Haushaltsgeräte

Heimliche Helden des Haushalts - Geräte und ihre Geschichten

Gegner des Wäschetrockners mögen ihre Argumente haben. Aber warme, weiche und geschmeidige Wäsche verräumt sich doch gleich viel leichter.

Gegner des Wäschetrockners mögen ihre Argumente haben. Aber warme, weiche und geschmeidige Wäsche verräumt sich doch gleich viel leichter.

Essen.   Wäschetrockner, Thermomix, BVB-Toaster und Co.: Liebeserklärungen an Alltagsgegenstände, die das eigene Leben ein wenig bunter machen.

„Kannst du die Wäsche nicht entkrumpeln, bevor du sie aufhängst?“ Ich weiß nicht, wie oft dieser Satz fiel, wenn der Wäscheständer mal wieder eher Trash-Art-Objekt war als praktischer Haushaltshelfer. Mit Sockenhäufchen, verdrehten Pulloverärmeln und zerknautschten Unterhosen zwischen den Stangen des Gestells. So ein Kunstwerk trocknet leider langsamer als ausgeschüttelte und in Form gezogene Wäsche, ganz zu schweigen vom zerknitterten und müffelnden Ergebnis. Mein Partner aber wollte von konstruktiver Kritik nichts wissen und trat lieber die Flucht nach vorne an: „Jeden Morgen stolpere ich über diese Wäscheständer, ich kann sie nicht mehr sehen! Wollen wir uns nicht endlich einen Trockner leisten?“

Jede Menge Vorurteile

Ich hätte einfach nachgeben können. Aber etwas in mir, vermutlich mein Über-Ich, hielt den Wäschetrockner für böse. Oma hatte keinen, Mama hatte keinen. Wenn etwas von alleine geht und auch noch gratis, braucht man dafür keine Maschine. Dazu kamen ökologische Bedenken. Wäschetrockner sind Energiefresser und wenig nachhaltig, weil die Wäsche vorzeitig verschleißt.

In Amerika gab es sogar Wäscheleinen-Aktivistinnen. Ihre Gegner waren Immobilienbesitzer, die um den Wert ihrer Häuser fürchteten, weil sie mit Wäscheleinen im Vorgarten sozialen Abstieg verknüpften. Deutsche Krimis sehen das ähnlich, hier sind Wäscheständer wichtige Requisiten für überforderte Alleinerziehende oder Trinker-WGs.

Der nächste Wäschestreit

Beim nächsten Wäschestreit hieß es, wir seien bald die einzigen, die keinen hätten, diesmal listig unterlegt mit einer Facebook-Umfrage. Sogar die Nachbarn hatten sich nach langen Diskussionen geeinigt und stolz zur Besichtigung geladen. Auch das Ökoargument drehte sich zu meinen Ungunsten. Klar: Im Sommer sind Luft und Sonne das Beste, aber im Winter beugt ein Trockner Schimmelbildung in der Wohnung vor. Hatte meine Mutter nicht neulich über Schimmel im Badezimmer geklagt?

Mir blieben nur noch zwei letzte Argumente: Die eigentliche Arbeit ist nicht das Aufhängen, sondern das Zusammenlegen und Einräumen. Und der hohe Wäscheabrieb. „Tod auf Raten“ nennen das Trocknergegner: Wer will das seinem Lieblingspyjama antun?

Endlich keine Wäscheständer mehr

Und doch, nach fast zehn Jahren mit einer Toilette, die man nur nach erfolgreicher Umgehung von zwei Wäscheständern erreichen konnte, lenkte ich ein. Nicht aus Überzeugung freilich – ich hatte die Streitereien satt. Und es kam zusammen, was zusammen gehört: Waschmaschine und Wäschetrockner endlich vereint. Mein Mann freute sich, pries die Vorzüge des jetzt stolperfallenlosen Badezimmers und überließ mir das erste Mal.

