Welt-Down-Syndrom-Tag

Down-Syndrom: Die besonderen Ballerinas von Schwerte

Frieda, Lilly und Lea können es kaum erwarten, mit dem Ballett-Unterricht loszulegen.

Frieda, Lilly und Lea können es kaum erwarten, mit dem Ballett-Unterricht loszulegen.

Foto: Kai Kitschenberg/FUNKE Foto Services

Schwerte.   Ballett? Das geht auch mit Trisomie 21. Zum Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März haben wir eine integrative Ballettgruppe in Schwerte besucht.

  • Wie fangen wir an?
  • Mit den Füßeeen!
  • Was brauchen wir noch?
  • Musiiiiik!

Nina Martin schaltet den CD-Player ein, heitere Klaviermusik ertönt im Ballett-Raum und drei kleine Mädchen in rosafarbenen Röckchen fangen an, sich zu strecken.

Was selbstverständlich klingt, ist es nicht. Denn die Mädchen haben das Down-Syndrom. Dass es diese besondere Ballett-Gruppe überhaupt gibt, dafür sorgt Nina Martin seit fünf Jahren. „Meine kleine Schwester hat das Down-Syndrom“, erzählt die 26-Jährige. „Sie wollte so gerne Ballett tanzen, so wie ich. Meine Chefin sagte dann: ,Mach doch einfach eine Gruppe für deine Schwester auf‘.“ Aus anfangs zwei Kindern wurden schnell elf und aus einer Gruppe wurden zwei. Jeden Montagabend unterrichtet Nina nun ihre kleinen, besonderen Ballerinas.

Die Mütter nutzen die Wartezeit zum Austausch

Frieda (5) und Lilly (7) sind ganz aufmerksam, kennen die Reihenfolge der Übungen auswendig und sind manchmal fast ein wenig zu voreilig. „Glitzeeer“, rufen sie und lassen ihre Hände mit den zappelnden Fingern von oben nach unten rieseln. Mathilde (6) kommt etwas später dazu und muss mit der Situation erst warm werden. Ebenso Lea (6), die zunächst einmal abwartet. Bei der Vogel-Übung ist sie dann aber mittendrin im Getummel, hebt und senkt ihre Arme und läuft lachend auf die Gruppe zu. „Machst du wunderbar!“, ruft Frieda und klatscht für ihre Freundin in die Hände.

„Das bildliche Vorstellen spielt bei uns eine große Rolle“, sagt Nina Martin. Viele der Übungen sind mit Tieren erklärt: Bei der Giraffe machen die Mädchen sich groß und stellen sich so gut es geht auf die Zehenspitzen, beim Bären strecken sie die Arme zur Seite und trotten vom einen Bein aufs andere durch den Raum, beim Schmetterling schlagen sie mit ihren Flügeln und laufen lachend vor dem großen Wandspiegel umher. Dieser hilft den Mädchen dabei, ihre Motorik besser kennenzulernen und zu verstehen: „Im Spiegel sehen sie ganz direkt, dass etwas passiert, wenn sie beispielsweise den Arm hochheben oder den Fuß“, so Nina Martin.

Draußen vor dem Ballett-Saal sitzen auf einer Holzbank die Mütter und warten. Sie kommen aus Ennepetal und Dortmund gefahren, um ihren Mädchen dieses Hobby zu ermöglichen. „Das ist ganz toll, dass es das hier gibt“, sagt eine von ihnen. „In normale Ballett-Gruppen würden unsere Mädchen ja gar nicht reinkommen.“ Bei dem Wort „normal“ zeichnet sie mit den Fingern Anführungszeichen in die Luft. Wartezeit ist Zeit zum Austauschen: über ihre Erfahrungen, über die Entwicklung ihrer Töchter, aber auch über das ganz alltägliche Leben. Was auch mal ganz guttut.

Ballett fördert und fordert die Motorik

Es wird geschätzt, dass in Deutschland etwa 50.000 Menschen mit Down-Syndrom leben, also einer unter 1600. Bei Down-Syndrom-Kindern schreitet die Entwicklung langsamer voran. Doch die individuellen Unterschiede sind groß. Einigen fällt das Sprechen, auch aufgrund von Hörproblemen, schwer, andere können sich gut artikulieren. Muskelstärke und -spannung sind nicht so stark ausgeprägt wie bei anderen Kindern in ihrem Alter. Die Motorik ist daher beeinträchtigt. Eine Förderung und Forderung wie etwa beim Ballett wirkt dem entgegen. Was viele Menschen mit Down-Syndrom gemein haben, ist ihre hohe soziale Kompetenz. Sie sind zuneigungsbedürftig, achten sehr auf ihre Mitmenschen und deren Befindlichkeiten.

