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Das Afrika-Museum in Essen: Orangenlimonade als Opfergabe

Voodoo und Magie in Essen

Das Museum Soul of Africa in Essen ist etwas Besonderes. Besucher erfahren hier etwas über Götter, Magie und Voodoo. Eine Reise in eine fremde Welt.

Das Museum Soul of Africa in Essen ist etwas Besonderes. Besucher erfahren hier etwas über Götter, Magie und Voodoo. Eine Reise in eine fremde Welt.

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Essen.   Das Museum „Soul of Africa“ in Essen bezaubert mit Göttern, Magie, Voodoo und spannenden Geschichten, die unter die Haut gehen.

Vergessen Sie die Nadeln! Die können Sie noch so oft in eine Stoffpuppe stechen, außer im Film hat das keinerlei Folgen. Fäden sollen wirkungsvoller sein. Wickelt man sie mit magischen Pflanzen um einen Hundeschädel, kann man sich den Schuldeneintreiber sparen.


Jedenfalls glauben das Menschen in Teilen Westafrikas. Henning Christoph hat nicht nur solche Geschichten für sein Museum „Soul of Africa“ in Essen zusammengetragen, sondern auch den Hundeschädel, magische Flaschen und echte, hölzerne Voodoo-Puppen. Die „Bocios“ sind in der Körpermitte oft stark umwickelt. „Im Bauch sitzt die Seele“, erklärt der 74-Jährige. Eine Puppe schützt eine Schwangere, eine andere soll auf dem Fußballfeld helfen. Voodoo, dieser alte afrikanische Glaube, stehe nicht für das Böse. „Das ist eine Erfindung von Hollywood.“

Die Museumsbesucher kommen von nah und fern, um die nach eigenen Angaben weltweit einzigartige Sammlung des Ethnologen, Fotografen und Filmemachers zu bewundern. Oder um etwas Glück zu bitten: Ein Afrikaner, der in unserer Region studiert, würfelt jede Woche seine Lottozahlen. Dafür besucht er Mami Wata, eine Wassergöttin, die im Museum ihren eigenen Altar hat.


„Ich habe mein Haus verkauft für diesen Altar“, sagt Christoph. „Aber ich habe es nie bereut.“ Dabei hat er einige Jahre gewartet, tagelange Zeremonien für viele Helfer des Priesters organisiert, bis diesem im Traum die richtigen 41 Figuren erschienen sind, die er aus einem „beseelten Baum“ schnitzen ließ.

In Essen bringt der Student der Göttin Mami Wata Opfergaben. Nicht das Blut eines Huhns, so etwas mag Shango, der Blitz-und Donnergott. Der Frauenkult funktioniert besser mit Blumen, Champagner oder Fanta. „Niemals Cola. Das hat nicht so eine schöne Farbe.“

Und tatsächlich, der Student gewinnt. Immer nur kleine Summen, so Christoph. Einmal seien es jedoch 500 Euro gewesen. Der Student wurde nervös. „Wenn Männer zu viel von Mami Wata wollen, wird man Sklave von Mami Wata.“ Der Student fürchtete, nun seine Liebe zu verlieren.

Trance durch Trommelschläge

Glaubt Christoph selbst an Voodoo? „Ich mag das Wort ,glauben’ nicht“, sagt er. „Ich respektiere und akzeptiere. Manches lässt sich rational einfach nicht erklären.“ Ein Mann, den Trommelschläge in Trance versetzt haben, rammt sich ein Messer in seinen Kopf – und überlebt. Eine Frau mit Liebeskummer wird bei lebendigem Leib zwei Stunden lang eingebuddelt – und überlebt. Wollte Christoph, der Monate und Jahre bei den Stämmen gewohnt hat, nicht „Stopp!“ schreien? „Das ist der Instinkt, aber man muss vertrauen.“

Kritisch sieht Christoph den Einfluss anderer Religionen, etwa der Pfingstbewegung. Sie habe Zwillingspuppen verbrennen lassen, die den Einwohnern viel bedeuten. Sie stellen die verstorbenen Zwillingsgeschwister dar, die gepflegt und verehrt werden. Voodoo, das schlicht „Gott“ bedeutet, sei eine Religion zum Anfassen.

Die Menschen sprechen mit ihren Ahnen, wenn sie deren Altäre besuchen. Sie sehen Tänzer in bunten Kostümen, die die Geister der Verstorbenen symbolisieren und deren Berührung den Tod bringen soll. Respektvoll schauen sie den Tänzern zu, die den rechten Weg zeigen. Das Ritual stärkt somit die Regeln und den Zusammenhalt der Gemeinschaft.


Das Wissen der Heiler über die Pflanzen

Auch die Heilpflanzen faszinieren Christoph. Er betreibt in Westafrika eine Farm. „Mit dem Ziel, eine Pflanzenapotheke aufzubauen.“ Und das Wissen der Heiler zu wahren. Denn Internet und Smartphone verändern auch die Kulturen in Benin oder Nigeria.

„Diese Menschen sind nicht die Exoten in dieser Welt. Wir sind es, mit unseren ganzen Ängsten“, sagt Christoph und macht eine wegwerfende Handbewegung. „Sie leben von Tag zu Tag. Mich hat die Zeit dort sehr geerdet.“

>> DAS LIEBSTE AUSSTELLUNGSSTÜCK

Es ist nicht das schönste Ausstellungsstück, aber ein sehr gefährliches: „Es kann einen umbringen, wenn man es nicht richtig macht“, sagt Henning Christoph und nimmt eine Schnapsflasche in die Hand, in der nicht nur Schmuck, sondern auch Giftschlangen eingelegt sind.

Christoph wollte die noch recht unbekannte Ethnie „Holli“ erforschen, an der Grenze von Benin zu Nigeria. Der Stamm ist gefürchtet, Schwarzmagier sollen dort leben. „Quatsch“, sagt Christoph. Doch als er zum Dorf kommt, gießt sich ein Priester den Schlangen-Schnaps ein, trinkt und fordert den Fremden auf, es ihm gleichzutun. „Mein Beniner Mitarbeiter sagt: ,Trink das nicht, er vergiftet dich!“ Doch Christoph weiß, dass er sonst nicht ins Dorf kommt. Er nimmt einen Schluck.

Ihm geht es gut. Aber fünfmal muss er wiederkommen, den Schnaps trinken, bevor der Priester verkündet: „Du bist ein ehrlicher Mann. Hättest du mich angelogen, wärest du jetzt tot.“ Ein Zoologe erklärt Christoph später, dass das Gift nur wirke, wenn man dabei nervös ist, einen Adrenalinschub bekommt. „Ich bin Gott sei dank ruhig.“

>> DAS MUSEUM ZIEHT UM

Im September 2019 wechselt die Ausstellung, die bisherige Schau wird vorübergehend in Hildesheim gezeigt. Das Voodoo-Museum, das seit 2000 in einer Wohnung beheimatet ist, wird im Jahr 2020 in größere Räume ziehen, ebenfalls in Rüttenscheid.

Öffnungszeiten: Do, Sa, So: 14 - 18 Uhr, Fr: 18 - 22 Uhr; Führungen, z.B. sonntags, 14 Uhr. Rüttenscheider Str. 36, Essen, Eintritt: 8 €, Kinder: 4 €, 0201/ 787 640; soul-of-africa.com

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