Herrlich, wie sich die Trommel dreht

Ich setzte mich auf einen Hocker daneben und schaute der Wäsche beim Trocknen zu. Das Geräusch beruhigte mich, die Trommel drehte sich sanft, T-Shirts und Socken schienen sich wohlzufühlen. Was mich aber am meisten überraschte, war der neue Spaß beim Zusammenlegen. Warme, weiche und geschmeidige Wäsche verräumt sich gleich viel angenehmer. Auf Wiedersehen, Wäscheverräumschwäche, tschüss, Bügeleisen! Endlich ist es da: Das Hochgefühl, nicht mehr in Wäschebergen zu versinken, sondern tatsächlich alles im Griff zu haben. Die Gefahr, im Wäschekreislauf einen Posten zu lange liegen zu lassen und das Kind dann ohne Trikot zum Fußballtraining schicken zu müssen, ist endlich gebannt.

Nach zwei Trocknertagen war ich dann schließlich bereit zur Kapitulation. Ich hätte mich geirrt, der Trockner sei super, sagte ich. Gut, meine Jeans waren jetzt etwas kürzer. Und wie das mit den verschiedenen Programmen für die einzelnen Wäschesorten gehen soll, verstand ich auch noch nicht so ganz. Nasse Hemden zwischenlagern – gar auf dem Wäscheständer? Ein Zweitgerät anschaffen? Aber das verschwieg ich meinem Mann. Ich gönnte ihm seinen Sieg. „Ok“, meinte er, „dann kann ich es dir ja sagen: Meine Hemden sind ein bisschen enger geworden. Aber das ist auch gut. Es spornt mich an, mehr Sport zu machen.“

>> Mein BVB-Toaster ist mein Leben

Ich habe einen besonderen Toaster. Mein Toaster ist schwarz-gelb und trägt das Logo von Borussia Dortmund. Steckt man zwei Toastscheiben hinein, dann brennt der Toaster den Schriftzug „BVB“ darauf. Und wenn sie herausspringen, erklingt krachend laut die aus dem Stadion bekannte Borussia-Hymne.

Ich gebe zu: Meine Frau und meine beiden Kinder treibt das regelmäßig in den Wahnsinn. Gerade morgens, wenn alle verschlafen am Küchentisch kauern und keiner ein Wort reden will, sorgt es häufig für Irritationen, wenn, verbunden auch noch mit dem knallenden Hochschießen der Brotscheiben, plötzlich die Fangesänge durch unsere gesamte Wohnung dröhnen. Denn diese kann man, sofern man ihre innere Schönheit nicht so ausgiebig studiert hat wie ich es getan hab, unter Umständen vielleicht auch ein wenig rustikal finden.

Aber meine Familie muss da einfach durch. Denn für mich verbinden sich gleich zwei Sehnsuchtsorte aus meiner Kindheit mit diesem Moment. Zum einen natürlich die bedingungslose und natürlich auch ein bisschen ironisch durchzogene Liebe zu einem Fußballverein. Zum anderen dieses überaus magische Gerät, das aus wirklich jeder vertrockneten Graubrotscheibe noch etwas Genießbares macht, auf dem man dann der Butter beim Schmelzen zusehen kann. Deshalb: Danke, Toaster! (femü)

>> Das Lied des alten Staubsaugers

Meine Schwiegermutter nähert sich dem 90. Geburtstag. Ein Leben lang hat sie hart gearbeitet, bewohnt ein Häuschen mit Garten auf dem Lande und kann sich nicht vorstellen, jemals umzuziehen. Weder zu ihren Kindern noch ins Altersheim. Ihr Haus ist ihre Scholle. Punkt.

Natürlich schmeißt sie den Haushalt noch selbst, egal, wie wackelig sie auf den Beinen ist. Bei ihr zuhause sieht es geputzter und ordentlicher aus als bei uns in der Großstadtwohnung. Zwischenzeitlich versuchten wir, ihr eine Haushaltshilfe aufzuschwatzen. Die Dame kam schließlich einige Wochen, dann stellte meine Schwiegermutter bestimmend fest: Die putzt nicht gut. Weg war sie.

