Film

Die 13 besten Pandemie-Filme für das Binge-Watching zu Hause

Sozialkontakte vermeiden, um sich vor dem Coronavirus zu schützen? Mit diesen Seuchen-Filmen vergeht die Zeit – Hoffnungsfaktor inklusive.

The Last Man on Earth

Ist dieser Schwarzweiß-Film aus dem Jahr 1964 etwa der Infektionsherd für alle folgenden Viren-Schocker? Wenn ja, dann ist er es zu Recht. Dabei erzählt „The Last Man on Earth“ (basierend auf dem zehn Jahre zuvor erschienenen Science-Fiction-Roman „Ich bin Legende“ des US-Schriftstellers Richard Matheson) zunächst nur vom postapokalyptischen Alltag des US-Wissenschaftlers Dr. Morgan: Wir schreiben das Jahr 1968 und er ist als einziger immun gegen ein Virus, das die restliche Menschheit entweder getötet oder zu schwächlichen, lichtscheuen Wesen gemacht hat, die ihm Nacht für Nacht erfolglos nach dem Leben trachten. Morgan selbst liegt derweil bei Jazzmusik auf dem Sofa und betrinkt sich. Doch wenn die Sonne aufgeht, ruft ihn die Pflicht: das Notstromaggregat am Laufen zu halten – und mit selbstgedrechselten Holzpflöcken möglichst viele dieser untoten Monster von ihrer Qual zu erlösen. Ein letzter Akt der Menschlichkeit? Oder eine Frage der Perspektive. Denn einige der Todgeweihten haben sich längst auf ein (Nacht-)Leben mit der Infektion eingestellt – und paramilitärisch organisiert. Sehen sie doch ihrerseits in Morgan eine Art Monster, das Tag für Tag loszieht, um selbstherrlich und bestialisch zu morden. Für Morgan eine bittere Erkenntnis – zumal er ein Gegenmittel für die armen Infizierten gefunden hat (sein Blut), von denen er aber trotzdem gemeuchelt wird.

Wem die Story (nicht das Ende) jetzt bekannt vorkommt: Es ist dieselbe Geschichte wie im Blockbuster „I am Legend“ von 2007 mit Will Smith – nur besser.

Hoffnungsfaktor: Dr. Morgan opfert sich zum Wohle der Menschheit.

World War Z

Mit „World War Z“ nach Max Brooks’ Survival-Roman „Operation Zombie“ kamen die einst als schmuddelig geltenden Zombies 2013 zu Mainstream-Ehren. Der deutsch-schweizerische Filmemacher Marc Forster zeigt die weltweite Zombieplage in spektakulären Bildern. Als kampferfahrener UN-Mitarbeiter hechtet Brad Pitt in bester 007-Manier rund um den Erdball, um den Ursprung der Seuche zu finden, was wiederum die Herstellung eines Impfstoffs ermöglichen würde. Im Gegensatz zu anderen Zombiefilmen, in denen sich die Überlebenden meist gegenseitig an die Gurgel gehen, zeigt Forster Zusammenhalt im Angesicht der Apokalypse. Auch auf genretypische Splatter-Effekte verzichtet der fast schon familientaugliche Zombie-Blockbuster.

Hoffnungsfaktor: Ziemlich hoch. Am Ende schafft es die Menschheit, sich mit einem Impfstoff gegen die Zombies zu wehren.

The Crazies

Als Erfinder der modernen Zombies hob der Regisseur George A. Romero ein eigenes Subgenre pandemischer Katastrophenfilme aus der Traufe. Realismus ist dabei nebensächlich, im Vordergrund steht der knallige Effekt. In seinem 1973er-Thriller „The Crazies“ verwandeln sich die Infizierten in gemeingefährliche Psychopathen, falls sie nicht sofort sterben. Der Grund ist eine bei einem Flugzeugunglück freigesetzte Biowaffe des US-Militärs. Um die Pandemie einzudämmen, wird die betroffene Kleinstadt abgeriegelt. Die Situation in der Ortschaft spitzt sich schnell zu, doch wer die Sperrzone verlassen will, wird erschossen. Der politische Thriller prangert das rigide Vorgehen des Militärs an und stößt in ein ähnliches Horn wie die Verschwörungstheorien, die aktuell zum Coronavirus zirkulieren. Psychologe: Coronavirus kann zu Besinnungspause führen

Hoffnungsfaktor: Gibt es kaum. Die komplette Stadt wird zerstört. Was mit den Überlebenden geschieht, lässt der Film offen.

