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Besser lernen mit Musik – Warum nicht mit Pythagoras rappen?

Lernt sich’s besser mit Musik? Zumindest bei manchen Menschen kann Musik durchaus zu einer besseren Konzentration beitragen.

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Lernt sich’s besser mit Musik? Zumindest bei manchen Menschen kann Musik durchaus zu einer besseren Konzentration beitragen. Foto: imago stock

  Welche Musik, welche Lieder lassen uns besser lernen und konzentrieren? Musiker versuchen nun, den Schulstoff gleich mit den Songs zu verknüpfen.

Nachmittags im Kinderzimmer: Die Hausaufgaben sind noch nicht gemacht, morgen gibt’s auch noch den Vokabeltest und bis Mitte der Woche müsste man dieses lästige Goethe-Gedicht auswendig gelernt haben. Egal, erstmal Musik an, um in die richtige Stimmung zu kommen! Musik an? Nun, schon an der Frage, ob das Hören von Musik für einen Lernerfolg förderlich ist, scheiden sich die Geister.

Manche können exzellent lernen, wenn sie ein wenig beschallt werden, manche brauchen absolute Stille, damit etwas in den grauen Zellen hängen bleibt.

Die kreative Hirnhälfte mag schnellere Musik

Es ist schon ein Weilchen her, da hat das Streaming-Portal Spotify eine Studie in Auftrag gegeben, die die positive Wirkung von Musik aufs Lernen belegen sollte. Die Psychologin und Verhaltenstherapeutin Dr. Emma Gray versuchte zu beweisen, dass unterschiedliche Musik unterschiedliche Hirnregionen anspornt. So stimuliere etwa klassische Musik oder langsamere Popmusik eher die linke Gehirnhälfte, die für das logische Denken zuständig ist. Damit sollte das Mathepauken leichter fallen. Wer hingegen die kreative Hirnhälfte reizen wolle, brauche eher schnellere Musik.

Dr. Gray brachte ihre Studie dann sogar so weit auf den Boden der Praxis, dass sie Playlisten zusammenstellte, nach denen man für die jeweiligen Fächer lernen sollte – ein zumindest fragwürdiger Ansatz, denn wer etwa die dort aufgeführten Katy Perry, Kelly Clarkson oder Miley Cyrus nicht mag, wird schwerlich beim Hören ihrer Songs große Lernerfolge erzielen.

Unbestreitbar ist, dass es einen Unterschied macht, ob man nun zu Walgesängen, zu den Zeilen von Eminem oder zu afrikanischen Stammestänzen lernt. Entscheidend für einen gewissen Lernerfolg dürfte allerdings eher sein, inwiefern die Musik denjenigen in seiner Konzentration unterstützt – oder ihn ablenkt.

Nicht jede Untermalung gefällt jedem Hörer

Schaut man heute auf Youtube nach Musik zum Lernen, wird man überhäuft mit Angeboten, die sich perfekt als Untermalung eignen sollen. Aber: Nicht jede dieser Untermalungen gefällt jedem Hörer. Gemeinsam haben sie allerdings eines: Es sind atmosphärische, harmonische Klänge, die so komponiert wurden, dass möglichst wenig von ihnen hängen bleibt, ein Singsang eben. Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben, denn einige dieser Playlists haben mehr als 50 Millionen Klicks, ein überwältigender Erfolg, fast könnte man von Welthits sprechen.

Ein Mythos, der in diesem Zusammenhang immer wieder durch die Medien geht, ist der sogenannte Mozart-Effekt. 1993 stellten Wissenschaftler der University of California fest, dass sich das räumliche Vorstellungsvermögen und sogar die Leistungen in IQ-Tests nach dem Hören von Mozarts Musik deutlich verbessern.

Musik sorgt für bessere Durchblutung

Viele Studien haben seitdem versucht, diese Ergebnisse zu belegen – und sind gescheitert. Dass das Hören von Musik jedoch mehrere Hirnregionen stimuliert und für eine bessere Durchblutung sorgt, bestätigen zahlreiche Experimente.

