Schlösser

Haus Herbede – Zwischen Ritterspracht und klammen Kassen

Im Tor von Haus Herbede erkennt man Schießscharten.

Foto: MATTHIAS GRABEN

Im Tor von Haus Herbede erkennt man Schießscharten. Foto: MATTHIAS GRABEN

Witten.   Schlösser-Serie: Haus Herbede, eine ehemalige Wasserburg, ist das älteste Gebäude von Witten – und dient heute der Kultur und der Romantik.

Auf den ersten Blick mag man es kaum glauben: Haus Herbede ist noch älter als die Burgruine Hardenstein, die keine drei Kilometer weit entfernt liegt. Dennoch ist von der historischen Substanz so viel mehr erhalten, dass man dem ehemaligen Adelssitz derer von Elverfeldt kaum die verflossene Zeit ansieht. Hinweise gibt es dennoch: In der Außenmauer des Geländes sind noch die Schießscharten zu sehen. Und einst wurde die damalige Burg von zwei Wassergräben vor umher streunendem Gesindel und feindlichen Heeren geschützt. Wer ganz genau hinsieht, entdeckt noch die Stellen, an denen früher die Zugbrücke übers Wasser führte.

Gewiss, Haus Herbede ist nicht der größte Adelssitz. Erstmals erwähnt als Gut wurde es im 11. Jahrhundert. Und dass es die darauf folgenden Jahrhunderte so gut überstand, verdankt es den Herren von Elverfeldt. Sie zogen hier im Jahr 1311 ein – und gingen erst im Jahr 1889 wieder von hier fort.

Sie verdienten ihr Geld mit Brückengeld für die Überquerungen der nahe gelegenen Ruhr – und mit Gerichtsgebühren. Allerdings scheinen die Geschäfte niemals ganz blendend gelaufen zu sein, meint zumindest Volker Marquaß, Geschäftsführer der Haus Herbede Betriebs GmbH und heute oberster Herr in diesem Gemäuer. Er kann das festmachen an dem prinzipiell prächtigen Relieffeld mit den beiden säumenden Postament-Säulen, die im etwas beengten Innenhof sofort ins Auge fallen und zu den optischen Höhepunkten des Hauses zählen. „Man sieht, dass sie damals wahrscheinlich die preiswertesten Handwerker genommen haben und Stück für Stück haben arbeiten lassen. An den Säulen erkennt man sofort: Links ist die Ornamentik ausgebildet, rechts nicht“, so der Burgherr. Er kennt eben auch die Schwächen des Gebäudes ganz genau.

Nach dem Ende der Adelszeit übernahm die Firma Dittmann & Neuhaus das Gebäude, die es als Wohngebäude für die Arbeiter in ihrer Eisenverarbeitung nutzten. Und von den 1950er- bis in die 70er- Jahre verfiel das mittlerweile in kleine Wohnungen aufgeteilte Haus, bis sich Anfang der 1980er-Jahre der Wittener Bruno Sobotka mit einem Förderverein für den Erhalt einsetzte – sonst wäre das historische Gemäuer wohl den Verkehrsplanungen in Herbede zum Opfer gefallen. Happy End: 1985 erwarb das Freizeitzentrum Kemnade für die symbolische „eine Mark“ den Sanierungsfall – und setzte ihn mit zahlreichen Förderern bis 1988 instand.

Heute zeigt sich Haus Herbede als Kultur- und Begegnungshaus. Wer etwa Wert auf ein historisches Ambiente am schönsten Tag seines Lebens legt, kann sich hier trauen lassen. „Wir haben insgesamt 150 Trautermine“, sagt Claudia Spoo, die Marketing und Öffentlichkeitsarbeit für das Freizeitzentrum Kemnade macht. Marquaß ergänzt: „Wer hier heiratet, der will will die Trauung am Freitag oder Samstag.“

Ein Pächter für die Gastronomie fehlt

Derzeit gibt es keinen festen Pächter für die Gastronomie in Haus Herbede, so dass Kellergewölbe, Rittersaal und Kaminzimmer nicht kontinuierlich betreut sind. Was auch deshalb schade ist, weil das Kaminzimmer eine stilvolle Umgebung für Gäste ist, Porträts der letzten Bewohner aus der Elverfeldt-Familie hängen an den Wänden, in einer Nische sitzt eine Skulptur von Till Eulenspiegel.

Der älteste Teil des Gebäudes, ein ehemaliger Turm, ist von den Wirtschaftsräumen der Gastronomie in Beschlag genommen. Hier findet man die Replik einer Rüstung, deren Original vor Ort gefunden wurde und die heute im Museum für Archäologie in Herne zu bewundern ist. „Das war kein Kampfanzug, eher ein Ausgehanzug, um Eindruck zu schinden“, so Marquaß.

Statt eines festen Gastronomen stehen Caterer zur Verfügung. „Wir arbeiten an einem neuen Gastro-Konzept“, sagt Marquaß. Auch der Biergarten könnte dann wieder regelmäßig betrieben werden. An seinem Rand stehen Maschinenteile einer Stahlfabrik, die einen hübschen Kontrast zur Kulisse bilden.

Auch für Ausstellungen, meist mit Angehörigen des Wittener Künstlerbundes, werden die Galerieräume genutzt. Und in den Seminar-Räumen kann man hinter mittelalterlichen oder Barock-Türen tagen und Treffen abhalten. Die Vorburg schließlich wird von Kunsthandwerkern genutzt: Glasbläserei, Schmuckdesign, Strickkunst, Buchbinderei und Keramik. Mehrmals im Jahr veranstalten die Herbeder hier auch ihre Kunsthandwerkermärkte (nächster Termin: 2./3. Dezember).

Und, fast hätte man’s vergessen: Natürlich ist Haus Herbede optimal angebunden ans Freizeitzentrum Kemnade, also prima geeignet als Zwischenstation bei einer Tour am Kemnader See.

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