Architektur

Die längste, die älteste, die bekannteste Treppe

Ein Foto aus vergangenen Zeiten. Denn heute heißt es auf der Spanischen Treppe in Rom: Sitzen verboten.

Ein Foto aus vergangenen Zeiten. Denn heute heißt es auf der Spanischen Treppe in Rom: Sitzen verboten.

Foto: imago stock

Das ist kein Treppenwitz: Auf der Spanischen Treppe in Rom darf man nicht sitzen. Und anderes Kurioses über Treppen. Eine kleine Stufenkunde.

Die weltweit älteste Treppe führt durch den weltweit ältesten Turm: durch den Turm von Jericho. Die bearbeiteten Steinplatten werden datiert um das 9. Jahrtausend vor Christus. Nicht ganz so alt und trotzdem spektakulär ist die Hallstätter Holzstiege aus der Bronzezeit. 2002 fand man sie in einem Salzbergwerk in Österreich. Experten datierten die Hölzer auf die Jahre 1344 v. Chr. Damit ist sie die älteste erhaltene Holztreppe Europas.

Die Niesenbahn in der Schweiz ist nicht nur die längste Standseilbahn Europas. Neben ihr verläuft auch eine Treppe mit 11.674 Stufen. Sie gilt als die weltweit längste Treppe. Die längste Treppe in NRW befindet sich im rechten Turm des Kölner Doms. Sie hat 533 Stufen.

Stramme Waden bekommt man in Wuppertal. Die Stadt hat nicht nur eine Schwebebahn, sondern auch rund 500 öffentliche Treppen mit rund 12.000 Stufen. Damit ist Wuppertal die treppenreichste Stadt Deuschlands.

Die bekanntesten Stufen dürften die der Spanischen Treppe zur Kirche Trinita dei Monti sein. Allerdings hat Rom kürzlich ein Sitz-Verbot ausgesprochen. Das Hocken der vielen Touristen, das mit tropfendem Eis und verschüttetem Rotwein verbunden ist, schade den 136 Stufen. Wer sich nicht daran hält, hört die Trillerpfeife der Polizei. Oder muss bis zu 400 Euro Strafe zahlen. Die Treppe betreten und darauf stehen, darf man aber immer noch.

Durchs Kino wurde die Freitreppe in der ukrainischen Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer legendär. Sie ist Schauplatz in dem Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ (1925) von Sergei Eisenstein. Auf den Stufen wird nicht nur ein Aufstand blutig niedergeschlagen. In der bekanntesten Szene rollt ein Kinderwagen die 192 Stufen hinab. Doch auch real ist die Treppe erstaunlich: Da die unterste Stufe rund neun Meter breiter ist als die oberste, erlebt der Betrachter eine optische Täuschung. „Steht man am Hafen und blickt die Treppe hinauf zur Stadt, wirkt die Treppe unten breit und einladend, die Stadt auf der Anhöhe dem Himmel nahe“, so die Gesellschaft für Treppenforschung.

Eine endlose Treppe zeigte der niederländische Künstler M.C. Escher (1898 - 1972). Wie man das Blatt auch dreht und wendet: Die Treppe ist eine „unmögliche Figur“. Ein Gedankenspiel, das der britische Mathematiker Lionel Penrose und sein Sohn Roger Penrose bereits im Jahre 1958 als „Penrose-Treppe“ erdacht haben.

>> Einfach lächerlich: der Treppenwitz

Die schlagfertige Antwort fällt einem ja oft erst beim Gehen ein, wenn man schon längst die Treppe genommen hat. Die zu spät formulierte geistreiche Bemerkung ist die ursprüngliche Bedeutung des Treppenwitzes.

Heute wird damit auch eine Situation beschrieben, die wie ein schlechter Scherz wirkt. Populär wurde der Begriff durch das Buch von William Lewis Hertslet (1905): „Der Treppenwitz der Weltgeschichte“.

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