The Stand

Gäbe es ihn noch nicht, müsste man den Begriff „düstere Endzeit-Story“ extra für Stephen Kings Werke erfinden. Der Science-Fiction- und Horror-Autor, der am liebsten über seinen Heimatstaat Maine an der nördlichen Ostküste der USA schreibt, kam schon 1978 auf den Gedanken, dass die Welt aufgrund eines komplexen Grippevirus zum Erliegen kommt. Die in einem geheimen Militärlabor gezüchtete und dann ausgebrochene Infektionskrankheit wird von den überlebenden Figuren im Roman als „Captain Trips“ bezeichnet. Allerdings gibt es davon nicht allzu viele, schließlich erliegen 99,4 Prozent der amerikanischen Bevölkerung und vermutlich Milliarden von Menschen weltweit den Folgen ihrer Erkältung mit grünem Auswurf. Das obligatorische, King’sche Übernatürliche kommt für die Protagonisten in Form von Träumen: Die einen sehen die christliche Mutter Abigail in ihrem Schaukelstuhl in Nebraska, die anderen folgen dem Ruf des personifizierten Antichristen Randall Flagg nach Las Vegas. So spaltet sich die postapokalyptische Gesellschaft, was letztlich auf den klassischen Kampf zwischen Gut und Böse hinausläuft.

Hoffnungsfaktor: Licht am Horizont: Am Ende des Films wird das erste gegen das Virus immune Kind geboren

Stadt der Blinden

Ein wirklich hässliches Gesicht der Menschheit, abseits von Nudelhamsterkäufen und Desinfektionsmittelklau, zeigt die Romanverfilmung von Fernando Meirelles. Wie aus dem Nichts erblinden die Bewohner einer nicht weiter spezifizierten Kleinstadt. Um die Ausbreitung der vermeintlichen Infektionskrankheit nicht weiter voranschreiten zu lassen, werden die Betroffenen in ein altes Sanatorium gesteckt. Wer zu entkommen versucht, wird erschossen. In dem Klinik-Gefängnis herrscht schon recht bald das Recht des Stärkeren, die sich dort bildende Parallelgesellschaft ist von sexueller Gewalt und Unterdrückung geprägt. Harter Stoff, der 2008, in vielen Kritiken als „Grenze des Zeigbaren“ betitelt wurde. Als wirklich sehenswert wurde jedoch die Leistung der Hauptdarstellerin Julianne Moore beschrieben, die sich an der Seite ihres Filmehemanns, gespielt von Mark Ruffalo, den Fährnissen des Schreckensszenarios stellt.

Hoffnungsfaktor: Die Heilung der Erkrankten beginnt genauso unerwartet wie ihre Erblindung.

The Carriers

Die Vogelgrippe rafft die Menschheit dahin, also wollen vier Freunde gemeinsam an einen abgelegenen Ort, den sie aus ihrer Kindheit kennen, um ihr Überleben zu sichern. Sie haben ihr Ziel klar vor den Augen und strikte Regeln fürs Überleben geschaffen: kein Mitleid, keine Empathie, wer sich infiziert, wird zurückgelassen. Aber natürlich siegt die Menschlichkeit über das rationale Handeln und die Gruppe nimmt zwei Überlebende, von denen eine infiziert ist, mit. Natürlich infiziert sich mit Bobby einer der Freunde, verheimlicht die Infektion aber, um nicht zurückgelassen zu werden. So nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Moral der Geschichte? Mit dem Ende der Zivilisation ist jeder sich selbst am nächsten. Allzu viel Inspiration für die aktuelle Pandemie sollte man aus dem Film von 2009 also lieber nicht ziehen. Wieder Vogelgrippe in Deutschland: H5N8 in Brandenburg

Hoffnungsfaktor: Auch wenn immerhin die Hälfte der Gruppe ihr Ziel erreicht, ein wirklich hoffnungsvolles Ende bietet „Carriers“ damit leider nicht.