Also probieren wir regelmäßig, mit Hilfe moderner Geräte ihren Alltag zu erleichtern. Und so kauften wir ihr einen zeitgemäßen Staubsauger – leicht und handlich. Denn ihr alter Staubsauger ist definitiv ein Modell aus der Hölle: Er wiegt tonnenschwer, ist sperrig und das Kabel ist so unpraktisch lang, dass man damit locker im Umkreis von 500 Metern saugen könnte. Ich habe keine Ahnung, wie meine fragile Schwiegermutter dieses Monstrum über ihre Treppen gewuchtet kriegt.

Doch der neue Staubsauger, so klein und hübsch und signalrot er ist, findet bei ihr einfach keine Akzeptanz. Immer wenn ich sie besuche, merke ich: Der alte Trumm steht wieder vorn. Und der neue? Verstaubt in der Ecke. (slei)

>> Wie eine Küchenmaschine unsere Straße erobert

In unserer Straße geht ein Virus um. Er heißt Thermomix. Immer mehr Nachbarinnen sind davon befallen und stecken weitere an. „Hast du auch schon einen Thermomix?“ wird gefragt, wenn man sich trifft, nicht mehr, ob Julius seinen Husten los ist und ob die Versicherung den Wasserschaden in Müllers Keller übernimmt. Dieses Thermomix-Ding, es ist fast schon eine Seuche. Wer sie in unsere beschauliche Siedlung getragen hat? Ich habe es herausgefunden. Es war Antje, die nette Mutter von gegenüber.

Ein angeblicher Alleskönner

Doch auch sie ist ein Opfer. Eine Freundin habe sie vor zwei Jahren mit ihrer Begeisterung für das Multifunktionsgerät der Firma Vorwerk angesteckt, erzählt Antje. Und dass diese Küchenmaschine so ziemlich alles könne: dünsten, kochen, pürieren, mixen, backen, ja sogar Eier kochen, Sahne schlagen und Eis machen. Klingt in der Tat beeindruckend. Was Antje aber vor allem daran überzeugt hat, ist das gleichzeitige Zubereiten von Kartoffeln, Gemüse, Fleisch und Fisch. „Ich stapel alles in den Thermomix, programmiere die Zeit und gehe aus dem Haus. Wenn ich wiederkomme, ist das Essen für die Familie fertig.“

Wow. Doch wie alles im Leben hat auch der Thermomix seinen Preis. 1200 Euro nämlich. Und man braucht Disziplin, um sich in die Bedienung einzufuchsen. Immerhin gibt es wohl ein Programm, das die Schritte diktiert. Nur lasse ich mir nicht so gern sagen, was ich tun soll, erst recht nicht von Maschinen. Und denke mit Grausen an ungenutzte elektrische Eierkocher, Apfelentkerner und Pizzaschneider in meiner Küche. So ein Thermomix könnte bei mir zur teuren Altlast werden. Aber, Antje: Neugierig hast du mich gemacht. Ganz immun bin ich wohl nicht. (bea)

>> Die tragische Geschichte unserer Spülmaschine

Eigentlich hatten wir immer eine Spülmaschine. Doch dann zogen wir um. Die neue Küche wurde um die alte Spülmaschine herumgeplant – warum sollten wir das gute Gerät in der alten Wohnung stehenlassen? Also ließen die Monteure der neuen Einbauküche eine Lücke.

Dann kam der Tag des Umzugs. Die Umzugsleute sagten: Nee, keine Chance, die kriegen wir nicht rausgezogen. Man hätte die Arbeitsplatte der Küche zersägen müssen, um alles heil herauszuretten. Großzügig sagten wir – gut, dann hat der Nachmieter jetzt gerade eine Spülmaschine gewonnen. Wir kaufen eine neue. Denkste. Der Umzug, die Renovierung der neuen Wohnung, die Möbel, die schicke frische Küche – wir hatten uns finanziell schlicht übernommen. Das Konto war gähnend leer. Und nicht nur das. Ein Kredit musste aufgenommen werden, um alles abzubezahlen.

Drei Jahre war das dunkle Spülmaschinen-Loch in unserer Küchen so etwas wie ein Mahnmal unserer Finanzen. Mehrmals am Tag spülten wir das Geschirr. Der Gatte wollte das als familieneinende Sozialmaßnahme verkaufen, aber ich hasste es nur. Spülhände, pfui! Dann, nach 36 Monaten, war es so weit: Wir kauften eine neue Spülmaschine. Ich liebe sie bis heute!

>> Warum wir eine singende Espressomaschine haben

Wer wissen will, wie andere Menschen sind, muss ihnen dabei zuschauen, wie sie sich ihren Kaffee zubereiten. Wahrscheinlich hat jeder im Leben so ein Aha-Erlebnis mit Kaffee. Für mich wird zum Beispiel die Erinnerung an die DDR immer mit dem stumpfen Geschmack von Kaffeesatz verbunden sein. Weil es keine Filter gab, goss man den Kaffee, sofern man welchen hatte, einfach mit Wasser auf und ließ ihn abstehen. Wer zu früh aus der Tasse trank, hatte sich als Wessi enttarnt.

Die eleganteste Art, Kaffee zuzubereiten, kommt fraglos aus Italien. Der Caffè am Morgen wird stilecht in der Bar getrunken, in einem Zug. Wer zuhause Kaffee kocht, begnügt sich mit der „Mokka“, der Espressokanne für den Herd. Die Technik ist seit der Erfindung um 1945 die gleiche.

Deswegen wurde ich neugierig, als ich im Italienurlaub eine Espressokanne mit elektronischem Display sah. Begeistert erklärte der Wirt die Funktionen. Das Wasser wurde wie bei einem Wasserkocher elektrisch erhitzt. Wenn der Kaffee hochgestiegen war, ertönte ein akustisches Signal. Vergaß man ihn, schaltete das Maschinchen auf „warm halten“. „Nie wieder übergelaufener Kaffee, keine verbrannten Gummidichtungen“: Der Mann war begeistert.

Und wir auch. Auf dem Heimweg hatten auch wir so ein elektronisches Wunderding im Gepäck. Und erschraken, als wir am heimischen Küchentisch saßen. Ja, es brodelte und duftete zuverlässig – aber dann dröhnte plötzlich eine elektronische Melodie durch den Raum, die eher nach Tamagotchi als Bialetti klang. Zum Glück konnte man sie abschalten. Was lernt man daraus? Japaner sind groß in Elektronik, die blinkt und singt. Italiener haben ein Faible für Spielereien. Und Deutsche? Mögen Maschinen. Und bringen sich offenbar gern Küchengeräte aus dem Ausland mit. (utke)

>> Liebe auf den ersten Blick: das Zahnstocher-Huhn

Es gibt Dinge, die sind so unfassbar sinnlos, dass man sie einfach haben muss. Zum Beispiel das Zahnstocher-Huhn. Es stand in einem Ramschladen auf Augenhöhe und schien mich anzuzwinkern. Auf der Rückseite, wo echte Hühner das Bürzel haben, hatte es einen Druckknopf. Als ich drauf drückte, sprang aus dem Kopf des Huhns – zack! – ein Zahnstocher. Ich war so perplex, dass ich laut loslachte. Alles Mögliche hätte ich erwartet, ein Gackern, ein Krähen, vielleicht ein kleines Ei – aber Zahnstocher? Ich kaufte erst eins, nur für mich. Nach einer Woche kam ich zurück und kaufte den Rest auf Bestellung von Freunden.

Anfangs gab es zu Hause Kritik. Was sollte das denn? Inzwischen wissen wir: Das Huhn ist unendlich nützlich. Zum einen weiß man nun endlich, wo, verdammt noch mal, die Zahnstocher zu finden sind, wenn man sie wieder mal braucht. So ein Huhn am Tisch lockert außerdem die Atmosphäre. Man hat immer was zu spielen und zu erzählen, wenn der Dialog mal stockt. Sind kleine Kinder dabei, die sich langweilen: bitte das Zahnstocher-Huhn! Und die Faszination, es komplett zu entleeren und wieder zu füllen, geht wunderbarerweise gegen unendlich. (uk)

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