Kolumne

Jasis Woche: Geschenke aus dem Garten

| Lesedauer: 3 Minuten
Jacqueline Siepmann schreibt Jasis Woche.

Jacqueline Siepmann schreibt Jasis Woche.

Foto: Foto: NRZ / Funkegrafik

Was machte man, wenn bei der Beetumgestaltung Pflänzchen übrig sind? In den Kompost werfen? Nee, viel besser: An Spaziergänger verschenken.

Als wir vor Jahren mal in Zeeland im Urlaub waren und dort nicht nur durch die Dünen und am Strand entlang, sondern auch durch die Wohnsträßchen mit ihren gemütlichen Häusern und den üppig blühenden Gärten liefen, fiel mir etwas auf: Viele Anwohner hatten kleine Töpfe mit Pflänzchen vor ihr Haus gestellt, offenbar die Resultate von Stecklingen oder eigenem Saatgut. Junge Kräuter waren dabei, aber auch Kapuzinerkresse und hübsche Stauden. Auf handgeschriebenen Schildchen daneben standen Hinweise, die übersetzt so viel bedeuteten wie „gratis“ oder „zu verschenken“.

Ich fand das sehr sympathisch und habe ein Pöttchen Petersilie im Teenageralter und eine Pflanze mitgenommen, die ich nicht kannte, obwohl ich damals noch gar keinen Garten, sondern nur einen Balkon hatte. Ich habe sie zu Hause dann gut gepflegt, sie entwickelten sich prächtig und sie zählen zu jenen Urlaubsmitbringseln, an die ich mich besonders gerne erinnere; nicht, weil sie so kostengünstig waren, sondern so restlos untouristisch.

Niederländische Nachbarschaft auf dem Balkon

Nun gut, ich gebe zu, es mag für Außenstehende ein wenig befremdlich klingen, wenn man auf die Frage, ob man sich aus dem Urlaub ein Andenken mitgebracht habe, von einem Topf glatter Petersilie schwärmt. Aber ich hatte eben das schöne Gefühl, dass ich mir mit den Pflänzchen eine sehr nette niederländische Nachbarschaft auf meinen deutschen Balkon geholt hatte.

Und natürlich erinnerte ich mich daran, als ich kürzlich in den Beeten einiges ausgrub, was dort nicht mehr passte oder zu viel Raum einnahm. In die braune Tonne werfen? Viel zu schade. Im Verwandtenkreis verschenken? Dort winkten alle ab. Sie haben schon genug damit zu tun, Katzenminze und Fetthenne einigermaßen im Zaum zu halten, die ich im Frühjahr als ambitionierte Neugärtnerin selbst vermehrt und ihnen anschließend als Präsente aus meinem Garten aufgedrängt hatte.

Pflanzen to go

Also warum nicht denen eine Freude machen, die sowas womöglich gut gebrauchen können?

Ich stellte also am Wochenende ein halbes Dutzend Pflanzen auf das Mäuerchen vor unserem Haus, krakelte auf einen Zettel daneben „Zum Mitnehmen“ und wartete ab (und nein, ich stand nicht heimlich am Fenster, um zu beobachten, ob überhaupt und wer wann zugriff). Jedenfalls waren am Mittag die ersten beiden Pflanzen weg. Am nächsten Morgen war der Platz auf der Mauer leer.

Wunderbar! Alle Gewächse hatten ein neues Zuhause gefunden, wo sie bestimmt jemanden erfreuen würden. Und ich arbeite bereits an Nachschub. Nächste Woche steht eine Beetumgestaltung an. Da könnte wieder was fürs Mäuerchen abfallen. Aber natürlich nur im kleinen Rahmen. Nicht, dass sich irgendwann ein Gartencenter beschwert, dass ich sein Geschäft untergrabe ...

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wochenende

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben