Kolumne

Jasis Woche: Im Jogger ins Büro

| Lesedauer: 3 Minuten
Jacqueline Siepmann schreibt Jasis Woche.

Jacqueline Siepmann schreibt Jasis Woche.

Foto: NRZ / Funkegrafik

Jogginghosen sind – zumindest in ihren veredelten Varianten – inzwischen bürotauglich geworden. Unsere Kolumnistin sieht das allerdings kritisch.

Jogginghosen! Erinnern Sie sich? Das sind jene Kleidungsstücke, über die Deutschlands wohl legendärster Modedesigner, der selige und immer stilvolle Karl Lagerfeld, einmal gelästert haben soll, dass, wer sie trage, die Kontrolle über sein Leben verloren habe (ob er das tatsächlich exakt so gesagt hat, ist übrigens nicht ganz unumstritten, aber Einigkeit herrscht darüber, dass ihm genau dieser Spruch absolut zuzutrauen war).

Auf keinen Fall dürfte Her Lagerfeld dabei aber jene gemeint haben, die sich in ihrer Freizeit genau eine solche Hose überziehen, um damit ins Fitnessstudio, zum Sportkursus oder eben auf eine Joggingrunde im Park zu gehen. Denn all jene versuchen ja genau das Gegenteil von dem, wohin Lagerfelds Pfeil zielte, nämlich die Kontrolle über sich und ihren Körper zu behalten oder zumindest wiederzuerlangen. Und zur sportlichen Betätigung trägt man eben ein entsprechendes Outfit. Das ist ja normal und kein Thema, nicht mal für Karl, den Spitzzüngigen.

Aber wenn die Sache mal so einfach wäre ... Das weiß jede(r), die (der) kürzlich mal in einer Boutique oder in der Abteilung für Damenoberbekleidung eines Kaufhauses war: Jogginghosen – überall. Veredelt, aufgehübscht und mit Schmucksteinchen garniert, in sämtlichen Farben, von mittelpreisig bis schockierend teuer. Hauptsache mit legerem Gummibund oben, schon allein wegen der zusätzlichen Pandemiepfunde. In manchen Geschäften hat man mittlerweile Mühe, überhaupt noch andere Modelle zu finden.

Schon umgezogen für den Gymnastikkursus?

Wer einen nicht geringen Teil seiner beruflichen vergangenen zwei Jahre überwiegend in gemütlichen Jogginghosen zu Hause verbracht und das verwaschene Lieblings-T-Shirt nur für Videokonferenzen und Teams-Telefonate mit den Vorgesetzten gegen Blazer oder Bluse eingetauscht hat, muss sich jetzt nicht groß umstellen. Die bequemen Sweat-Teile haben sich nämlich endgültig als offizielles, alltags- und bürotaugliches Kleidungsstück durchgesetzt, gerade jetzt, wo viele wieder an ihre Schreibtische zurückgekehrt sind. Damit es nicht allzu sehr nach Homeoffice aussieht, trägt man dazu obenrum irgendetwas feines Seidiges.

Ich auch. Aber nur kurz. Neulich war ich in diesem superhippen Streetwear-Look bei meiner Mutter zu Besuch. „Ach“, sagte sie und blickte dabei so kritisch an mir herab, wie es nur Mütter können, „gehst du nachher noch zur Gymnastik?! Warum musst du dich denn schon vorher dafür umziehen? Haben die dort keine Umkleidekabinen?“

Ich trage jetzt die alten schmalen, zeitlos schicken Hosen aus meinem Vor-Pandemie-Bestand auf. Das ist bestimmt auch im Sinne von Karl Lagerfeld, dem man in Sachen Mode ja nichts vormachen konnte. „Nichts ist gefährlicher als Sachen aus Stretch, Gummiband und all so’n Quatsch. Soll man nie anziehen. Denn enge Kleidung ist besser als ‘ne Waage. Die beste Disziplin ist: enge Kleidung.“ Diese Sätze hat er genauso gesagt. Die sind verbürgt. Und vermutlich sogar richtig.

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