Das besondere Museum

Feuer und Flamme für prächtige historische Löschfahrzeuge

Brandheißer Einsatz: Hartmut Schlüter steht alles andere als auf dem Schlauch in seinem „Feuer.We(h)rk“-Museum auf der Henrichshütte in Hattingen.

Brandheißer Einsatz: Hartmut Schlüter steht alles andere als auf dem Schlauch in seinem „Feuer.We(h)rk“-Museum auf der Henrichshütte in Hattingen.

Foto: Ingo Otto

Hattingen.   Eine echte Ewigkeitsaufgabe: Aus der Sammlung roter Feuerwehrautos wird das Museum „Feuer.Wehrk“ in der Hattinger Henrichshütte.

Nein, er gehört nicht zu den Männern, die als Junge so unbedingt Feuerwehrmann werden wollten wie der kleine Kinderbuch-Drache Grisu. Aber eine ziemlich besondere Beziehung hat Museumsleiter Hartmut Schlüter zum „FEUER.WEHRK“ – das H muss man sich auf diesem Pulloveraufdruck sozusagen in Klammern denken – auf der Henrichshütte in Hattingen: „Das Museum ist unser drittes Kind neben den 25-jährigen Zwillingen, sagen meine Frau und ich immer.“

Wobei man über die Erstgeburt streiten kann. Den Verein und die ursprüngliche, in jeder Beziehung offene Sammlung von Feuerwehrfahrzeugen auf dem Gelände unter dem alten Hochofen gibt es bereits seit 1985. Das Museum wurde 2006 in einer Nebenhalle gegründet, „und seit 2009 ist das Dach dicht“, was man laut Schlüter als eigentliches Gründungsdatum betrachten könne. Die Pacht beträgt ein Euro, die Abwassergebühren jedoch rund 4000 Euro im Jahr, viel Geld für einen Verein mit 80 Mitgliedern.

Ein Riesen-Raum, natürlich unheizbar

Auf den ersten Blick ins Museum könnte man meinen: Der Star ist die Halle. Das ehemalige Zentrale Reserveteil-Lager der Hütte zwischen Hochofen und dem abgerissenen Stahlwerk, schön kryptisch abgekürzt ZRTL, bietet 4500 Quadratmeter Industriekulisse unter einem nicht nur dichten, sondern auch sehr hohen Dach. Erstmals schaffte man es dieses Jahr als Standort der Industriekultur in die Extraschicht. Auch als „Eventlocation“ für Hochzeiten, Konzertort und Dreh für Videoclips kann das ZRTL dienen.

Der Riesen-Raum ist natürlich unheizbar, versteht sich, warum die im Mai beginnende Museumssaison am nächsten Sonntag mit einem ganztägigen Abschlussfest endet. Neben Kuchen und Co. gibt es für vier Euro Eintritt pro Nase und zehn Euro für Familien in der „Sonderbar Fahrenheit 451“ möglicherweise auch Getränke an der – Achtung, schlimmer Fall von Feuerwehrjargon – als „Saugstelle“ gekennzeichneten Zapfanlage. Ganz legt man sich aus unterschiedlichen bürokratischen Hemmnissen noch nicht fest. Nur so zur Erinnerung: Im Filmklassiker „Fahrenheit 451“ (der Temperatur, bei der Papier zu Brennen beginnt) von 1966 werden Feuerwehrleute von einem totalitären Staat zur Bücherverbrennung eingesetzt.

Autos mit Drehleiter und Blaulicht und Sirene

In der Halle dominiert RAL3000, Farbcode für das klassische Rot der Feuerwehrautos. 60 der „roten Riesen“ stehen hier, 10 davon verkehrstüchtig: Magirus Deutz Rundschnauzer, Opel Blitz und Mercedes-Benz, auch ein selbstgemachtes Einzelstück auf Kleinlaster-Basis eines Heinkel mit Minimotörchen. Bis der zum Löscheinsatz am Brandort eingetroffen ist, so der alte Wehrwitz, müssen die zuerst eingetroffenen Kollegen die Flammen ziemlich lange am Brennen halten...

Autos mit Drehleiter und Blaulicht und Sirene sind Schwerpunkt der Schau, die Gründungslegende des Museums erzählt Schlüter so: Rund 20 Bochumer Feuerwehrleute kaufen 1985 einen alten Opel Blitz, um die Instrumente ihres Fanfarenzugs transportieren zu können – es wird jedoch nie dafür eingesetzt, sondern bei Oldtimer-Ausfahrten. Nach und nach kommen alte Werksfeuerwehr-Fahrzeuge dazu, so auch fünf Opel aus dem aufgegebenen Bochumer Opel-Werk. Die Werkswagen sind meist gut gepflegt, seltener im Einsatz und billig bis umsonst zu haben, weil von den Firmen lange in den Bilanzen abgeschrieben.

Wie auf der Kommandobrücke der Enterprise

Der ehrenamtliche Museumsleiter, von Hause aus Pädagoge, sieht es als eine Art Ewigkeitsaufgabe, die Fahrzeug-Sammlung immer mehr in ein Museum zu verwandeln. Rote gefärbte Bodenquadrate weisen den Rundweg, ein liebevoller Streifzug mit erkennbarem System und exotischen Einzelstücken wie dem Leiterprüfgerät und ersten Handfeuerlöschern, mit Sand gefüllten Streubüchsen, die man sich wie dünne Schultüten vorstellen muss. Die Weiterreise in eine untergegangene Welt erlaubt den Blick in eine Leitzentrale der guten, alten Analogzeit mit unzähligen Schaltern und Knöpfchen wie auf der Kommandobrücke des ersten Raumschiff Enterprise.

Am Ende des Museumstages steigt der geborene Ruhri Schlüter in sein Auto und fährt zurück nach Bochum, wo der 56-Jährige als Student hängenblieb. Ob er zu Beginn geflunkert hat? Der Familienkombi ist ein klarer Fall von RAL3000.

  • Jeden 1. Sonntag im Monat (Mai-Okt.) sowie nach Vereinbarung: 0234-2984685. feuerimrevier.de

>>>Das liebste Ausstellungsstück: das Nietenleder

„Ich hatte solange danach gesucht!“ Danach? Einem alten Stück muffigen Leders? Für Museumsleiter Schlüter nicht bloß ein ziemlich oller Schlauch, sondern Symbol für die Revolution im Löschwesen. Zuvor spritzte man vor dem brennenden Gebäude aus Pumpen auf die Fassade, bestenfalls durchs Fenster. Mit der Erfindung des Niederländers Jan van der Heyde gelang es erstmals, das Löschwasser direkt zum Brandherd zu bringen. Der Maler und Erfinder aus Amsterdam nietete um 1670 Leder zu einer flexiblen Röhre zusammen. Nebenbei erhöhte er noch den Druck der Handpumpen durch Zusammenschalten und veröffentlichte ein Handbuch zur Brandbekämpfung.

Der in Hattingen ausgestellte Schlauch entstand um 1800. Über die Feuerwehr Witten kam das gute Stück von den Kollegen aus dem französischen Beauvais an die Ruhr. Wer es in die Hand nimmt, merkt sofort: Löschen ist schwere Arbeit.

Spätere Erfinder wollten Wasser noch ganz anders an die Flamme bringen, etwa mit solchen in Hattingen beschriebenen Wasserbomben: ein 20-Liter-Fass mit zwei Kilo Schießpulver oder eine wurffreundlichere Variante im Format einer größeren Handgranate. Der Schlauch setzte sich dann doch durch.

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