Schlösser-Serie

Kaiserliche Aussichten von der Hohensyburg in Dortmund

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist abends beleuchtet: Das Reiterstandbild steht in unmittelbarer Nähe zur Ruine Syburg.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist abends beleuchtet: Das Reiterstandbild steht in unmittelbarer Nähe zur Ruine Syburg.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Ein Besuch der Hohensyburg in Dortmund ist wie eine Reise durch die Geschichte. Nicht nur Karl der Große hinterließ dort seine Spuren.

Was für eine Aussicht! Denkt der Besucher, wenn er heute durch die Fenster der Syburg im Dortmunder Süden schaut. Was für eine Weitsicht, werden wohl die Menschen gedacht haben, als die Burg noch keine Ruine war. Der Ausblick galt weniger dem seelischen Frieden und mehr dazu, den Feind möglichst früh zu erspähen. Doch selbst die strategisch beste Lage schützt nicht vor Eroberung . . .

Als die Syburg auf dem Syberg noch Sigiburg genannt wurde, bekämpften sich dort die Sachsen mit den Franken, die um 775 die Burg eroberten, unter dem König Karl. Besser bekannt mit seinem Kaisernamen: Karl der Große. Damals standen oberhalb des Ruhrtals Wallburgen. „Sie wurden aus Holz und Erde erbaut“, sagt die Stadtführerin Gudrun Simon von „Dortmund to go!“.

Hohensyburg war schon im 17. Jahrhundert eine Ruine

Erst im 12. Jahrhundert wurden sie ersetzt, durch eine Burg aus Ruhrsandstein. Die Herren von Syberg, die den Kölner Erzbischöfen unterstanden, ließen sich hier nieder. Aber auch für sie galt, dass der gute Standort sie nicht nur schützte, sondern Begehrlichkeiten weckte. Einer der Grafen von der Mark zerstörte 1287 bei der Eroberung einen Teil der Burg. Nach und nach verfiel sie. Bereits im 17. Jahrhundert war sie eine Ruine. Und doch blieb die Anhöhe mit ihrer Aussicht ein anziehender Ort. Zuletzt eröffnete dort 1985 die Spielbank Hohensyburg.

Die Lenne und die Ruhr flossen schon zu Zeiten der ersten Burgherren im Tal zusammen. Aber das viele Grün, das den Betrachter heute begeistert, war damals noch nicht durchschnitten von der A1. Und auch den Hengsteysee mit dem denkmalgeschützten Pumpspeicherkraftwerk „Koepchenwerk“ in Herdecke konnten die Burgherren von der Anhöhe nicht mal erahnen. Es handelt sich zwar um den ältesten der sechs Ruhrstauseen, aber auch der wurde erst 1929 eröffnet.

Diverse Wanderwege führen zur Burg

Nicht nur um den See kann man spazieren, in der Gegend gibt es gleich mehrere Wanderwege. Wer zur Burg möchte, kann vom Parkplatz aus die Treppen hinauf nehmen, direkt neben dem Eingang der Spielbank. Stadtführerin Gudrun Simon empfiehlt jedoch den Weg weiter unten vom Parkplatz aus, an der Hohensyburgstraße entlang.

Der ist nur ein paar Minuten länger, „dafür aber mit einem größeren Wow-Effekt.“ (Wenn Sie vom Parkplatz aus einen Blick auf den wiederentdeckten Brunnen des einstigen Schultenhofs aus dem 11. Jahrhundert werfen können, sind Sie schon zu weit Richtung Spielbank gelaufen.)

Wer also den kleinen Bogen hinaufsteigt und sich rechts hält, stößt als erstes auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Mächtig thront es auf der Anhöhe. 1902 wurde es enthüllt, zu Ehren Kaiser Wilhelms I. (1797 - 1888). Ein überdimensioniertes Reiterstandbild zeigt ihn. Flankiert wird er von zwei weiteren Bronzestandbildern: Sie verkörpern den Reichskanzler Otto Graf von Bismarck und den preußischen Generalfeldmarschall Graf von Moltke. Ursprünglich waren sie nicht zu dritt, sondern zu fünft.

Das Denkmal wurde 1935 umgebaut

Doch die Standbilder von Kronprinz Friedrich Wilhelm und Prinz Friedrich Karl mussten weichen, als ab 1935 das Denkmal umgebaut wurde. „Vermutlich wollte man die Alleinherrschaft von Kaiser Wilhelm betonen“, so Gudrun Simon. Alte Bilder zeigen weitere Türme, neugotisch reich verziert.

Doch unter der Naziherrschaft wurden auch sie weggenommen. „Alles wurde glatt gemacht“, so die 56-Jährige, damit es dem klassizistisch geprägten Baustil des Nationalsozialismus entsprach. Zudem wurden die Lebensdaten von Kaiser Wilhelm I. durch das Datum der Reichsgründung ersetzt: 18. Januar 1871.

Abends ist das festungsgleiche Denkmal beleuchtet. Wobei davon vor allem die Hagener etwas haben. „Den Dortmundern dreht Kaiser Wilhelm den Rücken zu“, sagt Gudrun Simon schmunzelnd.

Der beste Blick auf den Hengsteysee

Bevor man sich die Ruine anschaut, lohnt es sich, bis zum äußersten Eck der Plattform zu gehen. Von dort hat man den besten Blick auf den Hengsteysee. Man geht zurück, bleibt auf der Anhöhe und stößt auf einen Turm, den Vincke-Turm.

Er wurde 1857 auf dem höchsten Punkt des Sybergs gebaut, zu Ehren von Ludwig Freiherr von Vincke. Er war der erste Oberpräsident der 1815 gebildeten preußischen Provinz Westfalen. Und weil er mit Eleonore von Syberg aus dem Haus Busch bei Hagen verheiratet war, gehörte ihm auch die Syburg. Aber bereits damals war sie ja schon eine Ruine.

Neben der Ruine steht die Spielbank

Gudrun Simon steht mitten in der Anlage, neben dem Denkmal, das an gefallene Soldaten der Weltkriege erinnert. Sie schaut nach oben – und direkt in den Himmel. Die Ruine hat keine Decken mehr. Bei erhaltenen Schlössern verraten jahrhunderte-alte Archive, wie sich das Leben dort einst abspielte. Bei der Syburg könne man vieles nur vermuten, so Simon: „Manchmal möchte ich die Zeit zurückdrehen und Mäuschen spielen: Wie war das damals?“

Wer die Treppen wieder hinabgeht, an der Spielbank vorbei und den Parkplatz überquert, stößt auf die Kirche St. Peter, deren Wurzeln nahezu so alt sind wie die der Burg. Doch von diesem Bau ist mehr überliefert. Der älteste Grabstein stammt aus dem 9. Jahrhundert. Auch eine traurige Geschichte sei belegt, so Gudrun Simon: „1297 brannte Dortmund bis auf drei Steinhäuser ab, weil zum Zeitpunkt des Brandes alle löschfähigen Männer die Wallfahrt nach Syburg unternahmen.“

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