Schlösser

Hugenpoet – Erstklassig essen und nächtigen im „Krötenpfuhl“

Das alte Wasserschloss Hugenpoet dient heute als Hotel und Restaurant.

Foto: Fabian Strauch

Das alte Wasserschloss Hugenpoet dient heute als Hotel und Restaurant. Foto: Fabian Strauch

Essen.   Schlösser-Serie: Schloss Hugenpoet in Essen gehört zu den Luxushotels des Reviers – und strahlt im Charme von Barock und Neo-Renaissance.

Es gibt nicht allzu viele Schlösser im Ruhrgebiet, bei deren Erwähnung sehr viele gleich ein Bild vor Augen haben. Doch Hugenpoet gehört dazu, obwohl es ganz still am Rand von Kettwig liegt. Oder vielleicht gerade deshalb. Denkt man an Hugenpoet, sieht man vor Augen das marmorne Treppenhaus mit dem schwarzweißen Kachelmuster, gemütliche Salons mit ihren Kaminen, Wintergarten, Wassergräben, Schlossgarten. Es spielt weit vorn mit unter den Luxushotels des Landes und steht für gehobene Gastronomie. Dass dies so ist, verdankt es ursprünglich einem Notstand.

Denn nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Besitzer, die Familie von Fürstenberg, wie so viele Adelsgeschlechter ein beschädigtes Wasserschloss und hohe Unterhaltskosten. „Nachdem der Krieg vorbei war, befand sich das Schloss in einem schwierigen Zustand. Dann hat man überlegt, was man mit der Immobilie macht. Man hat mit dem befreundeten Hotelier Neumann die neue Nutzung beschlossen“, sagt Alexandra Schenk, Direktorin des Schlosshotels. Mit großer Eigeninitiative und Investitionen habe der Pächter das Schloss so weit nach vorne gebracht.

Hugenpoet, was so viel wie „Krötenpfuhl“ bedeutet und auf die feuchte Lage an der Kettwiger Ruhr­aue hinweist, kann auf eine Vergangenheit als Königsgut blicken, die bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht. Im Jahr 1314 erhielt der Ritter Vlecke von Hugenpoet den Hof als Lehen, er erweiterte ihn später. Im Jahr 1509 bauten die Hugenpoets dann eine Burg, die 1633 zerstört wurde. Bis 1696 errichtete die Familie von Nesselrode zu Hugenpoet das Schloss neu und zog ein, wovon die Jahreszahl auf dem Marmorportal in der Lobby zeugt.

Ein Portal aus Marmor

„Es ist überliefert, dass es ursprünglich ein Portal für eine Kirche war. In Ratingen gab es einen Marmorbruch, der irgendwann erschöpft war. Der Stein reichte nicht mehr für die Kirche. Dann hat Erasmus von Nesselrode das Portal erworben. Es diente früher dazu, den öffentlichen Bereich von den Privaträumen zu trennen“, so Alexandra Schenk. Das Portal steht seit 1696 an derselben Stelle und markiert heute den Zugang zum Treppenhaus, das zu den Hotelzimmern führt.

Derzeit bietet Hugenpoet 36 Zimmer. Ein Blick in die „Peter Ustinov Suite“ mit ihrer stilvollen Einrichtung, separatem Schlaf- und Wohn-/Arbeitszimmer, mehr als vier Meter hohen Decken und einer hinreißenden Aussicht in den Schlosspark macht deutlich, dass hier zu wohnen mehr ist als reines Übernachten. „Jedes der Hotelzimmer ist individuell eingerichtet, keines gleicht dem anderen“, sagt Monika Uschkamp, Marketing-Leiterin auf Hugenpoet.

Gastronomisch steht das Schloss heute fest auf zwei Pfeilern. Im Inneren findet man das früher in der Remise beheimatete „Hugenpöttchen“, das täglich im Wintergarten Brasserie-Gerichte der Top-Köchin Erika Bergheim serviert. Bergheim, die 2003 mit ihrem Gourmet-Restaurant „Nero“ einen Michelin-Stern erwarb, steht zudem persönlich an den Abenden von Donnerstag bis Samstag und am Samstagmittag im neuen Gourmet-Restaurant „Laurushaus“ in der Zehntscheune des Schlosses, in der im Mittelalter Steuern von den Bauern erhoben wurden.

Erst der Wein, dann das Gericht

Mit nur zwanzig Sitzplätzen im „Wohnzimmer“, zwölf im Wintergarten und einer offen einsehbaren Küche ist klar, dass hier eine kleine, anspruchsvolle Klientel erreicht werden soll. Und für die gibt es zu den Gerichten empfohlene Weine von Sommelière Carla Veenstra: „Es kann sein, dass Frau Veenstra in die Küche geht, sagt: ,Ich habe da einen tollen Wein, habt ihr eine Idee dazu?’ Und dann entwickelt Frau Bergheim mit ihrem Sous-Chef ein Gericht“, so Monika Uschkamp. Auch spezielle Angebot werden gemacht wie das „Dinner for one – but not alone“, das sich an alleinstehende Menschen richtet, die ein Vier-Gänge-Menü nicht alleine essen wollen, sondern sich gern darüber austauschen.

Im Herbst herrscht Hochsaison auf Hugenpoet, wohl auch, weil das Schloss mehrere prachtvolle, befeuerbare Kamine mit klassischen Szenen in verschiedenen Räumen hat. Die Geschichten von Kain und Abel, von Lot und der Kampf um Troja sind auf den Renaissancekaminen dargestellt. Ursprünglich stammen diese drei Stücke von Schloss Horst in Gelsenkirchen, die Familie von Fürstenberg brachte sie mit, als sie ihren Wohnsitz 1879 nach Hugenpoet verlegte. Hier kann man zum prasselnden Kaminfeuer im November und Dezember beim so genannten High-Tea zu Live-Pianoklängen seinen Tee mit Scones, Sandwiches und Petits Fours genießen.

Auf Hugenpoet wird oft die Gastronomie mit einem Event verknüpft, so gibt es auch Veranstaltungen für Weinkenner, für Kinder und natürlich den Nikolausmarkt (siehe Kasten), der sich von der Vorburg bis in den Park hinein erstreckt.

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