Planet der Affen – Prevolution

In der Prequel-Trilogie zur „Planet der Affen“-Saga (2011) entwickelt ein neues Alzheimer-Medikament, das an Affen getestet wird, fatale Nebenwirkungen. Während die Versuchstiere durch das virale Medikament intelligenter werden und schließlich sogar das Sprechen lernen, tötet das für Menschen gefährliche Virus fast die gesamte Weltbevölkerung. Die Pandemie geht am Ende des ersten Teils passenderweise von einem Piloten aus, der die Krankheit von Berufs wegen international verbreitet. Dem Regisseur Rupert Wyatt genügt der Schwenk auf eine Anzeigetafel mit Flugverbindungen, um die globale Ausbreitung der „Affengrippe“ anzudeuten. Der direkte Nachfolger führt das im Vorspann fort, wobei der Zusammenschnitt aus Nachrichtensendungen und politischen Bekundungen an die gegenwärtige Corona-Berichterstattung erinnert.

Hoffnungsfaktor: Kommt immer auf die Perspektive an: Die Affen überleben, die Menschen nicht.

Outbreak

Der Pandemie-Thriller „Outbreak“ von 1995 erscheint inzwischen recht überholt, da Wolfgang Petersen den Globalisierungsfaktor kaum mitdenkt. Stattdessen wird der Infektionsherd mittels einer Militär-Quarantäne lokal eingedämmt. Am Ende verhindert ein von Dustin Hoffman gespielter Virologe die Bombardierung der Bevölkerung, indem er die Militärs per Helikopter-Gefecht stoppt. Anders als Soderbergh beschwört Petersen den für Katastrophenfilme typischen Heldenmut Einzelner, was den Film als überspitzte Hollywood-Fiktion markiert.

Hoffnungsfaktor: Wie in Hollywood üblich, siegt das Gute.

Die Pest

Getreu der Romanvorlage von Albert Camus lässt Regisseur Luis Puenzo in einer Küstenstadt in den 1940er-Jahren die Pest ausbrechen. Als die ersten toten Ratten in den Kanälen schwimmen und ein paar Stadtbewohner über Unwohlsein klagen, ahnt noch niemand, was bevorsteht. Bald stellt sich die neuartige Krankheit als die Pest heraus und die Epidemie fordert in kürzester Zeit mehrere Tausend Todesopfer. Der furchtlose Arzt Bernard Rieux kämpft als Einziger gegen die Seuche an. Während Camus’ Roman als Allegorie auf den Zweiten Weltkrieg gedacht war, geht es in der Verfilmung 1992 eher um die argentinische Heimat des Regisseurs.

Hoffnungsfaktor: Zum Glück ist die Pest heutzutage fast ausgerottet – denkt man nach dem Film.

12 Monkeys

Ein tödliches Virus, eine radikale Untergrundorganisation und ein Held, der zwischen Wahnvorstellungen und Realität nicht recht unterscheiden kann – der Film „12 Monkeys“ könnte auch gut im Hier und Jetzt spielen. Aber wir schreiben das Jahr 2035, eine Pandemie hat nahezu die gesamte Menschheit ausgelöscht. Die wenigen Überlebenden fristen tief unter Erde ein trauriges Dasein. Dank einer Zeitreisemaschine reist Agent James Cole in die Vergangenheit, um die geheimnisvollen „12 Monkeys“ aufzuhalten, die das mutierte Virus in Umlauf gebracht haben sollen. Dummerweise funktioniert die Maschine schlecht, so dass Cole erst beim dritten Anlauf in dem Jahr landet, in dem die Pandemie ausbrach – im Film ist das 1995. Der düstere Science-Fiction-Thriller wartet mit einem fulminanten Ende auf, in dem plötzlich alles Sinn ergibt, man aber als Zuschauer überrascht feststellen muss, dass man die ganze Zeit auf der falschen Fährte war.

