Fußball-WM

Fußball-Anekdoten über Beton-Bälle und Nicht-Schwimmer

Da kribbelt es doch in den Füßen: Doch wehe, wer bei diesen Fußbällen einen Schuss wagte. 2006 verletzten sich drei Menschen mit diesen in Berlin verteilten Beton-Bällen.

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Da kribbelt es doch in den Füßen: Doch wehe, wer bei diesen Fußbällen einen Schuss wagte. 2006 verletzten sich drei Menschen mit diesen in Berlin verteilten Beton-Bällen.

Bochum.   Der Fußball-Komiker Ben Redelings hat Anekdoten rund um den Ball zusammengetragen. Wir geben eine kleine Kostprobe:

Bei der WM 1954 müssen die Raucher hinaus aufs Wasser ausweichen, damit Sepp Herberger die Gelüste der Spieler nicht mitbekommt. Eines Nachmittags, als man wieder einmal mit mehreren Booten auf den Thuner See gerudert ist, planscht Heinz Kwiatkowski wie ein junger Hund im Wasser. Die Mitspieler des Torwarts lachen sich halbtot, bis Ottmar Walter endlich realisiert, dass der »Heini« nicht schwimmen kann. Mit vereinten Kräften wird der Dortmunder gerettet. Als seine Frau Käthe von dem Malheur erfährt, dreht sie durch: »Da kommst du mir nicht mehr hin, die bringen dich bei der Nationalmannschaft noch um!«

Zeit für die Rote Karte!

Bei der WM 1966 hat Schiedsrichter Rudolf Kreitlein auf dem Rasen des Londoner Wembleystadions die Nase voll. Der nur 1,62 m kleine Schiri versucht verzweifelt, dem 1,96 m langen Argentinier Antonio Rattin deutlich zu machen, dass dieser den Platz verlassen muss. Doch Rattin ignoriert den deutschen Schneidermeister und geht einfach nicht vom Feld. Stattdessen verzehrt Rattin genüsslich Schokoriegel, die das erzürnte Publikum auf den Rasen wirft. Erst nach acht Minuten verlässt der Argentinier fluchend den Platz. Als Kreitlein nach 90 Minuten abpfeift – England hat mit 1:0 gewonnen –, müssen ihn sieben Bobbys vor den erregten Südamerikanern beschützen. Der Schiri: »Ich hatte Rattin nach einem Foul an Bobby Moore auf Englisch verwarnt: One more and you go. Als er danach eine abfällige Geste zu mir machte, war das Maß voll.« Danach erfindet Kreitlein zusammen mit seinem Kollegen Aston die Gelben und Roten Karten!

Die Polizei dein Freund und Fan-Helfer

110 Niederländer verpassen 1974 nach dem WM-Spiel ihrer Mannschaft gegen Brasilien in Dortmund die Abfahrt ihrer Busse und bitten die Polizei um Hilfe. 30 Übernachtungen kann man umgehend in der örtlichen Sporthalle und bei Helfern organisieren. 21 Niederländer haben nach dem Sieg nicht einmal mehr genug Geld für die Rückfahrt. Das Konsulat muss einspringen. Ein Fan hat besonderes Pech: Seine Freundin bricht sich während des Spiels einen Knöchel und muss in ein Krankenhaus gebracht werden. Er bleibt selbstverständlich vor Ort im Westfalenstadion und feiert den Sieg seiner Mannschaft. Anschließend will er zu seiner Frau, hat aber den Namen des Hospitals vergessen. Auch hier hilft die Polizei aus und eskortiert den siegestrunkenen Niederländer im Funkwagen zum Krankenhaus.

Das verschwundene Telegramm

Die Trainer-Legende Rudi Gutendorf hat diese Geschichte bis heute nicht verwunden: 1982 soll der Trainer Kamerun zur WM in Spanien führen. Als ihn das Angebot der Löwen erreicht, ist Gutendorf noch Coach in Tansania. Doch dort lässt er sich freistellen und regelt in kürzester Zeit auch alles mit dem DFB. Anschließend sendet er sofort ein Telegramm nach Kamerun und bestätigt den Job. Im offiziellen WM-Programm wird Gutendorf sogar bereits als Trainer von Kamerun geführt. Doch leider kam sein Telegramm mit der frohen Botschaft nie in Kamerun an. Die 84 Dollar, die der Trainer für die Dienstleistung dem Postboten bezahlt hatte, steckte sich dieser lieber in die eigene Tasche.

Frohnatur mit Dachschaden

Bei der WM 1982 wird Schiedsrichter Walter Eschweiler vom peruanischen Spieler Velasquez über den Haufen gelaufen. Der rheinische Diplomat Eschweiler macht eine Rolle rückwärts, bleibt für einen Moment benommen am Boden sitzen. Anschließend rappelt sich „Die Pfeife der Nation“ auf und steht kerzengrade. „Eine deutsche Eiche wankt, aber sie fällt nicht“, meint Eschweiler hinterher. Den Beamten im diplomatischen Dienst erwartet schließlich in der Halbzeitpause sein Chef am Telefon. Außenminister Hans-Dietrich Genscher fragt Eschweiler besorgt, wie es ihm gehe. Die rheinische Frohnatur kann Genscher beruhigen: „Lieber Herr Minister, außer dem angeborenen Dachschaden liegt keine nennenswerte Beschädigung vor.“

Der Beton-Kick - Autsch!

Für einen großen Eklat während der WM 2006 in Deutschland sorgt ausgerechnet eine Berliner Künstlergruppe. Weil sie 16 mit Beton gefüllte Fußbälle an öffentlichen Orten an Wände hängt und auf den Boden legt, müssen sich die Mitglieder vor Gericht verantworten. Die Künstler, die einzelne ihrer Bälle mit dem Satz ›Can U Kick It?‹ versehen haben, hatten nicht bedacht, dass diese Frage durchaus jemand auch als Aufforderung missverstehen könnte. Und genau dies geschieht. Zwei junge Männer treten gegen die als Fußball getarnte Betonkugel und verletzen sich so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen. Die Presse ist entsetzt und spricht hinterher von ›hundsgemeinen Fußbällen‹.

Die besten Sprüche der Fußball-Weltmeisterschaften sowie ein Interview mit Ben Redelings zu seinem Buch „Ben Redelings’ WM-Album“.

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