefühl, es findet alles auf einmal statt“, sagt Kunsthistoriker Stefan Schweizer.

Die höfische Gesellschaft befindet sich quasi in einem Liebesgarten. „Dort entstehen Freiheiten, die zu einer Galanterie, zu einer frivolen Atmosphäre führen – das ist ja heute nicht gänzlich anders.“ Der Begriff „galant“ bezeichnete ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert nicht nur das Umwerben, sondern auch ein Stilideal, etwa in der Musik und in der Malerei.

>>> Der Weg zum Museum

Das Museum an der Benrather Schloßallee im Schloss Benrath wird bei laufendem Betrieb überarbeitet. Ab 22. November 2019 wochenends Weihnachtsmarkt, außer am Totensonntag. 0211/ 89 21903. Termine, auch für Schlossführungen: schloss-benrath.de

Ab 25. März 2020: „Die hängenden Gärten von Babylon“. Nicht erst seit der Klimawandel-Diskussion wird Architektur begrünt, sondern bereits beim antiken Weltwunder.

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