Hoffnungsfaktor: Zeitreisen gegen die Pandemie? Da scheint ein Impfstoff die unkompliziertere Lösung.

Die Körperfresser kommen

Filmische Pandemie-Darstellungen stehen vor der speziellen Herausforderung, eine zunächst unsichtbare Gefahr greifbar zu machen. Das kann durch das Make-up von ungesunder Blässe bis hin zu aufwendig geschminktem Zombie-Lochfraß geschehen, oder auch einfach nur durch ein omnipräsentes Gefühl der Paranoia. Im Sci-Fi-Klassiker „Die Körperfresser kommen“ erhebt Philip Kaufman letzteres zum inszenatorischen Prinzip. Die Pandemie kommt hier als außerirdischer Mikroorganismus daher, der Menschen besonders perfide infiltriert: Betroffene zerfallen zu Staub und werden durch eine akkurate Kopie ersetzt. Die Fälschung ist von außen nicht zu erkennen, weshalb sämtliche Menschen betroffen sein können. Ein perfekter Nährboden für paranoide Ängste und gegenseitiges Misstrauen. Die Prämisse aus dem Roman von Jack Finney ist so griffig, dass die Körperfresser-Story bereits viermal verfilmt wurde: 1956, 1978, 1993 und zuletzt im Jahr 2007. Schließlich kündigte Warner 2017 an, ein erneutes Remake zu planen. chho

Hoffnungsfaktor: Immerhin lebt unser Körper als außerirdisches Duplikat weiter.

Die Hamburger Krankheit

Ein rätselhaftes Virus geht um in Hamburg, die ersten Menschen sterben, die Behörden verordnen strenge Quarantäne für alle Kontaktpersonen der Infizierten. Großflächig untermalt von der Sphärenmusik von Jean Michel Jarre werden bald schon ganze Städte abgesperrt, Chaos bricht aus in der Bundesrepublik, Flüchtlingszüge bewegen sich plündernd in Richtung Süddeutschland. Dort bewaffnen sich bereits Heimatschutzarmeen, um die Eindringlinge mit Gewalt abzuwehren. Herbert Fleischmanns Film „Die Hamburger Krankheit“ – kurz nach dem Kinostart 1979 auch in der Reihe „Das Fernsehspiel“ vom ZDF ausgestrahlt – wurde von zeitgenössischen Kritikern als faszinierende Mischung aus Science-Fiction, Katastrophenfilm und deutscher Realität bezeichnet – und mit Attributen wie „exzentrisch“, „kurzweilig“ oder „gedanklich wirr“ bedacht. „Die Katastrophen von morgen sind schon da, auf der Treppe, im Garten, sie kommen direkt aus unserer Mitte“, erklärte Fleischmann selbst seinen Ansatz, der ganz bewusst an die größte Urangst des Menschen appellierte – nämlich die Angst vor sich selbst und seinen Artgenossen.

Hoffnungsfaktor: Ob die Seuche besiegt ist, lässt der Film offen.

Contagion

In puncto Coronavirus ist der 2011 veröffentlichte Thriller „Contagion“ der Film der Stunde. Tatsächlich basiert das Skript auf wissenschaftlichen Fakten, die Steven Soderbergh als globale Katastrophe in Szene setzt. Die Corona-Parallelen sind zahlreich: Das Film-Virus bricht in China aus, breitet sich rasch weltweit aus, triggert Verschwörungstheorien und Hamsterkäufe, die hier in Plünderungen ausarten. Wie das gegenwärtige Unbehagen bespielt der Film Globalisierungsängste, denn in einer komplex verwobenen Welt breiten sich Viren eben sehr viel effektiver aus. Weil „Contagion“ den Schwerpunkt genau darauf legt, wirkt er auch fast zehn Jahre nach seiner Premiere hochaktuell.

Hoffnungsfaktor: Mit kühlem Kopf lässt sich so manche Krise meistern.

Leserkommentare (4) Kommentar schreiben