Besondere Museen

Das Jecksein im Herzen und der Himmel voller Orden

Ein Paradies für Narren: Das Haus des Karnevals in Düsseldorf

Düsseldorf ist immer etwas für Karnevalsfans. Wenn die Session vorbei ist, geht es halt ins Karnevalsmuseum.
Fr, 02.02.2018, 15.38 Uhr

Düsseldorf ist immer etwas für Karnevalsfans. Wenn die Session vorbei ist, geht es halt ins Karnevalsmuseum.

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Düsseldorf.   Karnevalsmuseen gibt es viele an Rhein und Ruhr, doch eines der schönsten findet man direkt im närrischen Herzen der Düsseldorfer Altstadt .

Den Karneval kann man nicht in Mauern und Vitrinen zwängen, selbst wenn es so hübsche Mauern sind wie die vom „Haus des Karnevals“. Der Karneval lebt in den Herzen und den Genen des Rheinländers. Und wozu braucht man da ein Museum? Na, weil: Nur einmal im Jahr ist Karneval – und am Aschermittwoch ist alles vorbei, sollte aber doch nicht schon vergessen sein. Und deshalb liegt heute das Düsseldorfer Karnevalsmuseum im Herzen der Altstadt direkt am Rhein, wo durch die Adern der Menschen Altbier fließt.

1999 nahm das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) das Haus an der Zollstraße 9 für 99 Jahre in Erbpacht – Daten wie aus dem Rechenbuch für Schnapszahlen. Und seit der Eröffnung 2005 herrscht hier Jubel, Trubel, Karneval.

Ein Geschenk für die Narren

„All das, was wir im Hause haben an Exponaten, haben wir nicht eingekauft“, sagt Peter Weber, der Museumsbeauftragte des CC und echtes Karnevalsurgestein. All das wurde den Narren geschenkt. Und wer in die drei Etagen des Museums kommt, sieht schnell:

Karneval, das sind Kostüme. Der Düsseldorfer Prinz trägt Rot und Weiß – und das Rot sogar an den Füßen: „Es gibt nur zwei Menschen auf der Welt, die rote Schuhe tragen: Der Prinz in Düsseldorf und der Papst in Rom“, scherzt Weber. Weshalb wohl auch die Prinzenuniform mit ihren Schuhen unweit vom Pappmaché-Papst (siehe unten) ausgestellt ist. Viele andere Kostüme sind dabei, darunter spektakuläre Spargel- und Karottentrachten, die einst Modeschöpfer Hanns Friedrichs entwarf.

Bunt wie der Regenbogen

Rot und Weiß, das ist die Uniform des Düsseldorfer Prinzen. Foto: Kai Kitschenberg Karneval, das sind Vereine. Die schlagen nicht nur rote und blaue Funken, sie sind ganz bunt. Nicht umsonst heißt einer der grellsten Düsseldorfer Karnevalsvereine KG Regenbogen, mit 500 Mitgliedern der größte schwul-lesbische Karnevalsverein Deutschlands. Wenn das die Kölner wüssten. . .

Karneval, das ist Konkurrenz. „Das hier ist der Giftschrank: Darin finden Sie alles aus Köln!“ sagt Weber und lacht. Tatsächlich haben Düsseldorf und die K*Stadt trotz aller hochstilisierter Konkurrenz ein exzellentes Verhältnis zueinander, jedes halbe Jahr besuchen sich die Narren der beiden Hochburgen.

Ein Paradies für Narren: Das Haus des Karnevals in Düsseldorf

Düsseldorf ist immer etwas für Karnevalsfans. Wenn die Session vorbei ist, geht es halt ins Karnevalsmuseum.
Ein Paradies für Narren: Das Haus des Karnevals in Düsseldorf

Karneval, das sind Orden. 1800 von ihnen hängen in einem der Räume von der Decke, darunter auch jene, die zu den schönsten der Session gekürt worden sind. In diesem Jahr besonders hübsch: Der mehr als 300 Gramm schwere Orden des CC mit 55 Funkelsteinen, dem Motto „Jeck erst recht“ und einem Herzchen auf einer Europakarte. Und das schlägt wo? Natürlich in Düsseldorf.

Karneval, das sind die Züge. Vor zwei Jahren musste der Zug abgesagt werden wegen des Sturms, Kosten 545 000 Euro. Heute treiben die erhöhte Sicherheitsregeln die Kosten.

Geld oder Liebe

Karneval, das sind Prinz und Pri... Stop! Düsseldorf hat keine Prinzessin, sondern eine Venetia. Einst wurde beim venezianischen Ball die schönste Teilnehmerin gekürt – als Gefährtin des Prinzen. Das hat sich fortgesetzt. Prinzsein ist nicht billig: 50 000 Euro muss man mitbringen.

Karneval, das sind Bützche. Dass sich dabei manches Herz entflammt hat, ist bekannt. Aber es passiert auch auf höchster Ebene. Weber sagt: „Wir hatten ein Prinzenpaar, die waren beide verheiratet. Heute sind sie miteinander verheiratet.“

Karneval, das ist . . . Wenn man sieht, mit welcher Leidenschaft Weber durchs Museum führt, weiß man’s ganz genau: Karneval, das ist ein rheinisches Lebenselixier.

>>> Das liebste Ausstellungsstück

Die Schlagzeile verhieß eine echte Sensation: „Jacques Tilly bringt den Papst ins Karnevalsmuseum!“ Und sie stimmte auch noch! Zumindest, wenn man mit einbezieht, dass dieser Papst von Pappe war, nicht aus Fleisch und Blut. Für Uneingeweihte hier die immerhin noch ein bisschen spektakuläre Auflösung: Jacques Tilly ist der absolute Star unter den Karnevalswagen-Bauern – und im Düsseldorfer Rosenmontagszug stets mit unzähligen, nadelspitzen Motiven vertreten.

Nun wäre Franziskus nicht der erste Papst, der nach dem Rosenmontagszug gnadenlos abgewrackt worden wäre. Doch Tilly erbarmte sich des Würdenträgers, der einst als Gegenspieler des prassenden Bischofs Tebartz van Elst fungierte. Nun empfängt er in der ersten Etage des Karnevalsmuseums die Gäste. Das Pflaster an seinem Kinn ist keine Schnittverletzung vom Rasieren. Ein Besucher machte ein kleines Loch in Papas Pappe. Und das wurde auf die Schnelle so geflickt.

>>>Ein Museum voller Narren

Das Haus des Karnevals liegt in der Zollstr. 9, 0211/ 330101, www.comitee-duesseldorfer-carneval.de. Mo.-do. 9-16.30 Uhr, fr. 9-13 Uhr. Von Altweiberfastnacht bis Aschermittwoch geschlossen.

Weitere Karnevalsmuseen der Region: Köln (koelnerkarneval.de), Duisburg (rheinischemuseen.de), Hilden (rheinisches-karnevalsmuseum.de), Oberhausen (karneval-in-oberhausen.com/html/archiv.html).

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