„Hast du dir weh getan, Friedi?“, fragt Mathilde zum Beispiel besorgt, als sie sieht, dass ihre Tanzpartnerin auf dem Bauch liegt. Doch: Entwarnung. Frieda war einfach gerade danach, kurz auf dem Boden liegen zu bleiben. Als sie hört, dass als nächstes der Regenbogentanz dran kommt, ist sie sofort wieder Feuer und Flamme und stellt sich neben die anderen Tänzerinnen in die Reihe. Plié, tendu, die Arme nach links und nach rechts, eine Pirouette, eine Pose. Und ganz wichtig am Ende: Die Verbeugung nicht vergessen.

>>>> Die Ballettgruppe für Kinder mit Down-Syndrom

Die Ballettschule Schwerte in der Haselackstraße 4 (58239 Schwerte) ist von 15 bis 21 Uhr geöffnet. Mehr Informationen gibt es unter 02304 / 97 67 392. Übrigens können selbstverständlich auch Jungen in der Ballettgruppe mittanzen.

Nina Martin: „Die Mädchen sind nicht krank, nur ein bisschen anders. Am Anfang wirken manche vielleicht noch ein bisschen schüchtern. Aber wenn sie einen mögen, dann zeigen sie das sehr schnell. Das sind einfach die herzlichsten Menschen.

>>>> Weitere inklusive Sportangebote im Ruhrgebiet

„Menschen mit Down-Syndrom gibt es viele bei uns“, sagt Randolph Stüwe vom Behinderten- und Rehasportverband NRW. „In fast allen Bereichen: Fußball, Tanzen, Turnen, Schwimmen, Prävention, Fitness ...“ Obwohl meistens nicht nach der Art der Behinderung unterschieden werde, gibt es einige Sportangebote im Ruhrgebiet, die sich für Menschen mit Down-Syndrom schon bewährt haben. Eine Auswahl:

In Hattingen-Niederwenigern spielt immer mittwochs von 17 bis 18.30 Uhr eine inklusive Fußballtruppe. Infos gibt es auf der Homepage des SF Niederwenigern.

In Unna bietet Dietmar Neuwerth Fußball als integrativen Sport an. „Wir bringen B-Junioren von Rot-Weiß Unna mit Menschen mit Down-Syndrom zusammen.“ Einmal im Monat trainieren und spielen sie sonntags zwischen 10.30 und 12 Uhr. „Ich habe nur super Erfahrungen gemacht. Auch die Spieler sind begeistert, mal Kontakt zu neuen Menschen zu haben.“ Infos bei Dietmar Neuwerth unter 02303 / 80 354.

Neuwerths Sohn, der selbst das Down-Syndrom hat, geht lieber zum Standardtanz: alle zwei Wochen dienstags von 18 bis 19 Uhr bei Heike Schmidt in der Tanzschule Falk in Lünen (02306 / 97 97 525).

Auch in Essen gibt es einen Inklusionstanzkurs. Montag, 17.30 bis 18.30 Uhr in der Tanzschule Overrath (0201 / 22 81 29).

In der Schwimmschule Helf in Essen schwimmen Kinder mit Down-Syndrom mit Kindern ohne Behinderung zusammen. Interessierte melden sich einfach bei Heiner Helf unter 0201 / 22 45 22.

In Wuppertal ist eine Laufgruppe in Planung. Interessierte können an info@impuls-21.de eine Mail schreiben oder sich unter 0202 / 28 18 50 03 melden.

In Bochum hat das Turnzentrum Bochum-Witten im vergangenen Jahr die Turn-Weltmeisterschaften für Menschen mit Down-Syndrom ausgerichtet. Beim Eltern-Kind-Turnangebot des Vereins haben sich daraufhin einige Familien mit Down-Syndrom-Kindern angemeldet. Ansprechpartner ist Dietrich Spiegel (0172 / 26 48 630).

Einmal im Monat findet samstags in der Sporthalle Gartenstadt in Dortmund „Spomi“ (Sport miteinander) statt. Von 10 bis 13 Uhr steht die Sporthalle allen Interessierten offen: kostenlos, egal wann man kommt, mit wem, ob mit oder ohne Behinderung oder wie man sich sportlich betätigen möchte. „Wir stellen vier Betreuer“, erklärt Petra Opitz, Fachschaftsvorsitzende für den Behindertensport in Dortmund, „aber das Angebot lebt davon, dass Eltern, Geschwister oder Freunde auch Verantwortung übernehmen.“ Der nächste „Spomi“ findet am 23. März unter dem Motto „Tanz in den Frühling“ statt. „Es ist aber allen freigestellt, ob sie sich am Motto beteiligen oder etwas anderes machen wollen.“ Infos gibt es bei Petra Opitz (0231 / 10 26 32).

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