Einen einleuchtenden Ansatz, der Musik und Lernen verknüpft, verfolgt derzeit ein deutscher Musikproduzent: Addo Casper aus Köln hat die Reihe „Eduartists“ konzipiert, mit der er Bildung und Musik für Schüler verknüpfen will. Er bringt derzeit eine ganze Reihe von Titeln heraus, immer auf bestimmte Fächer zugeschnitten. So wird Grundschülern das kleine Einmaleins beigebracht, indem man es von einem Beatboxer vortragen lässt. Klingt simpel und ist sehr erfolgreich.

Denn gerade bei einem doch eher trockenen Fach wie Mathematik gilt es zunächst, erstmal mit dem Lernen anzufangen. Und das geht ein bisschen einfacher, wenn der Stoff von einem coolen Musiker vermittelt wird – als von einem Schulbuch. „Musik wird von mehreren Sinnen aufgenommen. Wir wollen den Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Sprache, Wissen und Kultur mit Hilfe von Musik erleichtern“, sagt er.

„Bionomische Formeln“ – ein Hit!

Dass das mit Mathe und Hip-Hop prima funktioniert, beweist Youtube-Star „DorFuchs“, der auch komplexere Formeln in Rap-Zeilen fasst. Einer seiner großen Hits nennt sich „Binomische Formeln“ und steuert mittlerweile auf die zwei Millionen Klicks zu. Hinter „DorFuchs“ steckt der Mathestudent Johann Beurich, der genau wie Addo Casper davon überzeugt ist, dass sich mit Musik besser lernen lässt.

Caspers Ansatz beschränkt sich nicht auf Mathe. „Englisch mit dem Sprachmonster“, „Goethe und Schiller feat. Shakespeare“, all dies ist modern vertont, eine Kooperation mit einem Schulbuchverlag gibt es auch schon. Für Casper ist dies Ausdruck zeitgemäßen Lernens: „Alles, was damit zu tun hat, die Kids in ihrer Welt zu erreichen, habe ich zu meiner Mission gemacht: Wissen, Werte, Nachhaltigkeit.“

Um Lernerfolge zu erzielen, muss man die Musik mögen

Entstanden ist das Konzept der „Eduartists“ übrigens aus einem anderen Bildungsprojekt: Als Caspers Tochter Nicola vor zwölf Jahren ein Gedicht für den Unterricht gerappt hat, entstand bei ihm die Idee für „Junge Dichter und Denker“, eine Kinder-Rapgruppe, die sich Bildung auf die Fahne geschrieben hatte – und die mit Caspers Unterstützung riesige Erfolge feierte.

Wichtig ist, das weiß auch Casper: Wenn man Lernerfolge erzielen will, muss man sich mit der Musik wohlfühlen. Deshalb versucht er, den Musikgeschmack der Kids anzusprechen. Momentan ist eine Deutsch-CD für Kita-Kinder in Arbeit: Neben der Sprache sollen auch Benimmregeln vermittelt werden. Ein Knigge für die Kleinsten? „Warum nicht? Die Worte ,Bitte’ und ,Danke’ können einen im Leben weiterbringen“, so Casper. Wenn Kinder das dank Musik nebenbei lernen, profitieren alle. Denn sobald etwas pädagogisch wertvoll ist, muss das nicht heißen, dass es keinen Spaß machen darf.

>> ADDO CASPER VERKNÜPFT BILDUNG MIT MUSIK

Ursprünglich kommt Addo Casper (Jahrgang 1955) aus der Popbranche, beim einstigen Plattenriesen EMI war er Marketing-Manager u.a. für Queen, Deep Purple und Kate Bush. Nach Zwischenstationen im Musikverlag und als Pionier einer Download-Plattform wurde er zwischenzeitlich zum Musik-Profiler, der die passende Musik zu Werbebotschaften fand.

Bildung wurde im Jahr 2005 zu seinem Steckenpferd, als er dank seiner Tochter Nicola die Idee für das Projekt „Junge Dichter und Denker“ hatte, bei dem Fanta4-Rapper Thomas D. als Mentor fungierte. Gemeinsam wollten sie jungen Menschen mit Rapmusik Bildung näher bringen – quasi als Trojanisches Pferd.
Nachdem diese Rapper dem Projekt entwachsen waren, konzipierte Casper die „Eduartists“, von denen es zum Ende des Jahre insgesamt neun Titel geben wird, die auch als Lehrmaterialien im Unterricht verwendet werden können.

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