Schlösser

Kemnade – Auf Entdeckertour im Haus der vielen Kamine

Der Rittersaal im Restaurant mit der „Kölner Decke“.

Foto: Ingo Otto

Der Rittersaal im Restaurant mit der „Kölner Decke“. Foto: Ingo Otto

Hattingen.   Schlösser-Serie: Ob am Kaminsims, an der „Kölner Decke“ oder in der „Schatzkammer“ – im Haus Kemnade in Hattingen gibt es viel zu entdecken.

Wer das Haus Kemnade besucht, sollte den Kopf in den Nacken legen. Nicht unbedingt vor dem alten Gemäuer, denn es gibt Burgen mit höheren Türmen. Aber im Inneren entgeht dem Besucher einiges, wenn er in den Räumen nicht nach oben schaut. Schon in der Diele bewundert er ovale Holz-Medaillons mit geschnitzten Figuren, die seit etwa 1700 die Decke schmücken. Dagegen sucht man hier das dunkle Holz der tragenden Balken vergebens. Sie sind weiß verputzt und verziert zur schönen „Kölner Decke“, wie man sie einst bei den wohlhabenden Menschen in der Stadt am Rhein bestaunte.

Ein Brand zerstörte das Haus

Den Namen Kemnade bekam das Haus in Hattingen wegen der vielen Kamine. „Ich habe 24 gezählt“, sagt Melanie Richter, stellvertretende Vorsitzende des „Fördervereins Haus Kemnade“. Auch bei den Kaminen sollte man nicht nur zur Feuerstelle schauen, sondern ebenso zum Sims. Dort sieht der Besucher immer wieder ein Rad. Es ist das Wappen der früheren Bewohner, der Familie von Syberg. Nach einem Brand 1589 hatte sie den Wiederaufbau des Hauses 1704 abgeschlossen.

„Ich entdecke immer noch etwas Neues“, sagt Melanie Richter. Etwa wenn die 75-Jährige die geschnitzte Treppe nimmt, in der wie bei einem Suchbild Gesichter versteckt sind. Die Stufen führen hinauf zum Trauzimmer des Standesamtes. Es ist die ehemalige Kapelle mit einem Kreuzrippengewölbe. „Zuvor war hier eine Küche“, erzählt Gerhard Hagenkötter (70), ebenfalls stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. In einer Ecke ist noch der frühere Ausguss zu erkennen.

„Sie waren wie kleine Könige“

Obwohl ein Wassergraben das Haus umgibt, das urkundlich erstmals 1410 erwähnt wurde, war es nie eine wehrhafte Burg. Die Herren von Stiepel durften hier das Recht sprechen und als Patronatsherren auch einen neuen Pfarrer benennen. Die Bewohner waren Lippische Lehnsinhaber, umgeben von der Grafschaft Mark. „Sie waren wie kleine Könige“, sagt Richter. „Die Lipper waren weit weg.“

Seit 1921 sind Burg und Ländereien im Besitz von Bochum. In den 1990ern stand das Haus zum Verkauf. Doch Bürger wehrten sich gegen die Entscheidung. Aus diesem Protest ging der Förderverein hervor, in dem sich Richter und Hagenkötter seitdem engagieren.

Glänzende Augen bei der „Bimbo-Box“

Jahrhunderte zuvor erstritt die früh verwitwete Sophia Philippina Louisa von Syberg das Erbe ihres noch unmündigen Sohnes. Die Gerichtsherrschaft blieb so in der Familie. Ein Porträt dieser emanzipierten Frau aus dem 18. Jahrhundert hängt an der Wand in der Instrumenten-Schau des Hauses. In einem Glaskasten davor ist eine Gambe ausgestellt, ein historisches Streichinstrument. Laut Hagenkötter gibt es nur noch wenige dieser Art auf der ganzen Welt. Das Ehepaar Hans und Hede Grumbt vermachte der Stadt Bochum rund 1800 Instrumente. Es handelt sich um die größte private Musikinstrumenten-Sammlung in NRW. Aber es gibt im Haus Kemnade noch mehr zu sehen. Das Kulturhistorische Museum zeigt dort noch bis zum 14. Januar die Ausstellung „Umbruch im Königreich Stiepel – Von Luther zum Lutherhaus“.

Eine „Schatzkammer“, eine Sammlung der Sparkasse Bochum, mit Spardosen und Portemonnaies gibt es auch. Glänzende Augen bekommen Bochumer dort, sobald sie vor der „Bimbo-Box“ stehen. 10-Pfennig-Stücke liegen bereit, um die Affenkapelle wie in ihrer Kindheit spielen zu lassen. Da standen sie staunend vor dieser Musikbox im Kortum-Kaufhaus. Den wenigsten dürfte es stören, dass es die Originalbesetzung nicht mehr gibt. So spielt heute nicht ein Affe, sondern ein Teddybär die Gitarre.

„Das können Ritter gewesen sein“

In einem weiteren Raum im Haus Kemnade wird die ostasiatische Sammlung von Kurt Ehrich gezeigt, darunter sind japanische Netsuke: kleine geschnitzte Figuren. Auch hier lohnt ein Blick nach oben. Auf die Holzbalken sind schattengleiche Gesichter gemalt. Richter: „Das können Ritter gewesen sein, aber man weiß es nicht genau.“

Um einen Blick in den Rittersaal mit dem großen Renaissancekamin zu werfen, geht der Besucher in das Restaurant der Burg. Ein weiterer Kamin im Nebenraum erinnert an den Schöpfungskamin in der Musikinstrumentensammlung. Allerdings ist er hier nicht so farbenfroh. Der Besucher sieht, dass er in Betrieb ist. Beim Schöpfungsbild war die Schlange schon zwischen Adam und Eva zu sehen. Aber auch in diesem Raum, bei der Vertreibung aus dem Paradies, hat sie sich versteckt. Melanie Richter zeigt nach oben zur „Kölner Decke“. Auf den verputzten Balken schlängelt sich die Schlange.

>>>Informationen zur Öffnung

Wegen Krankheit ist das Museum bis mindestens Neujahr geschlossen. Sonntag, 10. Dez., 11 Uhr, zum Weihnachtssingen geöffnet (5 €). Schatz-kammer zurzeit geöffnet; Führungen desFördervereins: Tel. 0 23 24/ 30 268, www.fv-hauskemnade.de; Eintritt frei; „Burgstuben Haus Kemnade“sind geöffnet! (Tel: 0 23 24 - 9 33 10)

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